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    Bad Kissingen

    Diebe oft Wiederholungstäter

    Zwischen 120 und 140 Fälle registriert die Bad Kissinger Polizeiinspektion jährlich. Aber die Dunkelziffer ist weit höher, so die Polizei.

    Rund 120 Mal im Jahr ermitteln die Bad Kissinger Ordnungshüter wegen Ladendiebstahls. Die Dunkelziffer ist viel höher. Man glaubt es kaum, was dabei alles gestohlen wird.Nicht jeder reagiert so prompt wie Rudi Weber es unlängst tat: Der Inhaber eines Bad Kissinger Sportgeschäfts sprintete einem Ladendieb quer durch die Stadt hinterher - und stellte ihn schließlich. Zwischen 120 und 140 Fälle registriert die Bad Kissinger Polizeiinspektion jährlich, bei denen es ums Klauen in großen Einkaufsmärkten oder kleinen Einzelhandelsgeschäften geht. Das sind immerhin zehn bis 15 Vorkommnisse pro Monat. "Die Dunkelziffer ist jedoch sehr hoch", sagt stellvertretender Polizeichef Christian Pörtner auf Anfrage der Redaktion. Oft würden Geschäftsleute erst bei der Inventur bemerken, was das Jahr über bei ihnen alles wegkam.


    Ein Päckchen Brot im linken Ärmel

    Die Beweggründe fürs Klauen unterscheiden sich beträchtlich. Während der eine im Supermarkt möglicherweise etwas mitgehen lässt, weil er nicht viel Geld zum Leben hat, vergreifen sich aber auch gut Betuchte an fremdem Eigentum, weiß Pörtner.
    Wenn eine 80-Jährige beim Verlassen eines Geschäfts angesprochen wird, weil sie in ihrem linken Ärmel ein Päckchen Brot zu 1,69 Euro versteckt und nicht bezahlt hat, bringe einen das schon zum Nachdenken, sagt der stellvertretende Polizeichef. Als hingegen vor kurzem ein relativ gut verdienender Werbefachmann in einem Supermarkt im östlichen Landkreis eine Dose Red Bull sowie ein Päckchen Tabak mitgehen ließ, habe er sich gefragt, was den Mann wohl zu dieser Handlung antrieb.
    Geklaut wird laut Pörtner in jedem Alter. Vergangenes Jahr steckte beispielsweise einmal ein Neunjähriger in einem Bad Kissinger Schreibwarengeschäft drei Kugelschreiber in die Tasche und wollte gehen, ohne sie zu bezahlen. Drei Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren hingegen ließen vor drei Monaten in einem Bad Kissinger Geschäft Damenoberbekleidung und eine Tasche mitgehen. Als man sie schnappte, stellte sich später heraus, dass sie zuvor auch in einem anderen Laden schon etwas gestohlen hatten, sagt Pörtner. Auch der 36-jährige Ladendieb, den der Bad Kissinger Geschäftsmann Rudi Weber unlängst verfolgte, weil er Sportbekleidung im Außenbereich vom Bügel riss und mitnahm, hatte wiederholt geklaut und war sogar vorbestraft, sagt Pörtner.


    Eldorado Baumarkt

    Aber es gebe auch Hausfrauen, die in Geschäften versuchen, etwas mitgehen zu lassen. So wurde dieses Jahr eine Frau dabei ertappt, wie sie einen Kajalstift für 35 Euro unbemerkt aus einer Drogerie hinaustragen wollte. "Sie war Wiederholungstäterin", sagt Pörtner. Manchmal gehe es beim Stehlen auch um eine Art Sucht. Und schließlich kommt der Polizeichef noch auf den Baumarkt zu sprechen, den er das "Eldorado" für den männlichen Ladendieb nennt. Dort würden ständig kleine Gegenstände aus den Packungen gezerrt und irgend welche Dinge heimlich eingesteckt.
    Andere wiederum stehlen exklusive Waren, um das Diebesgut später noch teurer weiter zu "verticken", weiß Pörtner aus seiner täglichen Arbeit. 30 und 42 Jahre alt waren beispielsweise die beiden Männer, die es gezielt in Drogeriemärkte trieb, wo sie teure Parfüms heimlich in ihre Taschen steckten, um sie dann später irgendwo an den Mann oder die Frau zu bringen.
    In einem Bad Kissinger Geschäft betrug der Schaden, nach Angaben des stellvertretenden Polizeichefs, dann in einem Fall sogar 720 Euro. Von Dieben weiterverscherbelt würden jedoch oft auch Zigaretten, Spirituosen, Schmuck oder sogar Schuhe, erzählt Pörtner. Vor den Allerheiligen-Ferien zum Beispiel nahm die Polizei erst junge Leute zwischen 20 und 25 Jahren fest, die teure Marken-Turnschuhe geklaut hatten. Auch in diesem Fall konnten durch Wohnungsdurchsuchungen weitere 10 bis 15 Diebstähle dieser Art geklärt werden.
    Als vor einiger Zeit eine ausländische Diebesbande bundesweit in mehreren Supermärkten klammheimlich hochwertige Baby-Nahrungsmittel abräumte, wurde man auch bei der Bad Kissinger Polizei hellhörig, sagt Pörtner. Es wurden zwar keine Diebstähle gemeldet, aber die Kollegen seien daraufhin auch hier in die Märkte gegangen und hätten nachgefragt.
    Und tatsächlich stellte sich heraus, dass Diebe auch in einem Garitzer Drogeriemarkt einen größeren Posten teures Milchpulver hatten mitgehen lassen.


