• aktualisiert:

    Münnerstadt

    Ironman: Sportler erfüllt sich Lebenstraum

    Der Münnerstädter Rainer Rößler hat ein Versprechen eingelöst und hat sich zusammen mit seinem Bruder Harald Rößler dem Ironman in Frankfurt gestellt.

    "Rainer, you are an Ironman." Als Rainer Rößler diese Worte auf dem Roten Teppich am Ziel in Frankfurt vernahm, hatte er 3,8 Kilometer Schwimmen hinter sich, war 180 Kilometer Rad gefahren und hatte einen Marathon (42,195 Kilometer) absolviert. Vor allem aber hat er eine vor vielen Jahren gegeben Zusage eingelöst. "Und mir einen Lebenstraum erfüllt." Es war sein erster Ironman, es soll aber nicht der letzte sein.

    Angefangen hat alles im Jahr 1985. Damals organisierte der Leiter der Münnerstädter Hypo-Vereinsbank-Filiale, Hajo Weigand, den ersten (und bisher letzten) Triathlon in Münnerstadt. "Es waren gerade einmal zehn Teilnehmer, drei kamen aus Münnerstadt", erinnert sich Rainer Rößler. Geschwommen wurde damals im Hallenbad, danach ging es mit dem Rad nach Bad Königshofen und zuletzt liefen die Sportler zehn Kilometer zur Talkirche und zurück. Und dabei kam der Ironman in Frankfurt zur Sprache. "Ich bin dafür zu alt, für euch wäre das doch was", hat Hajo Weigand damals zu den Nachbarjungs Rainer und Harald Rößler gesagt.


    Es gab andere Dinge

    "Dann sind verschiedene Dinge dazwischen gekommen", sagt Rainer Rößler. Ausbildung, beruflicher Einstieg, eine Frau und Kinder, das Haus wurde gebaut. Ganz aus den Augen verloren hat er sein Versprechen aber nicht. Irgendwann, das wusste er, wird er den Ironman laufen.

    Vor zwei Jahren ist ein Freund gestorben. "Man darf nichts verschieben", hat er sich dann gesagt. "Wenn man etwas vorhat im Leben, sollte man das auch machen, vielleicht geht es später nicht mehr." Diese Lehre hat Rainer Rößler aus dem traurigen Erlebnis gezogen.

    "Dann habe ich angefangen zu trainieren und die Ausrüstung gekauft." Den einen oder anderen Marathon war Rainer Rößler schon gelaufen, sein Bruder Harald hatte sogar schon beim Ironman in Roth teilgenommen. Also trainierten die beiden Brüder einfach zusammen. "Am Anfang waren es zehn bis zwölf Stunden in der Woche, das hat sich dann auf 15 bis 18 Stunden gesteigert. Ohne die Unterstützung seiner Familie hätte er das nicht bewältigen können, sagt Rainer Rößler. Denn die musste oft auf ihn verzichten.


    "Seniorensportgruppe Rößler"

    Weil die beiden Brüder knapp über 50 Jahre alt sind, verpassten Freunde ihnen gleich einen Spitznamen: "Seniorensportgruppe Rößler". Und weil sie oft zusammen mit einer Freundin, Magdolna Stemmler, trainierten, kam es noch schlimmer: "Die alten Herren brauchen beim Training ärztliche Versorgung", haben die Freunde gelästert. Magdolna Stemmler ist nämlich Ärztin.

    Dann kam der große Tag. "Das Schwimmen war sensationell", ist Rainer Rößler noch heute überrascht. "Ich habe meine Trainingszeiten um Längen unterboten." Mehr als zufrieden mit dem Schwimmergebnis , machte er sich an die 180 Kilometer mit dem Rad. "Da kann viel passieren, man ist da über sechs Stunden auf dem Rad." Es ist auch etwas passiert, aber das wird der Sportler in sehr guter Erinnerung behalten. Zwei Runden von je 90 Kilometer mussten gefahren werden. Ihm war klar, dass er irgendwann einmal von den Profis überrundet werden wird. In Bergen-Enkheim haben die Zuschauer eine große Party gefeiert, mit Stadionsprecher und allem Drum und Dran. Ausgerechnet dort ist Sebastian Kienle, einer der besten Triathleten der Welt, an ihm vorbei gerauscht. Und der Stadionsprecher hat ihn angesagt. "...gefolgt von Rainer Rößler." Das war schon ein großer Moment für den Münnerstädter.

    Als er sich an den Marathon machte, hatte sich die Metropole bereits auf 32 Grad aufgeheizt. "Wie soll das gehen?", hat er sich gefragt. Aber es ging, weil zunächst zwei große Runden entlang des Mains gelaufen wurden. "In der zweiten Runde hatte ich einen Einbruch." Doch aufgegeben hat er nicht. "Man liest ja auch Bücher." Daraus hat er erfahren, dass man an die vielen Trainingsstunden denken soll, die man investiert hat. Und: "Es wird dann auch wieder besser." Das funktionierte gut.


    Unvergessliches Erlebnis

    "Der Zieleinlauf war ein unvergessliches Erlebnis, die Massen haben getobt." Besonders gefreut hat er sich darüber, dass die vielen Zuschauer nicht nur getobt haben, als die Profis ins Ziel kamen. Auch nach sieben, acht Stunden waren sie voll dabei. "Das war richtig gut." Und dann kam der Satz, der seinen Wunschtraum erfüllte: "You are an Ironman."

    Rainer Rößler hat einmal ausgerechnet, wie viel er trainiert hat. In den 16 Monaten vor dem Lauf ist er 380 Kilometer geschwommen, ist 8000 Kilometer mit dem Rad gefahren und ist 3500 Kilometer gerannt. "Ich kenne Richtung Talkirche jeden Stein." Das hat sich aber auch gelohnt. Er hat den Lauf nicht nur geschafft, er kam sogar auf den 221. Platz. Etwa 350 Triathleten waren in seiner Altersklasse gestartet. Bruder Harald erreichte Platz 174. War es tatsächlich das große Erlebnis, das er sich erhofft hat? Die Antwort kommt kurz und bündig: "Ja."

    Nun wird Rainer Rößler den Zeitungsartikel einscannen und an Hajo Weigand schicken, der inzwischen nicht mehr in Münnerstadt wohnt. Nach 32 Jahren hat er sein Versprechen eingelöst. Der Ironman 2018 wird ganz sicher ohne Rainer Rößler stattfinden. "Dann müsste ich ja schon wieder mit den Training beginnen." Aber für 2019 oder 2020 ist das schon eine Option. So wird man die "Seniorensportgruppe Rößler" wohl bald wieder in Richtung Talkirche laufen sehen. Unter ärztlicher Aufsicht, versteht sich. Thomas Malz

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)


      Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de?
      Dann jetzt gleich hier registrieren.