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    Eltingshausen

    Der Fachkräftebedarf ist da

    Zum "Neujahrstalk", lud die Heil Bauakademie und die Frauenunion des Landkreises in das Verwaltungsgebäude des Bauunternehmens Otto Heil ein.

    "Neujahrstalk" der Heil Bauakademie und der Frauenunion des Landkreises: Von links nach rechts: die Leiterin der Akademi...

    Brauchen wir eine Eisenbahn-Verbindung nach
    Fulda? Haben wir eine Über-Akademisierung der Berufsausbildung? Was kann
    man gegen den Fachkräftemangel im ländlichen Raum, insbesondere in der
    Bauwirtschaft und im Mittelstand tun? Wie geht es mit den umstrittenen
    Straßenausbaubeträgen weiter? Diese und andere Fragen standen im
    Mittelpunkt des "Neujahrstalks", zu dem die Heil Bauakademie und die
    Frauenunion des Landkreises in das Verwaltungsgebäude des Bauunternehmens
    Otto Heil eingeladen hatten. Den Fragen von Nikola Renner-Knopp, der
    Leiterin der Akademie und Vorsitzenden der Frauenunion im Landkreis,
    stellten sich Staatssekretär und Landtagsabgeordneter Gerhard Eck (CSU),
    Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner (CSU) und Peter Heil, Geschäftsführer
    des Bauunternehmens Otto Heil GmbH & Co. KG. Die Gäste, unter denen
    zahlreiche Bürgermeister und Vertreter des Baugewerbes waren, nutzten die
    Gelegenheit für viele Fragen.

    "Der Fachkräftebedarf ist da, er bremst den Bauboom", betonte Peter Heil. Im
    ländlichen Raum sei es zwar einfacher, junge Leute zu finden, "aber auch
    die Industriestandorte Bad Neustadt und Schweinfurt saugen Leute ab." Dabei
    sei die Arbeit am Bau attraktiv, denn es gebe keine Fließbandarbeit und sie
    werde gut bezahlt. Schon ein Auszubildender im ersten Lehrjahr bekomme 900
    Euro pro Monat. "Früher hat man lamentiert, dass die Leute von hier weg
    müssen, weil es keine Arbeit gibt. Heute gibt es Vollbeschäftigung und
    Fachkräftebedarf in allen Branchen", meinte dazu Sandro Kirchner. 17
    Milliarden Euro könnten nicht generiert werden, weil den Unternehmen
    Mitarbeiter fehlen.

    "Wird wieder mehr Wert auf Schulfächer gelegt, die handwerkliche
    Fähigkeiten fördern?", wollte Nikola Renner wissen. In Bayern seien die
    Weichen richtig gestellt, meinte dazu Gerhard Eck, "die Über-Akademisierung
    müssen wir stoppen. Es ist von der Natur vorgegeben, dass nicht jeder
    gleich ist." Rechtsanwälte hätten es oft schwer, doch Handwerker würden
    gesucht. "Ich komme nicht aus der akademischen Laufbahn, das hat mir mein
    Leben lang nicht geschadet", so Eck.
    Peter Heil ergänzte, dass ein Polier auf dem Bau im Laufe seines
    Berufslebens mehr verdiene als viele Akademiker. Man müsse aufzeigen, dass
    es im bayerischen Bildungssystem keinen Abschluss ohne Anschluss gebe. Ein
    Meister zum Beispiel könne studieren.
    Ein ganz praktisches Problem schnitt Sandro Kirchner an: Wie kommen
    Auszubildende von den Dörfern zu ihrem Ausbildungsplatz, wenn die Busse
    nicht zu den passenden Zeiten fahren? Gegen die Anregung aus dem Publikum,
    den Azubis den Führerschein schon unter 18 Jahren zu geben, hatte Gerhard Eck
    starke Bedenken. Bei jungen Leuten unter 18, die einen Führerschein haben,
    sei die Unfallquote sehr hoch, "das ist ein gefährlicher Weg." Er sei
    selbst während seiner Lehrzeit 18 Kilometer nach Schweinfurt gefahren. Wie
    es funktionieren kann, zeigte Peter Heil auf. In seinem Bauunternehmen wird
    jedem Azubis ein Pate zugeordnet, der diesen, wenn nötig, abholt.
    Sandro Kirchner berichtete, dass im Nachtragshaushaltsplan des Freistaates
    zusätzliche Mittel für den öffentlichen Personennahverkehr eingestellt
    worden seien und betonte: "Mir liegt die Schiene besonders am Herzen." Die
    Anbindung nach Würzburg sollte noch verbessert werden. Defizite gebe es in
    Richtung Hessen bzw. Fulda. Die Anbindung in die Tschechische Republik
    werde gefördert, "aber Bayern hat nicht nur eine Grenze in diese Richtung,
    sondern auch nach Hessen." Auch Staatssekretär Eck bekräftigte: "Wir setzen
    ganz massiv auf die Schiene." Thomas Bold ergänzte, der Bus von Bad
    Kissingen nach Fulda werde sehr gut angenommen. Sogar von einer
    Eisenbahnverbindung nach Fulda war in der Diskussion die Rede.
    Weiteres Thema war der Investitionsstau im Straßenbau. Die Bundesmittel
    seien Dank des früheren Verkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU) stark
    erhöht worden, so Eck. Auch die Mittel für Staatsstraßen seien
    ausgeweitet worden. Schwierigkeiten gebe es oft, weil für die Planungen
    Ingenieur fehlen und auch die freien Büros ausgelastet seien.
    Lange wurde über die umstrittene Straßenausbausatzung diskutiert. Sie sei zwingend, da
    gebe es keine Diskussion, betonte Eck, "irgendwo muss das Geld herkommen,
    wenn nicht über die Satzung, dann aus dem allgemeinen Steuertopf" und "den
    Freien Wählern geht es darum, im Wahlkampf Ärger zu produzieren." Sandro
    Kirchner wies darauf hin, dass es im Landtag über alle Fraktionen hinweg
    Konsens gegeben habe und dass diese Satzung sowieso im April auf den
    Prüfstand gestellt werden sollte. "Die Politik hat es aufgenommen, es wird
    eine Veränderung geben", prophezeite er. Dieter Britz

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