• aktualisiert:

    BAD KÖNIGSHOFEN

    Klostergartenmauer: Lücke wird geschlossen

    Von der Zeughausstraße in Bad Königshofen hinüber zum ehemaligen Kindergartengebäude ist bald kein Durchblick mehr möglich.

    Viele Bad Königshöfer haben sich an den ungewöhnlichen Ausblick längst gewöhnt, der so über Jahrhunderte hinweg nicht möglich war: Seit Frühjahr vergangenen Jahres klafft in der Klostergartenmauer eine rund zehn Meter breite Lücke, die den Blick schweifen lässt über den kleinen innerstädtischen Park bis hinüber zum früheren Kindergartengebäude.

    Mit der Aussicht ist es bald vorbei, denn vor wenigen Wochen haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofs damit begonnen, die Öffnung in der mächtigen, über zwei Meter hohen Natursteinmauer zu schließen. „Wir gehen davon aus, dass wir damit noch fünf bis sechs Wochen beschäftigt sein werden“, nennt Alfons Kuhn das bis zum Abschluss des Wiederaufbaus gesetzte Zeitfenster. Dass für das Hochmauern fast ausschließlich Steinquader verwendet werden, die aus dem Rückbau stammen und sorgfältig eingelagert worden waren, spart nicht nur Kosten, sondern war eine Auflage des Denkmalschutzes.

    27 Zentimeter aus dem Lot

    Sicherheitsaspekte waren ausschlaggebend für den Teilabriss der Klostergartenmauer im vergangenen Jahr. Das Naturstein-Bauwerk kippte gegenüber des Parkplatzes des Hotel Ebner schon seit vielen Jahren in Richtung Straßenraum. Zuletzt war die Mauerkrone beachtliche 27 Zentimeter aus dem Lot geraten, sodass die Stadt handeln musste und das Abtragen eines zehn Meter breiten Mauersegmentes anordnete (wir berichteten).

    Zuvor war die Hauptursache für das Neigen ausgemacht worden: ein marodes Gewölbe, welches das Wasser des durch den Klostergarten fließenden und aus Richtung Schulgelände kommenden Bächleins unterirdisch in südliche Richtung abführt. Dies Durchführung hatte sich im Laufe der Jahrzehnte nicht nur zugesetzt, sondern war auch baufällig geworden. Immerhin konnte sie erhalten werden und musste nicht wie ursprünglich geplant durch ein 60 Zentimeter starkes Betonrohr ersetzt werden.

    50 000 Euro investiert

    An den vor Baubeginn geschätzten Kosten wird das nach Aussage von Rainer Jäger vom städtischen Tiefbauamt nichts ändern. Rund 50 000 Euro wird die Stadt in die Gesamtmaßnahme investiert haben, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind. Die Kosten beinhalten auch den Aufwand für das Ausbaggern des durch den Klostergarten führenden Baches und das Entfernen mehrerer Bäume.

    Geplant ist nach der Schließung der Mauer, an ihrer innerern Seite wieder einen Fußweg anzulegen, sodass der Klostergarten wie früher wieder zu Fuß umrundet werden kann. Eine Art Guckloch in dem neu errichteten Mauersegment, wie es sich einige Bürger gewünscht hätten, um auch weiterhin von der Zeughausstraße in den Klostergarten schauen zu können, wird es dagegen nicht geben.

    Lücke wird komplett geschlossen

    Das hat Bürgermeister Thomas Helbling in der jüngsten Stadtratssitzung deutlich gemacht und als Grund dafür die Gefährdung von Fußgängern in der unübersichtlichen Kurve genannt.

    Auch Kreisheimatpfleger Reinhold Albert legt großen Wert darauf, dass die Lücke in der Mauer wieder komplett geschlossen wird, schließlich handelt es sich seiner Meinung nach um ein wertvolles Relikt aus der Zeit, als es in Bad Königshofen noch ein 1665 erstmals bezogenes Kapuzinerkloster gab. Es wurde 1969 an die Kosmotel-Gesellschaft verkauft und wenig später abgerissen, um einem Hotelneubau zu weichen. Der letzte Kapuziner, Pater Eckbert, verließ 1973 die Stadt. Die Klosterkirche blieb nach Protesten aus der Bevölkerung erhalten. Der Klostergarten dient bis heute als kleiner, ruhiger Zufluchtsort am Rande des Stadtzentrums von Bad Königshofen.

    Mauer ist über 100 Jahre alt

    Aus den Unterlagen von Kreisheimatpfleger Reinhold Albert geht hervor, dass zunächst nur ein sehr kleiner Garten zur Klosteranlage gehörte. Laut Aufzeichnungen reichte er nur bis dahin, wo sich damals die Durchfahrtstore befanden. Erst 1691 beantragten die Kapuziner bei Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg, es möge ihnen erlaubt werden, ihr kleines Gärtchen zu vergrößern. Der Bischof erlaubte den Ankauf dreier Häuser, die abgebrochen wurden, um den Garten zu vergrößern. Weitere 200 Jahre, also um 1900, später wurde der Bau einer geschlossenen Mauer um Klostergarten und Klostergebäude genehmigt. AK

    Videos
      Weitere Artikel
      Fotos