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    KREIS HASSBERGE

    Die Prinzessin am Geburtstag im Brautkleid

    Ein letztes Mal feiern, bevor mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt. Bei den Gaudiwürmern am Faschingsdienstag zogen noch einmal die Narren durch die Straßen.

    Am Aschermittwoch ist alles vorbei, aber auch erst dann. Und so frönte das närrische Volk im Heimatkreis am Faschingsdienstag ein letztes Mal ausgelassen der Narretei und das vor allem bei den Faschingszügen in Eltmann, Ermershausen, Neubrunn, Neuschleichach und Wonfurt.

    Nix trink – und so net voll

    Die Neubrunner feierten sich selbst als Hochburg des Faschings in den „Heiligen Ländern“ und ließen sich auch nicht davon abhalten, sich selbst fröhlich auf die Schippe zu nehmen. Thema war beispielsweise der örtliche Weihnachtsmarkt, der in diesem Winter ausfallen musste, was nicht jeder im Dorf für gut befand. „Der Neubrunner Weihnachtsmarkt ist toll, ma ka nix trink und werd net voll“, hieß es auf einem der Motivwägen. Unser Reporter Günther Geiling berichtete von 16 Wagen und Fußgruppen mit Narren auch aus Kirchlauter, Breitbrunn oder Krum, die bei strahlendem Sonnenschein ein kunterbuntes Bild abgaben. Der Obst- und Gartenbauverein verkündete mit Blick auf das Kreis-Erntedankfest 2018 im Ort stolz, dass Neubrunn, die Hauptstadt vom Heiligen Land, fürs Festefeiern bekannt sei.

    Wurm beißt in eigenen Schwanz

    Aus Neuschleichach verkündete unsere Frau vor Ort Sabine Weinbeer, der „Althütter Faschingszug“ habe schon immer mit besonders schönen Wägen und Fußgruppen gepunktet. Deshalb sei er schon lange kein Geheimtipp mehr. Diesmal aber sei sogar das Fernsehen in den Steigerwald gekommen, „um von dem besonderen und sehr authentischen Faschingszug zu berichten.“

    Sabine Weinbeer rühmte die Liebe zum Detail beim Althütter Gaudiwurm, sei es bei den farbenprächtigen Clowns, dem Kochduell, den Mädels von „Starlight-Express“, den Samurai oder dem herrlichen Wagen „Unter dem Meer“. Der Zug feierte den St. Patrick's Day ebenso wie den Wilden Westen – und hatte auch viel Ironie an Bord, etwa beim Bautrupp der Dorferneuerung oder den Schülern vom Tretzendorfer Bushäuschen. Übrigens beißt sich der Althütter Gaudiwurm selbst in den Schwanz, bei der Fahrt durchs Dorf trifft die Spitze auf den letzten Wagen – dann setzen sich die Zuschauer in Bewegung und laufen von einer „Tankstelle“ zur nächsten und durch die drei Gastwirtschaften im Ort.

    Biber jagender Bürgermeister

    „Gell, des war schö! Da geh‘ mer nächstes Jahr widder her“. Unser Reporter Jochen Reitwiesner hat diese Worte einer jungen Mutter wenige Minuten nach Ende des Wonfurter Faschingszuges aufgeschnappt, als sie ihre vielleicht vier Jahre alte Prinzessin in den Kindersitz verpackte und sich auf die Heimreise machte. Sie beschreiben den Gaudiwurm der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) nach seiner Ansicht perfekt.

    Abseits der lokalen Hochburgen hat sich der Wonfurter Zug prächtig entwickelt, aber die familiäre Atmosphäre bewahrt. Ein Dutzend Wagen und Fußgruppen waren am Start und sorgten dafür, dass entlang der Strecke von der Grillengasse bis zur Turnhalle, wo im Anschluss die große Faschingsgaudi zunächst für die Kinder, später dann für die „Großen“ stieg, prächtige Stimmung herrschte.

