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    BAD KISSINGEN

    Straftaten aus der Spraydose

    Das selbst ernannte Künstlerkollektiv BK Kidz erklärt öffentliche Wände in Bad Kissingen zu Diskussionsflächen für alle, richtet aber vor allem Schaden in der Stadt an.


    The Kidz are back prangt in orangefarbenen Buchstaben auf der Wand der deutschen Post in der Münchner Straße. Sie sind zurück. Die Gruppe, die sich BK Kidz nennt und im Dezember und Januar mit Graffiti und Aufklebern im Stadtgebiet auf sich aufmerksam gemacht hat, hat zugeschlagen.

    In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai zwischen 3 Uhr und 3.30 Uhr wurden im Bereich der Münchner Straße, des Berliner Platzes, des Feuerturms sowie an der Lindesmühlpromenade unterhalb des Luitpoldstegs mehrere Schriftzüge gesprayt, so die Polizei.

    Vermummt im Video

    Sätze wie „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“, „Sachbeschädigung im öffentlichen Raum“ oder „I can see a canvas but where are the artists?“ (Ich sehe eine Leinwand, aber wo sind die Künstler?) sind nun dort zu lesen.

    Unklar ist, wer sich hinter den BK Kidz verbirgt. In einem Video auf ihrem Blog im Internet treten sie nur vermummt in Erscheinung. Zudem ist dort kein Impressum und nur eine anonyme E-Mail-Adresse angegeben. Da die Verantwortlichen auch andere dazu aufrufen, sich an den Aktionen zu beteiligen, bleibt unklar, welche Personen und wie viele überhaupt involviert sind.

    Premiere Ende Dezember

    Zum ersten Mal wurden sie in der Nacht von 27. auf 28. Dezember vergangenen Jahres tätig: An die Bahnunterführung zwischen Arnshausen und Bad Kissingen sprayten sie kritische Kommentare zu der in der Politik diskutierten Obergrenze für Flüchtlinge.

    Weitere Aktionen folgten im Januar, bei denen sie beispielsweise Aufkleber in der Stadt verteilten. Diese Unternehmungen beschreiben sie auf ihrem Blog. Dort nennen sie auch ihre Ziele: Die BK Kidz sehen sich „als Kuenstlerkollektiv“ und erklären „die freien Flaechen dieser Stadt zur Kunst- und Diskussionsflaeche fuer Alle“. Über die neuesten Graffiti finden sich dort allerdings keine Einträge.

    Auf ihrem Blog ist auch der Slogan „Stadt für alle“ zu finden, der nicht originär von ihnen stammt. Unter der Parole wehren sich in Großstädten Bürger, die auf Klassengegensätze, Ausgrenzung und Mietervertreibung aufmerksam machen wollen.

    15 Straftaten

    Mittlerweile haben die BK Kidz mit ihren Aktionen vor allem eines bewirkt: hohen Schaden. „Insgesamt gibt es 15 Fälle, die als Straftaten gewertet werden“, erklärt der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen, Christian Pörtner. Von Graffiti will er nicht sprechen. „Das wäre übertrieben. Das sind Schriftzüge, Schmierereien trifft es eher“, so Pörtner.

    Und diese betreffen vor allem die Stadt. Der Schweizerhaussteg wurde bereits zum dritten Mal Zielscheibe der Gruppe. „Zweimal mussten wir ihn bereits reinigen. Das hat 5200 Euro gekostet“, informiert der Pressesprecher der Stadt, Mario Selzer. Drei weitere Schäden, unter anderem die Schriftzüge unterhalb des Luitpoldstegs, sind noch nicht entfernt worden. „Über diese Kosten können wir noch nichts sagen“, erklärt Selzer.

    Hohe Kosten

    Er weist darauf hin, dass die Kosten schnell steigen können. Denn je öfter beispielsweise der raue Beton am Schweizerhaussteg mit dem Sandstrahler gereinigt werden muss, desto mehr Schaden nimmt die Oberfläche. „Irgendwann muss der Steg dann saniert werden und das wird teuer“, so Selzer. Für die Stadt sei der entstandene Schaden enorm: „Damit könnten ganz andere Dinge finanziert werden“, sagt Selzer.

