• aktualisiert:

    Burglauer

    Nikolaus feiert 50. Dienstjubiläum

    "Wie die Jungfrau zum Kind" kam Gustav Fuß als 14-Jähriger zu seiner Zweitkarriere. Inzwischen ist er seit einem halben Jahrhundert als Nikolaus unterwegs.

    Mit 14 Jahren startete Gustav Fuß aus Burglauer im Jahr 1967 seine Karriere als "Nikolaus". Heuer feierte er sein 50. Dienstjubiläum. Sein Auftragsbuch ist mittlerweile prall gefüllt.
    "Wie die Jungfrau zum Kind" kam Gustav Fuß, wie er schmunzelnd erzählt, zu seinem saisonbedingten Zweitjob. Als 14-Jähriger begann er in der Münnerstädter Drogerie Winter seine Lehre als Drogist. "Am 4. Dezember, also kurz vor Nikolaus, kam meine Chefin auf mich zu und bat mich, kurzfristig als Nikolaus bei ihrer kleinen Pflegetochter Gabi einzuspringen", erinnert er sich an seinen ersten Einsatz.
    Innerhalb eines Tages schneiderte ihm seine Mutter aus einem alten Filmvorhang einen Mantel, eine Mütze, und Gustav Fuß schnitzte sich selbst ein Zepter. Nach diesem grandiosen Start hatte Fuß sein wohl liebstes Hobby, zusammen mit dem Musikspielen bei den Burgläurer Lauertaler Musikanten, entdeckt.
    Ab 1968 vergrößerte er seine "Firma" mit Knecht Ruprecht (Günter Erhard), der ihm rund drei Jahre zur Hand ging. Das Duo erweiterte seine "himmlischen Dienste" und stattete Burgläurer Familien mit kleinen Kindern Besuche ab. Bald schaffte Gustav Fuß die mittlerweile acht bis zehn Termine nicht mehr am eigentlichen Nikolaustag, sodass er bereits am Vortag sein Amt ausübt. Im Jahr 2007 übernahm er vom amtsmüden "Kindergarten-Nikolaus" Siegbert Fries mit dem Kindergarten einen Bescherungsbereich. "Das macht mir am meisten Spaß. Wenn die Kinder, die alle für den Nikolaus ein Bild malen und mit leuchtenden Augen respektvoll Sankt Nikolaus bestaunen, das geht ans Herz", sagt Fuß.
    Auftritte beim Kaufhaus Pecht in den 1970er-Jahren und bei der Burgläurer Kolpingsfamilie stehen ebenfalls im himmlischen Auftrittsbuch. 48 Jahre war der alte Filmvorhang das Markenzeichen des "heiligen Mannes", bevor Pfarrer Tobias Fuchs zum Kleidersponsor wurde.
    "Einen Bischof habe ich auch nicht alle Tage in meiner Kirche, da muss ich mich mit einer festlichen Stola erkenntlich zeigen", erzählt Fuß mit einem lachen.
    Aber Gustav Fuß ist kein gewöhnlicher Nikolaus. Gewissenhaft bereitet er sein Auftritte vor, gerade bei der Musikkapelle steht er oft eine Stunde und länger mit Rauschebart und schwerem Mantel vor den Beschenkten. "Pro Musiker rund 15 Zeilen, da wird einem bei 30 bis 40 Aktiven schon gut warm, ebenso bei den fast 50 Kids im Kindergarten", erklärt er.


    Anekdoten aus fünf Jahrzehnten

    Zwei Anekdoten gibt es zum Schluss von einem der wohl dienstältesten Nikoläuse im Kreis noch. "Meine damals fünfjährige Nichte Julia schaute mich während der gesamten Bescherung im Kindergarten zweifelnd an, kam aber nicht darauf, dass ihr Onkel vor ihr steht", erzählt Fuß.
    Ebenso berichtet er von einem sechsjährigen Bengel, der tagelang verkündete, dass er dem Nikolaus kräftig gegen das Schienbein treten werde. "Als ich kam, war er spurlos verschwunden. Wir fanden ihn dann zusammengekauert unter der Eckbank. Da kam er nicht heraus", erzählt der Burgläurer Langzeitbischof und freut sich auf viele weitere Jahre als Nikolaus. Manfred Mellenthin

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)


      Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de?
      Dann jetzt gleich hier registrieren.