    Atemberaubende Verfolgung eines Ladendiebs

    Nicht jeder reagiert so beherzt, wie das Rudi Weber unlängst tat, als er einem Dieb hinterher rannte - und ihn schließlich stellte. Der Dieb wählte ein sportliches Outfit: Zwei Sweatshirts und zwei Jogginghosen im Wert von 250 Euro riss ein 36-jähriger Mann vom Außenständer eines Sportgeschäftes in der Innenstadt von Bad Kissingen herunter und rannte los (wir berichteten). Doch der Gauner hatte nicht mit den hervorragenden Läuferqualitäten des Ladenbesitzers Rudi Weber gerechnet.
    Als der 52-Jährige von einem seiner Kunden über den Vorfall informiert wurde, fackelte Weber nicht lange: "Den krieg ich noch!", dachte er sich, sprang raus auf die Straße und sprintete dem Mann hinterher - mit Erfolg. Wenige Wochen ist die Tat her, und nun spricht Rudi Weber über die wohl ungewöhnlichste Verfolgungsjagd des Jahres, bei der ihm am Ende sogar das Sicherheitspersonal des bayerischen Finanzministers Markus Söder half.
    Es war vormittags um 11 Uhr. Rudi Weber sah nach dem Hinweis des Kunden den Dieb noch um eine Ecke biegen und nahm spontan die Verfolgung auf. Angst, dass der Mann vielleicht bewaffnet sein und die Aktion gefährlich werden könnte, hatte der Ladenbesitzer nicht: "Ich habe in dem Moment einfach nur reagiert", so der sportliche Inhaber - es sei ja schließlich um sein Geschäft und seine Ware gegangen. Der ehemalige Libero des TSV Nüdlingen jagte den Flüchtenden durch mehrere Gassen der Fußgängerzone hinterher. Nach gut 300 Metern warf der Dieb seine Beute plötzlich unter einen am Straßenrand geparkten Lkw - und rannte weiter. "Da hatte ich ihn schon mal kurz gepackt", erinnert sich Weber. "Aber ich ließ ihn wieder los, weil er gewaltsam um sich schlug."
    Vielleicht dachte der Dieb da, er könne nun doch entkommen. Doch Weber, der einst routinierte Spielfeldläufer, blieb am Ball und verfolgte den Mann weitere 500 Meter bis zum Arkadenbau im Luitpoldpark. Da holte er ihn schließlich ein. Und dann bekam der sportliche Verfolger unerwartete Unterstützung von prominenter Seite: Der Dieb lief den Security-Leuten aus dem Gefolge des bayerischen Finanzministers Markus Söder geradezu in die Hände.
    Denn an jenem Montag war das alte Luitpoldbad seiner neuen Bestimmung übergeben worden. Wandelhalle, Arkaden- und Regentenbau waren da, ebenso wie Spielcasino und Luitpoldbad, zeitweise Hochsicherheitstrakts. "Die Security half mir, den Mann festzuhalten", schildert Weber den Ausgang der Geschichte. Gewehrt habe sich der 36-Jährige nicht mehr. Er habe bloß still in der Ecke gesessen, bis die Polizei eintraf. Der bis 2013 passionierte Fußballer gibt jedoch freimütig zu: "Auch ich war ganz schön fertig."
    Weber arbeitet schon seit 37 Jahren im Sportgeschäft am Bad Kissinger Marktplatz. Vor neun Jahren übernahm er dann den Shop von seinem früheren Chef. Dass einer mal etwas mitgehen lässt, kommt auch in seinem Laden öfter vor, sagt Weber. "Da gibt es sicher etliche Fälle", vermutet der Geschäftsmann. "Denn meist sehe ich das erst, wenn ich Inventur mache und merke, dass da einiges fehlt." Isolde Krapf
    Redaktion

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