• aktualisiert:

    Bad Kissingen

    Heimat besonderer Pflanzen

    Der Landschaftspflegeverband kürt das Naturschutzgebiet Grundwiese in der Gemeinde Nüdlingen zum Projektgebiet des Monats.

    Auf der Grundwiese leben seltene Pflanzen. Foto: Aglaia Abel

    Die Grundwiese befindet sich östlich der Staatsstraße und früheren B19, die Münnerstadt mit Schweinfurt verbindet. Eingeschnitten liegt sie als schmaler Wiesenstreifen inmitten eines großen, zusammenhängenden Waldgebiets. Eigentümerin ist die Gemeinde Nüdlingen. Die Grundwiese ist eines der ältesten Naturschutzgebiete im Landkreis Bad Kissingen und wurde 1939 mit einer Größe von 2,33 Hektar ausgewiesen. Seit 2004 ist sie ebenfalls Bestandteil des 445,65 ha großen FFH-Gebiets "Wälder und Trockenstandorte bei Bad Kissingen und Münnerstadt".


    Besonderes Juwel

    Die Besonderheit liegt im Auftreten seltener Pflanzenarten begründet. In der Grundwiese kommt die Kleine Trauben-Hyazinthe in großen Zahlen vor und ist mit diesem Auftreten einmalig im Landkreis Bad Kissingen und somit ein besonderes Juwel. Die als Rote Liste 3 (=gefährdet) gelistete Art gehört zu den Spargelgewächsen (früher Liliengewächse) und ist ein Gartenflüchtling aus der Zeit um 1560 bis 1620. Ihre Blütezeit liegt zwischen Mitte April und Mai. Wer die seltene Verwandte unserer Gartenform erleben will, für den lohnt sich ein Spaziergang Anfang Mai.
    Zum Beispiel streift der Nüdlinger Rundwanderweg "Ahornblatt" die Grundwiese an ihrem Westende. Und noch eine heimische Besonderheit kann bei einem Besuch zu dieser Zeit in Blüte erlebt werden: das Schmalblättrige Lungenkraut. Sie ist als Rote Liste 2-Art (= stark gefährdet) eingestuft. Das Schmalblättrige Lungenkraut kommt außerhalb Nordbayerns und Thüringens nur vereinzelt vor. Im Landkreis Bad Kissingen ist die Grundwiese einer der wenigen Standorte.
    Als Lebensraum bevorzugt diese Pflanze Trockenwälder, lichte Gebüsche und Waldränder. Im Gebiet wächst sie vor allem am südwestlichen Waldrand der Grundwiese. Um das Vorkommen des lichtbedürftigen Schmalblättrigen Lungenkrauts zu stärken, hat der Landschaftspflegeverband auf einem Streifen von 0,35 ha Gehölze im verbuschenden Waldsaumbereich entfernen lassen. Das Projekt war mit 4867,84 Euro dotiert. 90 Prozent der Kosten wurden über Fördermittel der Landesregierung gedeckt. Die restlichen 10 Prozent steuerte der Landkreis hinzu. Trotz der Pflegemaßnahme droht dem Schmalblättrigen Lungenkraut langfristig Gefahr.


    Douglasie gepflanzt

    So wird der Traubeneichenwald im Umfeld der Grundwiese derzeit mit Douglasie aufgeforstet. Die nordamerikanische Nadelbaumart wird beim Heranwachsen den Charakter des jetzigen Trockenwaldes ändern und aufgrund ihrer ausdunkelnden Wirkung die Krautschicht und auch die Population des Schmalblättrigen Lungenkrauts negativ beeinflussen. Dabei ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt das Schmalblättrige Lungenkraut nicht mit seiner Qualität in den Achtzigern vergleichbar.
    Damals konnten auf kleiner Fläche 167 blühende Pflanzen gezählt werden. Aus diesem Grund hat es damals auch Bestrebungen gegeben, die unmittelbar angrenzen Hangzonen des Eichenwaldes östlich und westlich der Grundwiese in das Naturschutzgebiet miteinzubeziehen, wie aus einem Briefwechsel des damaligen Sachgebietsleiters der Naturschutzbehörde, Norbert Mitter, hervorgeht.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)


      Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de?
      Dann jetzt gleich hier registrieren.