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    BAD KISSINGEN

    Atemberaubende Verfolgung eines Ladendiebs

    Nicht jeder reagiert so beherzt, wie das Ladenbesitzer Rudi Weber unlängst tat, als er einem Dieb in der Bad Kissinger Innenstadt hinterherrannte – und ihn schließlich stellte.

    Rudi Weber, Inhaber des Sportgeschäfts am Marktplatz in Bad Kissingen, rannte vor kurzem beherzt einem Ladendieb hinterh... Foto: Isolde Krapf

    Der Dieb wählte ein sportliches Outfit: Zwei Sweatshirts und zwei Jogginghosen im Wert von 250 Euro riss der 36-Jährige vom Außenständer eines Sportgeschäftes in der Innenstadt von Bad Kissingen herunter und rannte los. Doch der Gauner hatte nicht mit den hervorragenden Läuferqualitäten des Ladenbesitzers Rudi Weber gerechnet.

    Als der 52-Jährige von einem seiner Kunden über den Vorfall informiert wurde, fackelte Weber nicht lange: „Den krieg ich noch!“, dachte er sich, sprang raus auf die Straße und sprintete dem Mann hinterher – mit Erfolg. Wenige Wochen ist die Tat her, und nun spricht Rudi Weber über die wohl ungewöhnlichste Verfolgungsjagd des Jahres, bei der ihm am Ende sogar das Sicherheitspersonal des bayerischen Finanzministers Markus Söder half.

    Sprint durch die Fußgängerzone

    Es war vormittags um 11 Uhr. Rudi Weber sah nach dem Hinweis des Kunden den Dieb noch um eine Ecke biegen und nahm spontan die Verfolgung auf.

    Angst, dass der Mann vielleicht bewaffnet sein und die Aktion gefährlich werden könnte, hatte der Ladenbesitzer nicht: „Ich habe in dem Moment einfach nur reagiert“, so der sportliche Inhaber – es sei ja schließlich um sein Geschäft und seine Ware gegangen. Der ehemalige Libero des TSV Nüdlingen jagte den Flüchtenden durch mehrere Gassen der Fußgängerzone hinterher. Nach gut 300 Metern warf der Dieb seine Beute plötzlich unter einen am Straßenrand geparkten Lkw – und rannte weiter. „Da hatte ich ihn schon mal kurz gepackt“, erinnert sich Weber. „Aber ich ließ ihn wieder los, weil er gewaltsam um sich schlug.“

    Security des Finanzministers sprang bei

    Vielleicht dachte der Dieb da, er könne nun doch entkommen. Doch Weber, der einst routinierte Spielfeldläufer, blieb am Ball und verfolgte den Mann weitere 500 Meter bis zum Arkadenbau im Luitpoldpark. Da holte er ihn schließlich ein. Und dann bekam der sportliche Verfolger unerwartete Unterstützung von prominenter Seite: Der Dieb lief den Security-Leuten aus dem Gefolge des bayerischen Finanzministers Markus Söder geradezu in die Hände.

    Ladendieb wehrte sich nicht mehr

    Denn an jenem Montag war das alte Luitpoldbad seiner neuen Bestimmung übergeben worden. Wandelhalle, Arkaden- und Regentenbau waren da, ebenso wie Spielcasino und Luitpoldbad, zeitweise Hochsicherheitstrakts. „Die Security half mir, den Mann festzuhalten“, schildert Weber den Ausgang der Geschichte. Gewehrt habe sich der 36-Jährige nicht mehr. Er habe bloß still in der Ecke gesessen, bis die Polizei eintraf. Der bis 2013 passionierte Fußballer gibt jedoch freimütig zu: „Auch ich war ganz schön fertig.“

    Hohe Dunkelziffer

    Weber arbeitet schon seit 37 Jahren im Sportgeschäft am Bad Kissinger Marktplatz. Vor neun Jahren übernahm er dann den Shop von seinem früheren Chef. Dass einer mal etwas mitgehen lässt, kommt auch in seinem Laden öfter vor, sagt Weber. „Da gibt es sicher etliche Fälle“, vermutet der Geschäftsmann. „Denn meist sehe ich das erst, wenn ich Inventur mache und merke, dass da Einiges fehlt.“ Die Dunkelziffer ist generell enorm hoch, weiß der 52-Jährige aus Gesprächen mit der Polizei.

    Mehrfachtäter am Werk

    Das bestätigt Christian Pörtner, stellvertretender Leiter der Bad Kissinger Polizeiinspektion, (PI) auf Anfrage. In den vergangenen zwei Jahren wurden in seinem Zuständigkeitsbereich 120 bis 140 Ladendiebstähle pro Jahr registriert. Das sei jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Was Pörtner jedoch freut: „Die Aufklärungsquote ist hoch.“ Wenn jemand geschnappt wird, ist nicht nur dieser eine Fall abgeschlossen, sondern es klären sich dann oft weitere Diebstähle auf. Nicht selten seien die beim Stehlen ertappten Personen der Polizei bereits hinreichend bekannt. „Wenn die etwas klauen, haben sie oft zuvor auch schon woanders etwas mitgehen lassen.“

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