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    HAMMELBURG

    Wenn die Handschrift plötzlich alt aussieht

    Klasse 9cM der Mittelschule Hammelburg paukte vier Wochen an Tablet-Bildschirmen. Die Schüler sind begeistert, erkennen aber auch Probleme.

    Besonders aufmerksam nahmen in den vergangenen vier Wochen die Schüler der Klasse 9cM der Mittelschule Hammelburg am Unterricht teil. Versuchsweise setzte Klassenlehrerin Ulrike Lutz Tablets ein. Anregungen dazu holt sie sich vom Medientag der Bayerischen Zeitungsverlage in Würzburg in Kooperation mit der Main-Post und anderen Fachtagungen.

    Die fächerübergreifende Beschäftigung mit dem Computer im Unterricht kommt in der Klasse hervorragend an. „Wir sind in einem gravierenden Umbruch“, beschreibt Lutz die Herausforderungen. Aus allen Ecken des Internets prasseln Fakten auf die Jugendlichen ein. Da gilt es, zu sortieren und abzuwägen und die neuen Kanäle sinnvoll zu nutzen. Das bietet Chancen für den Unterricht.

    Medienkompetenz im Mittelpunkt

    Die Schüler seien hoch motiviert beim interaktiven Umgang mit der Technik. Alle Schulen sind gehalten, sich in den kommenden Jahren ein eigenes Medienkonzept zu erarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei die Medienkompetenz. Sie wäre durchaus ein eigenes Schulfach wert.

    Noch handelt es sich beim vorübergehenden Einsatz von Tablets in der Hammelburger Mittelschule um einen Versuch. Ihn unterstützt der unterfränkische Lehrerinnen– und Lehrerverband mit der zeitweisen Bereitstellung eines Medienkoffers. 16 Tablets teilen die 29 Schüler zur vorübergehenden Nutzung meist in Zweiergruppen untereinander auf.

    Hausaufgaben wandeln sich

    Das Angebot ist für Ulrike Lutz Vorbote eines gravierenden Wechsels in der Lehrmethodik. Bis heute sind es Schüler gewohnt, in der Schule Wissen zu sammeln und zuhause beim Üben zu vertiefen. Künftig könnte es genau anders herum kommen. Schüler recherchieren zuhause in Lehrfilmen- und Programme, die das weltweite Netz parat hält. Geübt wird dann gemeinsam in der Schule. „Das probiere ich aus“, zeigt sich die Lehrerin innovationsfreudig. Weil die Tablets wieder abgegeben werden müssen, will sie jetzt öfters in den Computerraum.

    Welche Möglichkeiten das Tablet bietet, demonstrieren die Schüler eindrucksvoll. Bei selbst erstellten Fragespielen a la „Wer wird Millionär?“ oder einem Vokabelquiz mit vorgefertigten Gestaltungselementen etwa lernt es sich fast spielerisch. Gut kommt es auch an, den Lernstoff per Tastatur und Schreibprogramm auf dem Computer festzuhalten. Dagegen sieht der Hefteintrag richtig alt aus. Aber weil das Schreiben am Computer unters Umständen länger dauert, können sich die Schüler die Nutzung Heft und Computer nebeneinander ganz gut vorstellen.

    „Ich begrüße das sehr“, sagt Schulleiterin Ingeborg Hofmann zur Initiative von Ulrike Lutz. Auch Hofmann spürt beim Besuch in der Klasse, mit welcher Emotionalität die Schüler bei der Sache sind. An der intensiveren Vermittlung von Medienkompetenz komme man einfach nicht vorbei.

    Auch eine Kostenfrage

    Aber es gibt offene Fragen. Werden die Schüler so engagiert bei der Sache bleiben, wenn der Umgang mit dem Computer im Unterricht Alltag wird? Wie kann die Anschaffung einer Tabletausstattung der Schule finanziert werden? Reicht die Geschwindigkeit der Datenübertragung, sobald die ganze Klasse im Netz ist? Beim aktuellen Versuch gab es teilweise lästige Ladezeiten beim klassenweisen Ansehen von Lehrfilmen.

    Um die Verbreitung der Geräte zu beschleunigen, gibt es auch die Idee, Smartphones mit Internetanbindung im Unterricht einzusetzen. Bisher ist ihre Benutzung in der Schule noch verboten. Sollte sich das zu Unterrichtszwecken ändern, bräuchte es eine einheitliche Ausstattung, um unter den Kindern keinen Wettlauf um die prestigeträchtigste Technik zu entfachen. Auch sind die Bildschirme für eine dauerhafte Nutzung zu klein.

    Gerne geht Ulrike Lutz die Herausforderungen mit ihren Informatik-Kollegen an. Aber eines ist ihr beim Blick auf die mit bunten Bildern und schönen Schriften aus Schülerhand verzierten Wände des Klassenzimmers wichtig: „Das Analoge hat auch seinen Wert“, sagt sie. Es müsse bei allem Wandel unbedingt weiter vermittelt werden.

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