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    Bad Königshofen im Grabfeld

    1. Advent und schon Bescherung im Grabfeld

    Bad Königshofen landet den nächsten Coup mit dem 3:1-Sieg gegen den Tabellenzweiten Post SV Mühlhausen.

    Pure Entschlossenheit: Der Sieg des Bad Königshöfers Filip Zeljko (im Bild) gegen den tschechischen Nationalspieler und ...

    Dem TSV Bad Königshofen gehen nicht die Form und die Einfälle aus, aber die Superlative. Nach dem 3:2-Sieg beim Tabellenersten Borussia Düsseldorf wurden "Sensation" und "Wunder" bereits überstrapaziert. Nun gewann der Aufsteiger in der Tischtennis-Bundesliga auch gegen den Zweiten Post SV Mühlhausen mit 3:1. Es war der höchste der bislang drei Siege. Einen weiteren Rekord verhinderte der Wintereinbruch: "Nur" 610 Zuschauer waren es diesmal. Die daheim Gebliebenen haben absoluten Spitzensport der Extraklasse verpasst. Der zurzeit überragende TSV-Akteur, der 19-jährige Darko Jorgic, scherte sich den Teufel darum, dass nach seinen zwei Triumphen von Düsseldorf nun jeder nur noch Siege erwartet. Er lieferte sie einfach, wieder zwei.


    Die Trommeln verstummen

    Den ersten gegen den ehemaligen Doppel- und Team-Europameister, den Österreicher Daniel Habesohn. Wenn auch die ersten beiden gewonnenen Sätze knapp ausgingen, hatte man doch immer den Eindruck, dass Jorgic das Spiel und den Gegner im Griff hat. Zum Satzende hin hatte er immer die besten Antworten parat. Im dritten schlug dann das Pendel hin und her. Bei 5:1-Führung für Jorgic sah es nach einem schnellen Ende aus. Habesohn konnte aber verkürzen und zwang Jorgic in den vierten Satz, in dem der junge Slowene heiß lief und Habesohn mit 11:4 vom Tisch verabschiedete. Da tobte die Halle und die Trommeln aus Mühlhausen verstummten vorübergehend. Es war das erste Mal in dieser Halle, dass zwei Gästefans mit technischer Unterstützung den Anfeuerungs-Applaus von vielleicht 1000 Händen erstickten. Nicht einmal der Hallenlautsprecher kam gegen dieses Dezibel-Volumen an: Beim Fußball kein Problem, beim Tischtennis zumindest gewöhnungsbedürftig.

    Dieses Empfinden galt aber ausschließlich für die Zuschauer. Die fokussierten Spieler scheinen das in ihrem "Tunnel" gar nicht zu hören. Der mit der drittbesten Bilanz (8:2) angereiste Rumäne Ovidiu Ionescu bestimmt nicht. Der spielte phasenweise wie aufgedreht, und es war schon eine tolle Leistung von Mizuki Oikawa, dass er ihn in bis den fünften Satz und zu einem harten Stück Arbeit bei seinem neunten Saisonsieg zwang. Hier lief er dem schnellen 1:5 bis zum bitteren Ende (8:11) hinterher. Ausgleich zum 1:1 und wieder alles offen zur Pause.

    Dann erlebte der 20-jährige Ersatzmann Filip Zeljko trotz Meisterschaft mit dem TSV seine vielleicht schönsten 20 Minuten in Bad Königshofen. Mit negativer Zweitliga-Bilanz war seine Weiter-Verpflichtung als Ersatzmann nicht unumstritten. Doch in Düsseldorf, erstmals für Kilian Ort eingesprungen, schnupperte er schon mal sehr intensiv an seinem ersten Bundesliga-Sieg bei 9:9 im fünften Satz gegen Anton Källberg. Bis zuletzt überlegte man beim TSV und entschied sich dann dafür, Kilian Ort noch einmal aus der Schusslinie zu nehmen. Der war die Woche über beim Feldwebel-Lehrgang, während andere sich den Feinschliff für Sonntag holten. Bundeswehr statt Bundesliga. Und Filip Zeljko bedankte sich für das Vertrauen auf seine Weise. Er holte sich seinen ersten TTBL-Sieg gegen den von den "Postlern" neu verpflichteten tschechischen Nationalspieler und Olympiateilnehmer Lubomir Jancarik. Ehe der sich versah, hatte er den ersten Satz 2:11 verloren. Auch im zweiten Satz zog Zeljko schnell davon und machte mit 11:7 zu. Im dritten wäre er für seine Ehrlichkeit beinahe bestraft worden. Bei 4:4 gab er eine Netzangabe zu, die beide Tischschiedsrichter nicht erkannt und den Protest seines Gegners schon abgelehnt hatten. Nicht selten kippte da schon mal ein Match. Bei 4:6 sah es auch einen Moment danach aus. Doch dann war Filip wieder da und fegte seinen Gegner mit seinem entfesselten Angriffs-Tischtennis, mit klug vorbereiteten Attacken, von der Platte. Das war die Sensation innerhalb dieses inzwischen gar nicht mehr so sensationellen Triumphs über den Tabellenzweiten. 2:1 für die Gastgeber und noch zwei Optionen.


    Die Waage neigt sich

    Gleich die erste griff. Zum ersten Mal spielte Jorgic, der die Saison auf Position drei begonnen und die letzten Begegnungen auf zwei vorgerückt war, als Einser. Im Duell mit Ovidiu Ionescu, dem mit der nunmehr 9:2-Bilanz, schien es im ersten Satz, als habe er seinen Meister gefunden. Der Rumäne spielte furios und beinahe fehlerlos und gewann mit 11:6. Der schien die Mittel zu haben, den Siegeszug von Jorgic zu bremsen: noch frecher, noch brutaleres Angriffs-Tischtennis. Doch nun zeigte sich, wie weit der "Benjamin" der Königshöfer schon ist. 11:6 für ihn und wieder alles im Lot. Nicht nur das: Die Waage neigte sich für den Publikums-Liebling. Jorgic machte den dritten Satz mit dem vierten Satzball zu und den vierten gleich mit dem ersten. Auf Augenhöhe ging es hier bis 9:9. Dann war der zweite Sieg in Folge da. "Zwar nur erster Advent", so der Hallensprecher Jürgen Halbig, "aber wie Bescherung." Nur: Es kommt erst noch der zweite Advent - mit dem nächsten Heimspiel gegen Werder Bremen, den neuen Tabellenzweiten. Rudi Dümpert
    Redaktion

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