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    Stralsbach

    HvO-Team investiert seine Spenden

    25 000 Euro haben die Ersthelfer in den vergangenen vier Jahren erhalten. Davon wird jetzt nicht nur ein neues Einsatzfahrzeug angeschafft.

    Mika strahlt. Der Dreijährige darf heute Fotomodell sein. Außerdem trägt er an seinem Zeigefinger ein ganz besonderes Gerät, einen Fingersensor, aber nur probeweise. Denn krank ist Mika nicht. "Damit wird der Sauerstoffgehalt in deinem Blut gemessen", erklärt Christin Drewianka vom Helfer-vor-Ort-Team (HvO) im Markt Burkardroth. Seit dieser Woche gehört dieser spezielle Sensor zur Ausstattung in der Kindernotfalltasche der Ersthelfer.

    Eine wirklich sinnvolle Anschaffung. Denn zwischen 15 und 20 Einsätze, bei denen Kinder versorgt werden müssen, erledigt das HvO-Team pro Jahr. Das entspricht mehr als zehn Prozent. "Häufig werden wir zu Fieberkrämpfen bei Kleinkindern gerufen", erklärt Manuel Vorndran, der das Team leitet.


    Todesnachricht überbracht

    Insgesamt 137 Mal mussten er und seine ehrenamtlich tätigen Mitstreiter im vergangenen Jahr ausrücken - pro Woche etwa drei Mal. "Es waren ganz normale, überwiegend internistische und chirurgische Einsätze", erläutert Vorndran. Vom gebrochenen Arm infolge eines Sturzes bis hin zum Herzinfarkt und  Schlaganfall war alles dabei, quer durch alle Generationen. Auch zu Fußballspielen wurden die Ersthelfer gerufen, um beispielsweise Platzwunden am Kopf zu versorgen, die bei Zusammenstößen von Spielern entstanden waren. Lediglich ein Einsatz ist ihm in besonderer Erinnerung geblieben. "Da sind wir vorsorglich gerufen worden, da eine Todesnachricht überbracht wurde", erzählt der Teamleiter.

    Am häufigsten wurde die Hilfe des HvO-Teams 2016 im Ortsteil Wollbach gebraucht, wo es 21 Notfälle zu versorgen galt. In Katzenbach gab es mit drei Einsätzen im vergangenen Jahr am wenigsten für die Ersthelfer zu tun, ebenso in Stralsbach.


    Sieben Vereine legten zusammen

    Doch das hielt die Bewohner des 500-Seelen-Dorfes nicht davon ab, Spenden für das HvO-Team zu sammeln. "Weil wir gut finden, was sie machen. Es ist ein Ehrenamt. Jeder profitiert davon", sagt Enrico Kröckel von der Freiwilligen Feuerwehr.

    Insgesamt 1300 Euro haben die sieben Stralsbacher Vereine zusammengelegt, um sie an die Ersthelfer zu spenden. "Jeder hat gegeben, was er kann", so Berthold Kröckel, der als Vertreter vom Förderverein "Alte Schuel" und vom Sportverein DJK Stralsbach zur Übergabe gekommen war. "Außerdem sind wir sicher, dass das Geld wirklich bei den Helfern-vor-Ort ankommt", fügt er hinzu.


    Auch Spende aus Waldfenster

    Manuel Vorndran bestätigt das. "Wir verwenden die Spenden zweckgebunden", betont er. Anders dürften er und seine Mitstreiter damit gar nicht verfahren. 25 000 Euro hat das HvO-Team in den vergangenen vier Jahren erhalten - von Vereinen und Privatpersonen aus dem Markt Burkardroth.

    Allein 2016 sind 14 000 Euro eingegangen. "Zuletzt hat die Theatergruppe Waldfenster 1000 Euro an uns gespendet", sagt Vorndran. Von den 25 000 Euro wird sich das HvO-Team nun einen neuen Einsatzwagen anschaffen, da das bisherige Gefährt schon rund 17 Jahre alt ist. "Wir haben uns für einen Ford Kuga entschieden, mit Allradantrieb, damit wir künftig überall problemlos hinkommen", erklärt Vorndran. Der Wagen sei inzwischen bestellt und werde voraussichtlich Ende April vom Band gehen. Doch bis er wirklich genutzt werden kann, wird noch einige Zeit vergehen.


    Aufwendiger Umbau notwendig

    Denn das Fahrzeug muss von einer Fachfirma noch zum HvO- Einsatzwagen umgebaut werden. "Es werden ein Blaulichtbalken auf dem Dach angebracht, digitale und analoge Funktechnik sowie ein Ladegerät eingebaut und der Kofferraum ausgebaut, damit unsere verschiedenen Rucksäcke darin unterkommen", gibt der Teamleiter Auskunft. Außerdem wird der Wagen mit einer Heizung und Lüftung versehen, damit die Medikamente im Winter nicht einfrieren.

    Vorndran rechnet damit, dass der neue Einsatzwagen Ende Juli fertig sein wird. "Und dann feiern wir ein richtiges Einweihungsfest mit Fahrzeugsegnung." Das Spektakel soll auf dem Marktplatz in Burkardroth mit allen Personen und Vereinen steigen, die gespendet haben. Gekauft haben die HvO-ler das Fahrzeug aber nicht. "Wir haben es geleast, da es für uns die wirtschaftlichste Variante ist", fügt er hinzu.

    Denn niemand wisse, was in vier Jahren ist. Außerdem brauche das Team für seine Einsätze weiterhin Ausstattungsgegenstände, wie etwa den speziellen Fingersensor für Kinder. Den hat Christin Drewianka inzwischen von Mikas Zeigefinger gelöst und im Kinder-Notfallrucksack verpackt. Denn er könnte schneller gebraucht werden, als gedacht.

    Fakten: Das HvO-Team im Markt Burkardroth besteht aktuell aus acht Personen - Rettungsdiensthelfern und Notfallsanitätern. Neu dabei ist Natascha Below aus Wollbach. Insgesamt 137 Einsätze haben die Ersthelfer 2016 geleistet. 21 davon in Wollbach, je 15 in Burkardroth, Oehrberg und Premich, 14 in Zahlbach, zwölf in Waldfenster, elf in Stangenroth, je zehn in Gefäll und Lauter, fünf in Frauenroth, je drei in Stralsbach und Katzenbach sowie zwei in Hassenbach und einen in Langenleiten. Insgesamt wurden 5868 Stunden geleistet. 2015 waren es 6040 Stunden bei 153 Einsätzen. Seit Jahresbeginn 2017 sind die Ersthelfer bereits 30 Mal gerufen worden.

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