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    Bad Kissingen

    Immer nah am Menschen

    Diakon Christoph Glaser feierte sein zehnjähriges Weihejubiläum. Sein Amt ist für ihn eine Berufung.

    Vor zehn Jahren wurde Christoph Glaser im Würzburger Dom von Bischof Friedhelm Hofmann zum Diakon geweiht. Seitdem leistet der heute 51-Jährige seinen seelsorgerischen Dienst in der Bad Kissinger Pfarreiengemeinschaft.
    Sein Amt als Diakon sieht Glaser als seine wirkliche Berufung. Dies gilt umso mehr, da er als junger Mann zunächst einen ganz anderen Lebensweg eingeschlagen hatte. Zwar war Glaser von seinen gläubigen Eltern in Elfershausen im Sinne der katholischen Kirche erzogen worden - der regelmäßige Besuch von Gottesdiensten und die Gebete am häuslichen Esstisch waren für den jungen Christoph ebenso selbstverständlich, wie sein Dienst als Ministrant. Doch nach seinem Realschulabschluss vor 35 Jahren ließ sich der 16-Jährige in Hammelburg zum Bankkaufmann ausbilden und blieb auch die folgenden zwei Berufsjahre seinem Ausbildungsbetrieb treu. "Ich war weltlich orientiert, der Beruf des Priesters stand nicht zur Diskussion."
    Entscheidend für Glasers späteren Wunsch, in kirchliche Dienste zu treten, war ein Osterwochenende in der Bildungsstätte Volkersberg. Dort traf er auf Pfarrer Edwin Erhard, den damaligen Rektor. "In den Gesprächen mit ihm habe ich Feuer gefangen." Nachfolgende Besuche religiöser Tagungen verstärkten seinen Wunsch zum Berufswechsel. "Damals habe ich Glaube und Kirche erfrischend jung erlebt", obwohl für viele andere seines Alters "die Kirche weit weg war". Auch seinen Zivildienst leistete Glaser auf dem Volkersberg ab. "Das war eine sehr prägende Zeit für mich."
    Im Oktober 1990 begann der 24-Jährige ein dreijähriges Studium der Religionspädagogik und des Gemeindepastoral. Nach drei Jahren Assistenz in Kreuzwertheim (Landkreis Main-Spessart), erhielt er 1996 die Beauftragung zum Gemeindereferenten und war bis 2007 in Margetshöchheim (Landkreis Würzburg) tätig. Seit 2004 ließ er sich zum Diakon weiterbilden und erhielt am 20. Oktober 2007 im Würzburger Dom seine Weihe.
    Schon im September war Glaser als künftiger Nachfolger von Diakon Franz Hey nach Bad Kissingen gekommen, wo er seitdem seinen seelsorgerischen Dienst versieht. Er spricht bei seinen Haus- und Heimbesuchen mit Senioren, Kranken und Einsamen, spricht ihnen Trost zu und begleitet Sterbende auf ihrem letzten Weg. Sechs Altenheime gehören zu Glasers Amtsbereich. "Alle zu besuchen, ist mir ein großes Anliegen." Ein Herzensprojekt ist die seit 2011 von ihm geleitete Nachbarschaftsinitiative "Eine Stunde Zeit".
    Seit 2015 ist Glaser auch noch gewählter Caritas-Seelsorger des Dekanats. "Die Aufgaben der Caritas passen sehr gut zu meiner Berufung als Diakon." Nicht zu vergessen: Die vielen Gottesdienste, Segensfeiern, Andachten, Taufen, Trauungen oder Beerdigungen. "Kein Tag ist wie der andere." Noch wird ihm die Arbeit nicht zu viel. "In diesem Beruf spüre ich mein Herz in dem Wissen, mit den Menschen Glauben und Leben zu teilen." Eigene Kraft schöpft Glaser in Gottesdiensten: "Sie sind die Quelle, um meine Berufung leben zu können." Kraft gewinnt er auch dort, wo man es vielleicht nicht erwartet - bei seinen Besuchen in Altersheimen. "Dort erlebe ich sehr viel Dankbarkeit und Wertschätzung."
    Natürlich hat auch sein Beruf nicht nur schöne Seiten. Was Glaser gar nicht mag, ist umfängliche Verwaltungsarbeit sowie endlose Sitzungen und Strukturdebatten in den Gremien. "Da fühle ich mich zu sehr an meine Zeit bei der Bank erinnert." Als Diakon will Glaser lieber die Menschen in Freuden und Sorgen begleiten. Für den Diakon, der 2018 sein 25-jähriges Jubiläum im Kirchendienst feiern wird, ist das Bild der Fußwaschung ein Gebot: Dahin gehen, wo die Not am größten ist. Denn entscheidend für ihn als Diakon ist, was nach seiner Auffassung Aufgabe aller Christen ist: "Bei den Menschen sein." Sigismund von Dobschütz

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