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    BAD KISSINGEN

    Raserei ist die häufigste Unfallursache

    Die Unfallzahlen in Bad Kissingen steigen seit Jahren. Wenigstens sank 2016 im Vergleich zu 2015 die Zahl der Verkehrstoten im Altlandkreis von drei auf einen.

    Überhöhte Geschwindigkeit ist immer noch die häufigste Ursache für Verkehrsunfälle im Landkreis Bad Kissingen. Das beleg... Foto: Siegfried Farkas

    Die Zahl der Unfälle ist in den vergangenen Jahren in Bad Kissingen und Umgebung Schritt für Schritt angestiegen. Mit 1728 Verkehrsunfällen registrierte die Polizei 2016 den bisher höchsten Wert seit Jahren. Wenigstens sank im Vergleich zum Jahr davor die Zahl der Verkehrstoten im Altlandkreis von drei auf einen Fall. Dabei starb am 20. Januar 2016 am Schindberg eine 59-Jährige unter tragischen Umständen.

    Deutlich mehr Verletzte

    Während die Zahl der Unfälle selbst nur um 1,76 Prozent wuchs, nahm die Zahl der Verletzten bei Unfällen im Altlandkreis Bad Kissingen im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent zu. Unter den 299 Verletzten waren zudem immerhin 92 schwer Verletzte.

    Weniger Unfälle wegen Alkohol

    Häufigste Unfallursache ist und bleibt zu schnelles Fahren. 8,4 Prozent aller Unfälle führen die Ordnungshüter 2016 darauf zurück. Ihre Geschwindigkeitskontrollen mit Laserpistolen hat die Inspektion ein wenig ausgeweitet. Die Zahl der Beanstandungen dabei ist aber gesunken.

    Geringer als im Vorjahr war 2016 auch die Zahl der Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war. Zudem, so berichten die Kissinger Ordnungshüter, sei auch die Zahl „der folgenlosen Trunkenheitsfahrten“ zurückgegangen.

    48 im Straftatsbereich

    34 Verkehrsteilnehmer ertappten die Beamten mit Blutalkoholwerten zwischen 0,5 und 1,09 Promille. Das waren jeweils Ordnungswidrigkeiten. 48 Fahrer wurden mit 1,1 Promille und mehr erwischt, was laut Polizeiinspektion jeweils einer Straftat entspricht. In 23 Fällen spricht die Polizei zudem von Verhinderung einer Trunkenheitsfahrt. Weitere 52 Autofahrer mussten zu Blutentnahmen, weil es laut Polizei „Verdachtsmomente für Rauschgifteinfluss gab“.

    Schwerpunkt der Überwachung

    Überhaupt, bilanziert die Bad Kissinger Polizeiinspektion, bildet „die Bekämpfung der Unfallursache Alkohol und Drogen einen Schwerpunkt der Verkehrsüberwachung“. Insgesamt seien 2016 bei Verkehrskontrollen „über 15 000“ Fahrer auf ihre Verkehrstauglichkeit überprüft worden.

    Erheblich zugenommen hat, wie es in Polizeideutsch heißt, „die Unfallbeteiligung der Radfahrenden“. 35 Radfahrer wurden 2016 im Altlandkreis Bad Kissingen bei Unfällen verletzt, 21 davon schwer. Die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern hat sich dabei von 15 auf 33 mehr als verdoppelt. „Allein 30 Unfälle“, so die Polizei weiter, „waren von Radfahrern selbst verursacht worden“.

    Mit 3,33 Promille auf dem Rad

    Auch alkoholisierte Radler zählten zu den Unfallbeteiligten. Einer, der in der Salinenstraße stürzte, habe 3,33 Promille gehabt. Vier Unfälle mit vier Schwerverletzten registrierte die Polizei mit E-Bike- und Pedelec-Fahrern.

    Leicht zurückgegangen sind 2016 die Werte bei den Motorradfahrern. Bei 26 Unfällen verletzten sich elf Motorradfahrer schwer und 14 leicht. Unfallverursacher waren sie laut Polizei in 22 Fällen.

    Ältere und jüngere Fahrer gleichauf

    Etwa gleich fällt laut Statistik der Polizei der Anteil von jungen Fahrern und Senioren am Unfallgeschehen aus. Von den 158 Unfällen an denen ältere Fahrer beteiligt waren, waren 105 von über 65-Jährigen verursacht worden. Bei diesen Unfällen gab es im vergangenen Jahr 55 leicht und 28 schwer Verletzte.

    Ähnlich die Verhältnisse bei den Autofahrern zwischen 18 und 24 Jahren. Beteiligt war diese Gruppe an 148 Unfällen, 90-mal waren Fahrer der Altersgruppe auch die Verursacher. Auch die Größenordnung der Verletzten bei diesen Unfällen war ähnlich.