    Prominent platziert sind auch die Schriftzüge an der Post in der Münchner Straße. „Die Immobilie ist nicht mehr Eigentum der Deutschen Post“, erklärt deren Pressesprecher Alexander Böhm. Zwar sei der Eigentümer mittlerweile verständigt, doch wie lange die Schriftzüge noch an der Wand prangen werden, kann Böhm nicht sagen. „Es schadet uns auf jeden Fall, da die Leute denken, wir halten unseren Laden nicht in Schuss“, so Böhm.

    Keine Kids, sondern eher Studenten

    Wer hinter den BK Kidz steckt – das weiß auch die Kissinger Polizei nicht. „Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie einen Fehler machen“, erklärt der Erste Polizeihauptkommissar Pörtner. Er schätzt, dass sie gar keine „Kids“ sind, sondern es sich um ein paar Studenten handelt, die nur ab und zu nach Bad Kissingen kommen.

    „Dafür sprechen die Texte im Blog“, erklärt er. „Es ist aber nicht möglich herauszufinden, wer diesen Blog betreibt“, so Pörtner über die rechtlichen Hürden. „Der, der sich dort angemeldet hat, könnte überall auf der Welt sitzen.“

    Der stellvertretende Leiter der Kissinger Polizei ist gar nicht gut auf die Gruppe zu sprechen: „Das sind Kriminelle, die feige und anonym handeln.“ Er versteht nicht, warum sie nicht die demokratischen Mittel wählen, um etwas für die Gesellschaft zu tun. „Sie können in den Jugendbeirat gehen, einen Verein gründen oder sich mit ihren Anliegen offiziell an Vertreter der Stadt wenden“, erklärt er.

    Aufruf zm Vandalismus

    Für David Rybak, Leiter des Referats Jugend, Familie und Soziales bei der Stadt, passen die Aktionen nicht zusammen. „Im Vergleich mit anderen kreisfreien Städten ist Bad Kissingen in der Jugendarbeit sehr gut aufgestellt“, sagt er. Mit dem Jukuz sowie Veranstaltungen wie Zelttheaterwoche oder Eisdisco werde den Jugendlichen viel geboten.

    Und gerade für Graffiti-Interessierte gibt es spezielle Kurse, so der Sozialpädagoge: „Beim Ferienspaßprogramm bieten wir auch dieses Jahr wieder einen drei Tages Workshop an, wo ein Künstler mit jungen Leuten Graffiti sprüht.“ In Kissingen gebe es also genug legale Räume sich zu entfalten.

    Zwar sei Graffiti eine Kunstform, aber nicht in der Weise, wie die BK Kidz diese nutzen, so Rybak: „Die Gestaltung steht nicht im Vordergrund, sondern der Aufruf zum Vandalismus.“ Der 36-Jährige findet es schade, dass das Zerstörerische nun mehr Aufmerksamkeit bekommt als das pädagogisch nachhaltige Angebot der städtischen Jugendarbeit.

    Regressansprüche

    Sehr kritisch sieht die Polizei auch den wörtlichen „Aufruf zur Straftat“ im Blog der Gruppe. Dort schreiben sie: „Wir sagen: Jede bewusst begangene Straftat ist immer auch Kritik an dem Gesetz, das diese Tat verbietet.“

    „Das ist eine abstruse Vorstellung eines Staatsverständnisses, das mit unserem Grundgesetz nicht in Einklang steht“, sagt der stellvertretende Leiter der Kissinger Polizei. „Wenn wir sie erwischen, werden wir sie auch mit diesem Vorwurf konfrontieren“, so Pörtner. Er hat nur einen Tipp für die BK Kidz: „Sie können schon einmal auf ihrem Sparbuch eine Summe für Regressansprüche hinterlegen.“


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