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    Bad Kissingen

    Donatas Zukovas hat das Zeug zum Derby-Held

    Die Kissinger Wölfe wollen endlich Siege gegen Schweinfurt (Freitag, 20 Uhr) und in Haßfurt (Sonntag, 18.30 Uhr). Dazu braucht es einen starken Goalie.

    Auch in dieser Szene ist auf Donatas Zukovas Verlass. Der Kissinger Goalie lenkt den Puck am Tor vorbei.Hopf

    Donatas Zukovas hat die Ruhe weg. Eher unscheinbar kommt der 23-Jährige daher, fast schüchtern. Aber diese Gelassenheit macht den Litauer zu einem der wichtigsten Spieler im Team der Kissinger Wölfe. Ohne die außerordentlichen Fangkünste ihres Goalies wären die Kurstädter sicher kein Anwärter auf die drei Plätze, die innerhalb der Verzahnungsrunde zum Aufstieg in die Bayernliga berechtigen. An diesem Wochenende wird die Nummer Eins ganz besonders im Fokus stehen. Es ist schließlich doppelte Derby-Zeit mit dem Heimspiel am Freitag (20 Uhr) gegen die Schweinfurter Mighty Dogs und dem Gastspiel am Sonntag (18.30 Uhr) beim ESC Haßfurt.

    Schon als Sechsjähriger hat Donatas Zukovas auf dem Eis gestanden. "Zwei Jahre als Spieler, dann hat mich mein damaliger Trainer mal im Tor ausprobiert, wo ich auch geblieben bin." Die Sportart Nummer Eins in Litauen ist sicher Basketball, danach folgen Fußball, Eishockey und Tennis etwa auf der selben Stufe. "Bei uns im Ort haben aber alle Eishockey gespielt, das war ganz normal", sagt Zukovas, der aus Elektrenai stammt. Einem Ort in etwa so groß wie Bad Kissingen mit dem Eishockeyverein SC Energija, der von 2003 bis 2012 an der Lettischen Eishockeyliga und somit der höchsten lettischen Profiklasse teilnahm. Seit 2013 spielt die Mannschaft in der zweithöchsten weißrussischen Spielklasse. Daneben nimmt der Club auch an der litauischen Eishockeymeisterschaft teil, welche er allerdings mangels Konkurrenz seit ihrer Austragung beherrscht.

    Die Familie lebt immer noch in Litauen, Kontakt gehalten wird über Telefon oder soziale Netzwerke. Natürlich reist Zukovas in der Eishockey freien Zeit in die Heimat, um dort nebenbei Basketball und Fußball zu spielen. Aber der ehemalige U-20-Nationalspieler seines Landes ist auch eine Art Jung-Unternehmer, veranstaltet seit drei Jahren Goalie-Camps in Litauen und im niedersächsischen Braunlage. Die opulente "Rüstung" mit Fanghandschuh, Maske, Beinschoner und Torhüterschläger macht Zukovas zu einem Riesen im Tor. Der dennoch außerordentlich beweglich und mit außerordentlichen Reflexen gesegnet ist. "Da spielt neben dem Training Erfahrung und Instinkt eine große Rolle", sagt Zukovas, der vor jedem Spiel seinen gewohnten Ablauf hat. "Ich schließe die Augen und visualisiere das Spiel. Dazu kommen spezielle Übungen mit kleinen Bällen." Kommandos an die Kollegen gibt es auch, aber die sind eher kurz gehalten und gewöhnlich nur an die Verteidiger gerichtet. Im Mittelpunkt steht die positive Anspannung und Konzentration, um die bis zu 170 km/h schnellen Schüsse zu parieren.

    Die Ausrüstung anzulegen ist keineswegs kompliziert. Der Fortschritt hat die Utensilien leichter und handlicher gemacht. "Wenn ich mich beeile, brauche ich nicht länger als fünf Minuten. Normalerweise benötige ich etwa zehn Minuten." Wäre Donatas Zukovas Spieler, wäre er Stürmer, "weil ich auch als Fußballer Stürmer bin". Aber die Faszination seiner Position hat den Litauer fest im Griff. "Man hat Verantwortung für die Mannschaft. Das ist eine wichtige Position im Team, vielleicht sogar die wichtigste."

    Nervöser als sein Torwart ist sicher der Trainer, der, als einziger in seinem Team, verletzungsbedingt weiter passen muss. "Nach außen hin muss ich cool sein, damit es auch die Mannschaft ist. In mir drin sieht das ganz anders aus. Als Spieler kann ich direkt Einfluss nehmen, auf der Bank fehlt mir diese Kontrolle", sagt Mikhail Nemirovsky, der sich auch mit Anweisungen im Match zurückhält. "Man kann im Match doch aus keinem Buch vorlesen. Die Spieler sollen sich auf ihr Spiel konzentrieren." Dass seine Mannschaft in der aktuellen Saison noch kein Derby gewonnen hat, spielt für den 43-Jährigen indes keine Rolle. "Natürlich ist gerade das Freitagsspiel ein besonderes für mich, weil es gegen meine ehemalige Mannschaft geht. Wir wollen alle gute und faire Spiele sehen, in denen das bessere Team gewinnen soll."


    Unter Verbandsaufsicht

    Dass das Spiel gegen Schweinfurt unter Verbandsaufsicht steht, bereitet Michael Rosin keine schlaflosen Nächte. "Wir haben unsere Auflagen, an die wir uns in jedem Spiel halten, daher bedeutet das keinen Mehraufwand für uns. Die Zuschauer und die Mannschaften werden vor dem Spiel darüber informiert, für uns ist das ein normaler Vorgang", sagt der Wölfe-Vorsitzende. Jürgen Schmitt

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