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    BAD KISSINGEN

    Ladendiebe sind oft Wiederholungstäter

    Zwischen 120 und 140 Fälle von Ladendiebstahl registriert die Bad Kissinger Polizeiinspektion jährlich. Und man glaubt es kaum, was da alles geklaut wird.

    Ladendiebe lassen, nach Polizeiangaben, öfter Kosmetikartikel oder Parfüm mitgehen. In unserer nachgestellten Szene auf ... Foto: dpa/Katharina Heimeier

    Nicht jeder reagiert so prompt wie Rudi Weber es unlängst tat: Der Inhaber eines Bad Kissinger Sportgeschäfts sprintete einem Ladendieb quer durch die Stadt hinterher – und stellte ihn schließlich. Zwischen 120 und 140 Fälle registriert die Bad Kissinger Polizeiinspektion jährlich, bei denen es ums Klauen in großen Einkaufsmärkten oder kleinen Einzelhandelsgeschäften geht.

    Das sind immerhin zehn bis 15 Vorkommnisse pro Monat. „Die Dunkelziffer ist sehr hoch“, sagt stellvertretender Polizeichef Christian Pörtner auf Anfrage der Redaktion. Oft würden Geschäftsleute erst bei der Inventur bemerken, was das Jahr über bei ihnen alles wegkam.

    Ein Päckchen Brot im linken Ärmel

    Die Beweggründe fürs Klauen unterscheiden sich beträchtlich. Während der eine im Supermarkt möglicherweise etwas mitgehen lässt, weil er nicht viel Geld zum Leben hat, vergreifen sich aber auch gut Betuchte an fremdem Eigentum, weiß Pörtner. Wenn eine 80-Jährige beim Verlassen eines Geschäfts angesprochen wird, weil sie in ihrem linken Ärmel ein Päckchen Brot zu 1,69 Euro versteckt und nicht bezahlt hat, bringe einen das schon zum Nachdenken, sagt der stellvertretende Polizeichef.

    Als hingegen vor kurzem ein relativ gut verdienender Werbefachmann in einem Supermarkt im östlichen Landkreis eine Dose Red Bull sowie ein Päckchen Tabak mitgehen ließ, habe er sich gefragt, was den Mann wohl zu dieser Handlung antrieb.

    Alle Altersstufen vertreten

    Geklaut wird laut Pörtner in jedem Alter. Vergangenes Jahr steckte beispielsweise einmal ein Neunjähriger in einem Bad Kissinger Schreibwarengeschäft drei Kugelschreiber in die Tasche und wollte gehen, ohne sie zu bezahlen.

    Drei Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren hingegen ließen vor drei Monaten in einem Bad Kissinger Geschäft Damenoberbekleidung und eine Tasche mitgehen. Als man sie schnappte, stellte sich später heraus, dass sie zuvor auch in einem anderen Laden schon etwas gestohlen hatten, sagt Pörtner. Auch der 36-jährige Ladendieb, den der Bad Kissinger Geschäftsmann Rudi Weber unlängst verfolgte, weil er Sportbekleidung im Außenbereich vom Bügel riss und mitnahm, hatte wiederholt geklaut und war sogar vorbestraft, sagt Pörtner.

    Eldorado Baumarkt

    Aber es gebe auch Hausfrauen, die in Geschäften versuchen, etwas mitgehen zu lassen. So wurde dieses Jahr eine Frau dabei ertappt, wie sie einen Kajalstift für 35 Euro unbemerkt aus einer Drogerie hinaustragen wollte. „Sie war Wiederholungstäterin“, sagt Pörtner. Manchmal gehe es beim Stehlen auch um eine Art Sucht. Und schließlich kommt der Polizeichef noch auf etwas Anderes zu sprechen: „Der Baumarkt ist das Eldorado für den männlichen Ladendieb.“ Dort würden ständig kleine Gegenstände aus den Packungen gezerrt und irgend welche Dinge heimlich eingesteckt.

    Andere wiederum stehlen exklusive Waren, um das Diebesgut später noch teurer weiter zu „verticken“, weiß Pörtner aus seiner täglichen Arbeit. 30 und 42 Jahre alt waren beispielsweise die beiden Männer, die es gezielt in Drogeriemärkte trieb, wo sie teure Parfüms heimlich in ihre Taschen steckten, um sie dann später irgendwo an den Mann oder die Frau zu bringen. In einem Bad Kissinger Geschäft betrug der Schaden, nach Angaben des stellvertretenden Polizeichefs, dann in einem Fall sogar 720 Euro. Von Dieben weiterverscherbelt würden jedoch oft auch Zigaretten, Spirituosen, Schmuck oder sogar Schuhe, erzählt Pörtner.

    Milchpulver auch heiß begehrt

    Vor den Allerheiligen-Ferien zum Beispiel nahm die Polizei erst junge Leute zwischen 20 und 25 Jahren fest, die teure Marken-Turnschuhe geklaut hatten. Auch in diesem Fall konnten durch Wohnungsdurchsuchungen weitere 10 bis 15 Diebstähle dieser Art geklärt werden.

    Als vor einiger Zeit eine ausländische Diebesbande bundesweit in etlichen Supermärkten hochwertige Baby-Nahrungsmittel abräumte, wurde man auch bei der Bad Kissinger Polizeiinspektion hellhörig, sagt Pörtner.

    Es wurden zwar aktiv von dort keine Diebstähle gemeldet, aber die Kollegen seien auch in der Kurstadt in die Märkte gegangen und hätten nachgefragt. Tatsächlich stellte sich heraus, dass Diebe auch in einem Garitzer Drogeriemarkt einen größeren Posten teuren Milchpulvers hatten mitgehen lassen.

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