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    Bad Brückenau

    Bayerisches Kammerorchester: Brüderlich nicht nur auf der Bühne

    Das Sommerkonzert des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau stand unter dem Motto "Brüder".

    Foto: Thomas Ahnert

    Das Sommerkonzert des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau stand unter dem Motto "Brüder". Damit erweiterte es das Generalthema "Beziehungen" für das Konzertjahr 2017 um einige wichtige Aspekte.

    Längst ist bekannt, dass sich Veranstalter von Konzerten mit klassischer Musik etwas einfallen lassen müssen, wenn sie ihr traditionelles Publikum bei der Stange halten und zugleich neue Zuhörergruppen gewinnen wollen. Vor allem Jugendliche sind durch ein paar launige Kommentare über die im Konzertprogramm aufgelisteten Werke noch nicht überzeugt, dass es sich lohnt, einen Abend lang Klassik statt Popmusik zu hören. Dazu braucht es mehr: nämlich die Begegnung mit Musikern, Einblicke in ihre Arbeit und eine lockere und trotzdem inhaltlich durchdachte Präsentation von Kompositionen und Instrumenten.

    Die Art, wie es von Chefdirigent Johannes Moesus inszeniert wird, kann man, bezogen auf die Schwierigkeit der Aufgabe, als Quadratur des Kreises bezeichnen. Immer wieder gelingt es ihm, "beziehungsreiche Programme" zusammen zu stellen, bei denen jedes Stück zwar für sich alleine steht, zugleich aber auch ein erhellendes Licht auf die anderen Werke wirft. Das geschieht, wenn jemand die Worte findet, die für das Publikum den Schalter betätigen, damit musikalische Erkenntnisse beim Hören möglich werden.


    Brüder machen's möglich

    Beim Sommerkonzert im vollen König-Ludwig-Saal kam durch die Wahl der Solisten noch ein weiteres Element hinzu: Mit den Klarinettisten Andreas und Daniel Ottensamer standen zwei Musiker auf dem Podium, die das Motto des Abends, nämlich "Brüder", nicht nur musikalisch in ihrem Spiel verkörperten. Man erfuhr, wie es möglich ist, sich immer wieder zum Proben zu treffen, obwohl der eine als Solo-Klarinettist in Wien fungiert, der andere jedoch in Berlin. Und sogar gemeinsame Konzerte als Trio mit dem Vater gibt es.

    Und bei all dem, was die Zuhörer über diese Familie erfuhren, schwenkte Johannes Moesus unauffällig hinüber zur Familie Bach, von der an diesem Abend drei Werke erklangen: Vom Vater Johann Sebastian eine Klavier-Fuge, die Mozart für Streichquartett bearbeitet hat, und von den Söhnen Johann Christoph und Carl Philipp Emanuel je eine Sinfonie, womit eine Brücke vom Barockstil zur Wiener Klassik hergestellt wurde, so wie sie im aktuellen Programm durch Ignaz Josef Pleyel repräsentiert wurde.

    Von letzterem war eine "Sinfonia concertante" zu hören, ein Werk, in dem die Brüder Ottensamer ihre Kunst auf zwei gleichartigen Klarinetten zeigten, während in dem Konzertstück Nr.1 op. 113 von Mendelssohn neben der Klarinette auch das tiefere Mitglied der Familie, das Bassetthorn mit seinem auffälligen Trichter, zum Einsatz kam und mit seinem dunklen Klang neue, warme Farben einbrachte. In beiden Interpretationen vermittelten Andreas und Daniel Ottensamer jenseits ihrer berückenden Virtuosität ein Musizieren, das bis in feinste Details (besonders bei Übergängen und Schlüssen) aufeinander abgestimmt war, das in der Lautstärke bei plötzlichen Lagenwechseln perfekt reagierte und sogar noch im Pianobereich bei Parallel-Läufen Brillanz entfaltete. Johannes Moesus sorgte mit einem präzisen und aufmerksamen Dirigat dafür, dass sein Orchester ein rücksichtsvoller Partner war und die Solisten sich optimal entfalten konnten.


    Hohes Tempo

    Die Sinfonien der Brüder Bach wurden von den Streichern sowie von Oboen und Hörnern als Musik dargeboten, die bewusst andere Wirkungen suchte als jene, die sich ihr Vater vorgestellt hätte. Nicht die ruhige, kunstvolle Struktur der Polyphonie war das Ziel, sondern der lebhafte, wilde Ausdruck von Gefühlen, für die ein breites Repertoire an Motiven eingesetzt wurde - dies oft in sehr schnellem Tempo und jähen Umbrüchen, aber auch in den langsamen Sätzen mit ihrer schmerzlichen Melodik. Das Orchester gestaltete diese Klangwelt der Brüder Johann Christoph und Carl Philipp Emanuel Bach mit starken Affekten, präzisem Zusammenspiels und expressivem Ton in den Mittelsätzen.


    An Historie orientiert

    Allerdings war zu erleben, dass die Musiker in der Fuge von Johann Sebastian Bach auch über eine historisch orientierte Spielweise verfügen, die unter Verzicht auf Vibrato ganz der Aufgabe von Intonation und Themen-Profilierung verpflichtet ist.

    Hätte jemand gefragt, bei welcher Musik sich Orchester und Dirigent am wohlsten fühlten, so wäre für viele Zuhörer die Antwort erst bei der Zugabe möglich geworden: einem sinfonischen Finalsatz von Carl Stamitz, in dem das Orchester mit prickelnden Streicherpassagen, aber auch mit Erinnerungen an die böhmische Heimat der Familie Stamitz glänzte und stürmischen Schlussapplaus erntete.

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