• aktualisiert:

    BURKARDROTH

    Meldung über verwahrloste Kühe stiftet Verwirrung

    Die Geschichte um vernachlässigte Kühe roch nach Skandal. Am Ende aber stellte sich heraus: Der Tierschutz hätte zwar besser sein können. Aber auch die Kommunikation.

    Hat es im vergangenen Jahr auf einem Bauernhof im Landkreis einen schweren Fall der Vernachlässigung von Tieren gegeben?... Foto: Matthias Schrader/dpa

    Hat es im vergangenen Jahr auf einem Bauernhof im Landkreis einen schweren Fall der Vernachlässigung von Tieren gegeben? Noch dazu, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfahren hätte? Eine öffentliche Belobigung des Bad Kissinger Veterinärsamts durch die Tierrechteorganisation PETA legte das jetzt nahe.

    Fünf tierfreundlichste Veterinärämter

    PETA reihte das Bad Kissinger Amt in einer aktuellen Pressemitteilung unter die „fünf tierfreundlichsten Veterinärämter 2017“ ein. Den Grund dafür beschrieb die Organisation so: „Auf einem Hof in Burkardroth standen Kühe bis zum Bauch in ihrem eigenen Kot. Verstorbene Tiere wurden einfach im Misthaufen vergraben.“ PETA habe dies sofort dem Veterinäramt Bad Kissingen gemeldet, das wiederum gleich vor Ort kontrollierte. Dabei hätten die Amtstierärzte tierschutzrechtliche Mängel festgestellt und „Maßnahmen“ eingeleitet, „um die Situation der Tiere zu verbessern“.

    „Das Veterinäramt hat schnell und vorbildlich gehandelt“ lobte die Tierrechteorganisation die Kissinger Behörde dafür jetzt im Nachgang. Das solle auch für andere Behörden Ansporn sein. Bereits seit 2012 kürt PETA nach eigenen Angaben „jährlich die aus Tierschutzsicht positiv oder negativ auffallenden Veterinärämter“.

    Der Haken an der Geschichte

    Die Geschichte mit Potenzial für einen Skandal hat jedoch einen Haken. Vergangenes Jahr wurde im Landkreis kein Fall wie der von PETA in einem Ortsteil des Marktes Burkardroth angesiedelte bekannt. Auch jetzt wussten vor Ort nicht einmal profunde Kenner von so einem spektakulären Vorgang.

    Noch dazu erinnerte die Beschreibung fatal an einen aufsehenerregenden Fall in einem anderen Ortsteil von Burkardroth, der im November 2005 und danach für Schlagzeilen sorgte. Dort waren tatsächlich Tiere bis zum Bauch im eigenen Kot gestanden und gestorbene Tiere im Misthaufen vergraben worden.

    Keine Information wegen Datenschutz

    Zu dem Eindruck, da sei es zu einer ähnlich schlimmen Vernachlässigung von Tieren gekommen wie damals, trugen auch die ersten amtlichen Reaktionen bei. Das Landratsamt erklärte, das Ganze habe mit der alten Geschichte nichts zu tun. Es handle sich tatsächlich um einen Fall von 2017. Auf die folgenden Fragen nach weiteren Details gab es jedoch zunächst keine Information. Nähere Auskünfte seien aus Gründen des Datenschutzes nicht möglich, hieß es zur Begründung.

    Kein sonderlich schwerer Fall

    Erst auf eine erneute Anfrage hin, erklärte die Kreisbehörde, bei dem Vorgang habe es sich in Wirklichkeit „nicht um einen sonderlich schweren Fall gehandelt“. PETA sei anonym aus der Bevölkerung informiert worden und habe die Sache dem Bad Kissinger Veterinäramt gemeldet. Das Veterinäramt habe daraufhin kontrolliert und dabei „weit weniger dramatische Mängel vorgefunden“, als in der anonymen Mitteilung am Anfang behauptet. Die Mängel seien abgestellt.

    Viel unnötige Aufregung also. Und das alles wegen einer fragwürdigen Belobigung.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!