    Liebevoll gestaltete Wagen nahmen – dem Feuerwehrmann Sam, Pippi Langstrumpf oder den Teletubbies sei Dank – die Kinder mit ins Boot. Auch der eine oder andere lokale Seitenhieb beispielsweise in Richtung des Biber jagenden Bürgermeisters Holger Baunacher fehlte nicht. Partymusik schallte durch die Häuserzeilen, trotz der immer weiter steigenden Beliebtheit hatten die Kinder genug Platz, die von den Narren ins Publikum gestreuten Süßigkeiten aufzusammeln.

    Die stammten übrigens nicht nur von Wonfurter Vereinen oder Gruppierungen, sondern auch aus Steinsfeld und Dampfach – der KjG-Gaudiwurm gilt eben als verbindendes Element über die Dorfgrenzen hinaus.

    Hammer-Spaß mit Ermetzia

    Und Ortsgrenzen ließ auch der Faschingszug in Ermershausen hinter sich, denn: herrlich bunte Akzente setzte in der Faschingshochburg im oberen Haßgau auch die Gruppen aus dem benachbarten Ibind und Gemeinfeld. Aber kein Wunder, dass die Nachbarn gut vertreten waren, stammt doch auch die närrische Ermershäuser Regentschaft aus Ibind: Jana Rädlein, die zusammen mit Prinz Patrick Rädlein und der Nachwuchs-Regentschaft Noah Pfeiffer und Leya Herold den Zug anführten, wie Reporter Alois Wohlfahrt berichtet.

    Und der zeigte wiederum, warum Ermershausen mit seiner Ermetzia den Namen Faschingshochburg verdient hat: Weil sich die Ermetzianer nicht nur für ihre Prunksitzungen Besonderes einfallen lassen, sondern auch beim Zug mit Begeisterung ihre Ideen präsentieren.

    So die Gymnastikgruppe „2Z“ oder auch die Montagsturner, lautstark aus Lautsprechern vom Wagen die ELJ, hausgemachte Musik von den Ermetztalern, bunte Tupfer die Garden, die Feen-Tänzerinnen und lautstark mit ihren Stimmen der närrische Nachwuchs von der Kinderermetzia und vom Kindergarten.

    Bei so viel närrischer Begleitung, fiel auch der Rückblick der Regentschaft positiv aus: es hat richtig „Hammer-Spaß“ gemacht, so Patrick Rädlein. Und obendrein, so Prinzessin Jana, hat ihr gefallen, dass sie ihr Brautkleid als Prinzessin verwenden konnte. Sagt's, strahlt und nimmt weiter Glückwünsche entgegen, denn die Prinzessin konnte am Faschingsdienstag Geburtstag feiern. Sie war also prädestiniert für dieses Amt. Seinen ersten Faschingszug in Ermershausen erlebte Pfarrer Jan Jungfiel mit. Er war beeindruckt von der Begeisterung für Fasching in einer doch eher kleinen Gemeinde.

    Ficking-Reisen

    Nicht „Helau“, sondern „Wallbuh“ ist seit jeher der Ruf der Eltmanner Narren – ihr Gaudiwurm war mit über 40 Zugnummern am Faschingsdienstag mit Abstand der größte im Heimatkreis. Das Motto lautete diesmal „Orientexpress“, das Faschingskomitee reiste im Wagen „1001 Nacht“, begleitet unter anderem von „Micha Baba und die 40 Räuber“ oder den Wüstenprinzessinnen vom Kindergarten Weisbrunn.

    Unser Berichterstatter Günther Geling beobachtete aber auch lokale Spitzen, etwa zur Kreuzschifffahrt auf dem Main. „Der neuen Schiffsanlegestelle haben wir es zu verdanken – die ganze Welt kommt nach Franken – mit Ficking-Reisen“, hieß es auf einem Wagen. Die Dippacher befürchteten Verkehrsprobleme auf ihrer Rennstrecke: „Um ins Dorf zu laufen, brauchst Du Mut“ – weswegen sie einen Gehsteig forderten. Im Stadtkern allerdings gibt es nicht mal mehr ein Taxi, weswegen sofort „Hanni“ einsprang, der zukünftig abgasfrei fahren will.

     

     

    Bearbeitet von Martin Sage

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