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    Bad Kissingen

    Neuer Biss für Kissinger Sommer

    Das Festival öffnet sich unter neuer Intendanz. 2017 gibt es unter anderem eine Kooperation mit Kissinger Künstlern.

    Für Goldschmied Malte Meinck ist es ein lange gehegter Wunsch, den er sich erfüllt: Eine überlebensgroße, futuristische Stahlskulptur, die er nach dem Vorbild von Haifischzähnen entworfen hat. "Ich habe mich in der Vergangenheit intensiv mit Naturformen auseinandergesetzt", sagt er. Vor allem ging es ihm um die Rhythmisierung von Formen, also um regelmäßige Muster, die in der Natur vorkommen. Das kann das Gefieder eines Vogels sein, der Schuppenpanzer einer Echse und Wellen, die der Wüstenwind in die Dünen der Sahara zeichnet. "Bei der Faszination für Struktur und Formen bin ich bei Haifischzähnen hängen geblieben."

    Die am Ende knapp zwei Meter hohe und mehr als 120 Kilo schwere Skulptur ist Teil der Ausstellung, die die Kissinger Künstlergruppe ART 97688 mit der Staatsbad GmbH begleitend zum Kissinger Sommer in der Wandelhalle zeigt. Thema: Rhythmus und Stille.

    Meinck sieht Kunst als intensiven, lang andauernden Prozess. Mit Naturmustern beschäftigt er sich schon seit einiger Zeit. Vor einem Jahr kam dann die Idee für die Skulptur. "Ich habe verschiedene Formen entwickelt, die sich an Haifischzähne anlehnen." Er experimentierte mit Knete und Wachs, stellte erste Modelle aus Metall her. Der 53-Jährige fertigte eine komplette Serie an, die er so aber nicht in Europas größter Trinkkurhalle ausstellen wollte. "Die Wandelhalle hat einen beinahe sakralen Charakter", beschreibt er das Gebäude. "Mein Wunsch war es, ein Objekt zu machen, dass sich dort behaupten kann."

    Um eines der Modelle in Überlebensgröße darzustellen, ist er auf Hightech angewiesen Meinck hat den Entwurf mit einem 3D-Scanner digitalisiert und hat am Computer ein sogenanntes "Vier-Tafel-Bild" mit einer speziellen Konstruktionssoftware designet. "Aus diesen Daten kann ich das Objekt in jeder beliebigen Größe herstellen", erklärt er.

    Die Ausstellung wird am 15. Juni eröffnet und ist während des Kissinger Sommers vom 16. Juni bis zum 16. Juli zu sehen. Neben Skulpturen zeigen die Kissinger Künstler Malerei, Collagen, Installationen und Schmuckdesign. Das Musikfestival geht damit zum ersten Mal die Verbindung mit bildender Kunst ein. "Das ist wichtig, denn das Gleichgewicht der darstellenden und bildenden Künste sollte in Bad Kissingen hergestellt werden", freut sich Alexander Ruppert, Maler und Sprecher von ART 97688. Beide Kunstformen gehörten zusammen.


    Late Night Konzert zu Rio Reiser

    Die moderne Kunst in der altehrwürdigen Wandelhalle zu zeigen, findet der neue Intendant des Kissinger Sommers eine spannende Kombination. "Uns ist es ein großes Anliegen, das Festival in viele Richtungen zu öffnen", sagt Tilman Schlömp. So ist auf regionaler Ebene ein Konzert mit dem Mozartfest Würzburg geplant, auf lokaler Ebene sind es Kooperationen mit Schulen und der Arge bildende Kunst Bad Kissingen. "Ich bin dankbar für die Idee der Kissinger Künstlergruppe, ihre Ausstellung an den Kissinger Sommer anzulehnen", meint er. Rhythmus und Stille seien zwar sehr musikalische Begriffe, die sich aber wegen großer Ähnlichkeiten auch gut auf die bildende Kunst anwenden lassen.

    Die Ausstellung wird am 8.Juli im Rahmen der "Palastrevolution" musikalisch in das Festival integriert. Den ganzen Tag werden die Säle im Regenten- und Arkadenbau mit verschiedenen Konzerten bespielt, so dass die Besucher die Möglichkeit haben, durch das Ensemble zu wandern. In der Wandelhalle findet zum Abschluss ein Late Night Konzert statt mit Musik von Rio Reiser und seiner Band Ton Steine Scherben. Schlömp.: "Sie haben Musik gegen das Establishment der BRD gemacht". Die Kombination aus oppositioneller Musik, der Ausstellung und der von Monarchen gebauten Wandelhalle, mache einen besonderen Reiz aus.


    Herausforderung für Metallbauer

    Mit ART 97688 hatte die Staatsbad GmbH bereits vor zwei Jahren eine Ausstellung in der Wandelhalle konzipiert. "In der Hauptsaison haben wir dort viel touristisches Publikum. Dem wollen wir etwas bieten", sagt Bruno Heynen. Zu jedem Konzert des Kurorchesters kämen mehrere hundert Leute in Wandelhalle oder Kurpark. Das Areal sei öffentlich sehr präsent. "Für die Künstler ist das eine geniale Plattform", findet der Veranstaltungsleiter.
    Bevor die Zwei-Meter-Skulptur von Malte Meinck in der Wandelhalle stehen kann, muss sie nach den Plänen des Computermodells umgesetzt werden. Das ist die Aufgabe von Metallbauer Marcel Häusler und seinem Chef Walter Kröckel. Tagelang hämmert Häusler Blechplatten mit Muskelkraft in die richtige Form, schweißt sie zusammen und versieht sie mit einem Innenkorsett wie bei einem Schiffsgerippe. So soll die Stabilität der Skulptur gewährleistet werden. "Für uns ist das eine Herausforderung. Das ist schon etwas anderes als das Tagesgeschäft", sagt Kröckel. Die Skulptur lasse sich aufgrund der komplexen geometrischen Form nicht automatisiert anfertigen.

    Häusler ist seit mehr als 20 Jahren in seinem Beruf tätig. Bei Treppen und Geländern beherrscht er jeden Arbeitsschritt in- und auswendig. Für die Skulptur muss er bei jedem Arbeitsschritt aufs Neue überlegen. "Das Objekt ist in unterschiedlichen Radien in verschiedene Richtungen gewölbt. Das macht es sehr schwierig", sagt er. "So etwas fertigt man nur einmal im Leben an."

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