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    BAD KISSINGEN

    Leserforum: Glaubwürdigkeit in der Welt wahren

    In ihrer gebotenen Sachlichkeit kann die Berichterstattung nicht die Stimmung einfangen, die insbesondere beim Vortrag von Detlev Drenckhahn im Saal um sich griff.

    In ihrer gebotenen Sachlichkeit kann die Berichterstattung nicht die emotionale Stimmung an diesem Abend einfangen, die insbesondere beim leidenschaftlichen Vortrag von Detlev Drenckhahn, WWF-Ehrenpräsident, im Saal um sich griff. Wir, die wahrlich nicht jeden Hektar Land nutzen müssten, kommen unseren vertraglich zugesicherten internationalen Verpflichtungen nicht nach, maßregeln aber Entwicklungsländer, wenn sie aus existenzieller Not Urwälder roden und ursprüngliche Lebensräume vernichten. Ein dritter Nationalpark muss nun auf den Weg gebracht werden, um unsere Glaubwürdigkeit in der Welt zu wahren, so sein Appell.

    Letztlich kann ein Nationalpark aber nicht von oben verordnet werden, sondern er muss von den betroffenen Bürgern mitgetragen sein. Das Nationalparklied wird daher in den Dörfern der Rhön mehr nachhallen als widersprüchliche Gutachten aus den jeweiligen Lagern. In derber Rhöner Art hat das Trio Spilk das laute „Nein“ der Holzwerber und Jäger in bester Veitshöchheim-Manier parodiert, um dann als Pointe das schlaue „Rhönbäuerlein“ die enormen Vorteile eines Nationalparks in der Rhön gerade für die Rhöner Bauern erkennen zu lassen.

    Schade, dass die eigentlichen Adressaten der Botschaft sich nicht wiedererkennen konnten, hatten sie doch wohl eher die Gegenveranstaltung am Samstag besucht. So konnte sich das von der Höheren Naturschutzbehörde treffend projizierte Bild des unnötigen Verzichts auf das Eigelb (7500 Hektar urwaldgeprägte Kernzone) im zerfließenden Eiweiß (angrenzendes Biosphärenreservat und Flächen dazwischenliegend) nicht in die Köpfe der Nationalpark-Gegner einprägen.

    Auf diese Gruppe der privaten und kommunalen Landbesitzer wird es aber ankommen, denn die vorgesehenen 7500 Hektar Staatsforst müssen erstens miteinander verbunden werden und zweitens muss auch eine Brücke zum Biosphärenreservat der Langen Rhön und der Schwarzen Berge geschlagen werden. Das verbindende Element könnte ein Landschaftspark sein - befreit von wirtschaftlichen Zwängen herkömmlicher Landwirtschaft, geprägt von mächtigen Einzelbäumen inmitten artenreicher Wiesen und extensiver Weiden.

    Ein maßgeschneidertes Konzept für einen Nationalpark Rhön könnte so aussehen: Viele einzelne, streng geschützte Refugien in den Kernzonen vernetzt über eine parkähnliche Landschaft mit hohem Siedlungs- und Freizeitwert.

    Die Modellierung eines solchen, rund 20 000 Hektar großen, differenzierten Nationalparks verspricht über Jahrzehnte hinweg großzügige staatliche Zuwendungen und sichere Erwerbsmöglichkeiten – wahrhaftig eine „Jahrhundertaufgabe“, wie im Schlusswort treffend formuliert.

    Roland Herterich

    97729 Ramsthal

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