• aktualisiert:

    MÜNNERSTADT

    Trauer um Gerald Kriedner

    Auch in anderen Kontinenten hat der weitgereiste Künstler einen Namen. Besonders konzentrierte er sich vor seinem Tod auf ein besonderes Land.

    Selbst der Steingarten am Wohnhaus wurde so etwas wie Kunst: Im Alter von 77 Jahren starb in der vergangenen Woche der M... Foto: Archiv Michael Petzold

    Nach längerer Krankheit ist in der vergangenen Woche der Münnerstädter Künstler Gerald Kriedner gestorben. 77 Jahre wurde der kreative Kopf alt, der mit provokativen Werken oft für Aufsehen sorgte. Die Skulptur eines pinkelnden Mannes nahe der Lauer an der nördlichen Stadteinfahrt von Münnerstadt zieht bis heute immer wieder Blicke auf sich.

    Das Werk Gerald Kriedners in wenigen griffigen Worten beschreiben zu wollen, ist eine eigentlich nicht zu lösende Aufgabe. Denn der Maler und Kunstpädagoge hatte viele Facetten, die er recht impulsiv auslebte. So lag es ihm am Herzen, mit ausdrucksstarken und teils provokanten Bildern soziale Missstände anzuprangern und die Gesellschaft von Irrwegen abzubringen. Als anderen Pol gibt es gefühlvolle Begegnungen mit der Rhön – auch nur eine Episode seines Schaffens als herausragender Aquarellist. Gerne experimentierte er mit verschiedenen Maltechniken. Das epochale Ereignis des Mauerfalls feierte der Künstler mit seiner „Götterdämmerung“, die er auf das erhaltene Mauerstück der East Side Gallery malte.

    Gerald Kriedner wurde 1940 in Maxen bei Pirna geboren, lernte handwerkliche Berufe und studierte am Kunstseminar der Ruhruniversität Duisburg unter anderem bei Josef Beuys. Reisen führten ihn in die ganze Welt, sein vielfach ausgezeichnetes Werk war bei ungezählten Ausstellungen im In- und Ausland (zuletzt schwerpunktmäßig in China) zu sehen.

    Von seinem Wohnsitz Münnerstadt aus engagierte er sich für die Gründung des Kunstvereins Bad Neustadt 2002, sah dort allerdings nicht lange eine Heimat für sich. Nach vielen Jahren in Steinach hat Gerald Kriedner im Jahr 2000 in Münnerstadt eine neu Heimat gefunden und unterhalb des Oberen Tores sein Atelier eingerichtet und mit seinem akribisch arrangierten Steingarten ebenfalls neugierige Blicke auf sein Anwesen gezogen. Gerald Kriedner war stets ein Rastloser, sein Münnerstädter Domizil vereinigte Kunst und Erinnerungen an seine viele Reisen, die ihn nach Mexico, Japan und weiß der Herr wohin noch geführt haben.

    2010, kurz nach seinem 70. Geburtstag, brach er nach Peking auf, wo er zu den Auserwählten zählt, die auf der International Art Biennale China ausstellen dürfen. Immerhin vertritt er ganz Süddeutschland. Dort geht es dann um die Schäden verfehlter Umweltpolitik. Eine große Ehre für den Künstler, der von 1970 bis 1990 an der Realschule in Bad Neustadt Kunst unterrichtete. Kriedner war einer von 220 eingeladenen Künstlern, gut 40 000 Künstler hatten sich für einen Platz beworben.

    Bereits 2003 war er zur Biennale geladen. „Als einziger No-Name“, wie er sagt. Hing sein Bild doch bei Werken von so renommierten Leuten wie Georg Baselitz, Markus Lüpertz oder dem zwischenzeitlich verstorbenen Jörg Immendorf.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!