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    Aschach bei Bad Kissingen

    Der Tod: mal nachdenklich, mal ironisch, mal ausgelassen

    Mit einem ironischen Augenzwinkern lud die Aschacher Spätlese zu einem literarisch-musikalischen Leichenschmaus ins Schloss.

    Schauspieler Peter Hub trug bei der Aschacher Spätlese Texte und Gedanken zur Endlichkeit des Lebens vor. Begleitet wurd...

    Der Tod wird in der Literatur in vielfacher Weise aufgegriffen: mal ist er Schreckensbild, dann wieder einmal Freund und Gefährte. Gerade in der heutigen Zeit, die ganz dem Jugendideal und der Geschäftigkeit verhaftet ist, wird der Gedanke an das eigene Sterben entrüstet zurückgewiesen. Doch man kann es drehen und wenden wie man will: irgendwann sind auch die eigenen Stunden gezählt, und dann heißt es auch für den erfolgreichen Manager: "Aus die Maus!". Diesem Motto hatte sich die "Aschacher Spätlese" im Schloss gewidmet, wo mit einem ironischen Augenzwinkern zu einem literarisch-musikalischen Leichenschmaus eingeladen worden war.

    Hierbei trug der Schauspieler Peter Hub Texte und Gedanken zur Endlichkeit des Lebens vor. Begleitet wurde er von der Gitarristin Barbara Hennerfeind. Beide Künstler ergänzten sich sehr gut, sowohl die Musik als auch die Texte kamen mal nachdenklich, mal ironisch, mal ausgelassen daher und reflektierten damit, auf welch vielfältige Art und Weise sich Dichter und Musiker Gedanken über das Thema Tod gemacht haben. Dass die Thematik einen Nerv getroffen hatte, zeigte auch der große Zulauf: bis auf den letzten Platz war der "Salon im Kleinen Schloss" besetzt.


    630 Umschreibungen für das Sterben

    Das Thema Sterben hat in vielfältiger Weise auch in der Sprache Niederschlag gefunden: Hub erläuterte, dass das Institut für Germanistik an der Universität Graz in einem Projekt ganze 630 Umschreibungen für das "sterben" ausfindig gemacht hat. Vom "den Löffel abgeben", "sich davon machen" bis hin zur "der Welt adieu sagen" reicht hier die Palette und zeigt, dass man auch immer probiert, mit Humor dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Witzig wurde es, als Peter Hub den verschiedenen Berufen die jeweilige Umschreibung zuordnete: wenn der Förster in die ewigen Jagdgründe eingeht, der Pfarrer das Zeitliche segnet und der Bundesbahner in den letzten Zügen liegt, dann musste auch das Publikum über diese blumigen Betrachtungsweisen schmunzeln.

    Doch natürlich wurden bei der Spätlese auch nachdenkliche und philosophische Töne angeschlagen. Beim irischen Märchen "Das Land, wo man nicht stirbt" wurde gezeigt, dass ewiges Leben nicht das ist, was der Mensch sich wünscht. Und auch wenn der Tod gerne ausgeblendet wird: so gehört er doch zum Leben dazu, dies wurde eindrucksvoll in diesem Textstück gezeigt.

    Witzig wurde es bei dem Stück "Seelenwanderung" aus der Feder des bekannten Heimatdichters Georg Queri. Hier kommt ein Bauer, der sich die Frage stellt: als welches Tier werde ich wohl im nächsten Leben wiedergeboren werden auf die Antwort, dass er als Ross dieses irdische Jammertal erneut betreten werde. Und so übt er schon einmal fleißig auf allen vieren zu gehen und Hafer zu fressen: doch trotz all dieser Mühen muss er erkennen, dass das Pferd nicht die Lebensform ist, die er nach seinem Ableben annehmen wird. "Ich schaffe es einfach nicht, im Gehen zu äpfeln", meinte er entnervt und sorgte damit für viele Lacher aus dem Publikum. Auch das sich anschließende "St. James Infirmary", ein britischer Folksong aus dem 18. Jahrhundert, der von Barbara Hennerfeind eindrucksvoll interpretiert wurde, passte in diese humorvolle Betrachtungsweise. Überhaupt ergänzten sich Hub und Hennerfeind sehr gut. So konnte man nach den gelesenen Passagen während der Lieder die Gedanken noch einmal schweifen lassen und eigene Betrachtungen anstellen.

    Peter Hub und Barbara Hennerfeind war es gelungen, mit ihrer Text- und Liedauswahl das Publikum in den Bann zu ziehen. Ernste Betrachtungen fehlten dabei nicht, jedoch wurde das Thema "Tod und Vergänglichkeit" auch aus witzigen Blickwinkeln betrachtet, was den Abend zu einem Genuss werden ließ. Und so war der Applaus am Ende des Konzerts vollauf gerechtfertigt. Die Gitarristin holte die Zuhörer am Ende des Abends mit dem "Wonderful World" in das Hier und Jetzt zurück. Schließlich muss man die Zeit, die einem gegeben ist, genießen und sein Leben leben. Auch dies war eine Erkenntnis, die man von der "Aschacher Spätlese" mitnehmen konnte. Björn Hein

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