    Sichere Schulwege

    Ein alltägliches Problem ist nach wie vor der Versuch mancher Unfallverursacher, sich der Verantwortung zu entziehen. 277 solcher Fälle registrierte die Inspektion 2016 für Bad Kissingen und Umgebung. Die Aufklärungsquote betrug 36 Prozent.

    So sicher, wie seit Jahren nicht, seien vergangenes Jahr die Schulwege in Bad Kissingen und Umgebung gewesen. „Wir sind stolz, hier eine Nullmeldung verkünden zu können“, schreibt die Polizeiinspektion.

    Anstieg im gesamten Bäderkreis

    Einen Anstieg der Unfallzahlen weisen die Statistiken der Polizei 2016 übrigens nicht nur für den Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Bad Kissingen auf, also für die Stadt Bad Kissingen und Umgebung. Erneut erhöht hätten sich auch die Werte für den ganzen Landkreis, berichten die Beamten. Die traurige Zahl der Verkehrstoten für den Gesamtlandkreis wird für 2016 mit fünf angegeben. Das sind ebenso viele wie im Jahr davor. Bei den Verletzten und auch bei den schwer Verletzten stieg der Wert allerdings 2016 deutlich an.

    Es ist keine Überraschung, dass zu hohes Tempo auch auf der Ebene des gesamten Landkreises die häufigste Unfallursache war. Zwei Menschen ließen bei Unfällen im Zusammenhang mit überhöhter Geschwindigkeit 2016 auf Landkreisebene ihr Leben. Allerdings war der Anteil von Karambolagen wegen überhöhtem Tempo in den vergangenen drei Jahren deutlich geringer als in den Jahren davor.

    Etwas weniger Wildunfälle

    Etwas niedriger als im Jahr davor lag 2016 die Zahl der Wildunfälle im Landkreis. Dennoch war der Wert von 970 gemeldeten Wildunfällen der zweithöchste der vergangenen Jahre. Zudem geht die Polizei bei Wildunfällen von einer hohen Dunkelziffer aus.

    Unfallschwerpunkte in Bad Kissingen und Umgebung

    Unter den Stellen im Verkehrsnetz Bad Kissingens gibt es ein paar Kandidaten, die praktisch jedes Jahr vorne mit auf der Liste der Unfallschwerpunkte stehen.

    Unfallträchtige Punkte auf dem Ring sind die Schlachthofkreuzung, die Kreuzung mit Bergmannstraße und Kissinger Straße sowie die Garitzer Kreuzung. An der Schlachthofkreuzung wurden im vergangenen Jahr unter anderem binnen weniger Tage zwei Fußgänger von Autos beim Abbiegen von der Würzburger Straße erfasst und verletzt. An der Kreuzung Ostring/Bergmannstraße kam es zu elf Unfällen, von denen fünf Verletzte forderten. Bei der Garitzer Kreuzung, die bald zum Kreisel umgebaut wird, berichtet die Polizeiinspektion von vier Unfällen mit sechs Verletzten. In der Theresienstraße ereigneten sich 2016 insgesamt 18 Unfälle.

    Hauptursache hier ist laut Polizei die schmale Fahrbahn. Für die Schönbornstraße registrierte die Polizei im vergangenen Jahr sogar 25 Unfälle. Wie in der Theresienstraße handelte es sich oft um Kleinunfälle. Die Zahl der Unfallfluchten war in beiden Straßen relativ hoch. Immer noch zu den Unfallschwerpunkten gehört die Kreuzung Maxstraße/Hemmerichstraße. Laut Polizei waren Probleme mit der Rechts-vor-links-Regelung dort in sieben von acht Fällen Unfallursache. Sechs Verletzte forderten die sieben Unfälle, die sich 2016 auf dem 500 Meter langen Abschnitt der B 286 zwischen Arnshausen und Haarnadelkurve ereigneten. Nicht angepasste Geschwindigkeit war hier die häufigste Unfallursache.

    Für die Region rund um Bad Kissingen listet die Polizei vier Unfallschwerpunkte auf. Auf der B 287 am Schindberg zählten die Beamten zwischen Asphaltmischwerk und Bienenhauskurve 27 Unfälle. Dabei wurden neun Menschen verletzt und eine Person getötet. Nur in zwei Fällen war die Unfallursache nicht überhöhte Geschwindigkeit. Acht Unfälle mit zehn Verletzten meldet die Polizei von der Pyramide. Hauptproblem dort sind nach Angaben der Gesetzeshüter Fehler beim Abbiegen und Vorfahrtsverletzungen.

    Nicht angepasste Geschwindigkeit nennt die Polizei zudem als Grund für zehn Unfälle mit fünf Verletzten auf der B 287 am so genannten Waldschlösschen zwischen Bad Kissingen und Nüdlingen. An der Lauterer Kreuzung kam es zu vier Unfällen. Zweimal ging es um Vorfahrtsverletzungen, zweimal um Auffahrunfälle. Die Zahl der Verletzten in diesem Bereich geben die Beamten mit drei an. far

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