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    RÜGHEIM

    Es geht voran in Richtung Rügheimer Gerstensaft

    Gut Ding will Weile haben, aber es geht sichtbar voran mit der Rügheimer Brauanlage. Und es zeichnet sich auch schon ab, wann der erste Gerstensaft fließen könnte.

    Bald soll der Gerstensaft fließen: Im Brauhaus in Rügheim montierten Mitglieder des Brauvereins Hofheimer Land zusammen ... Foto: Gudrun Klopf

    Rohr für Rohr werden die glänzenden Edelstahlkessel im Rügheimer Kommunalbrauhaus miteinander verbunden. Mit Riesenschritten nähert sich der Brauverein Hofheimer Land seinem Ziel. Wenn alles gut geht, soll noch in diesem Halbjahr der erste Gerstensaft durch die neue Brauanlage fließen, hofft Brauverein-Vorsitzender Rainer Huth.

    Die Mitglieder des 2014 gegründeten Brauvereins arbeiten mit Hochdruck an der Fertigstellung der Anlage. Seit Dienstag vergangener Woche brennt der Bullerofen im historischen Gemäuer Tag und Nacht. Seither hieß es polieren und nochmals polieren. „Eine bereits polierte Anlage wäre für uns unbezahlbar gewesen“, erklärt Huth. Vor allem die typisch blaue Verfärbung der Schweißnähte muss gründlich entfernt werden, um eine spätere Korrosion zu vermeiden.

    Schleifarbeiten

    Nach drei Tagen legten die Helfer die Schleifmaschinen beiseite und bauten gemeinsam mit Kupferschmied Bernd Deinlein die Anlage auf. Der Anlagebauer aus Stegaurach zeigt sich begeistert vom Engagement der Dorfgemeinschaft. Seine Brötchen könne man mit dieser kleinen Anlage zwar nicht verdienen, aber „hier wird ein alter Brauch zu neuem Leben erweckt.

    “ Etwa drei Monate Handarbeit brauchte es, um die Brauanlage maßgeschneidert für das Rügheimer Brauhaus zu fertigen. Vier Edelstahlkessel von unterschiedlicher Größe reihen sich an der Wand gegenüber des Eingangs zum Brauhaus. Im ersten Behälter, dem Sudkessel, werden Wasser und geschrotetes Malz eingemaischt und erhitzt.

    Der Brauvorgang

    Nächste Station ist der Läuterbottich. Durch ein Sieb werden hier flüssige von festen Teilen, den Trebern, getrennt. Während die Treber im Bottich bleiben, fließt der würzige Extrakt in den Sudkessel zurück. Hier wird die Würze zum Kochen gebracht und der Hopfen hinzugefügt. Wie das künftige Bier schmecke, hänge unter anderem auch vom verwendeten Wasser ab, sagt Deinlein. „Trinkwasserqualität bedeutet nicht automatisch, dass das Wasser auch gut zum Bierbrauen geeignet ist.“

    Nun kommt gehöriger Schwung in die Brauangelegenheit: Mit großem Druck wird die fertig gekochte Würze in den dritten Kessel, den Whirlpool, gepumpt. Durch die entstehende Rotation setzen sich der Trub, also feste Partikel wie Hopfenspreu und Eiweißteilchen in der Mitte des Behälters ab. Ein Plattenwärmetauscher kühlt die heiße Bierwürze ab, bevor sie in Lagertanks im Keller geleitet wird. Im letzten Tank wird das Kühlwasser gesammelt, welches entweder zum erneuten Einmaischen oder als Reinigungswasser verwendet wird. Sechs bis acht Stunden brauche es, bis ein Sud von etwa 400 bis 500 Liter gebraut sei, erklärt Deinlein.

    Sechs Wochen Geduld

    „Dann brauchen wir noch etwa sechs Wochen Geduld, bis das Bier vergärt und trinkfertig ist“, sagt Huth. Rein theoretisch sei alles klar, „aber wie das Bier dann praktisch schmeckt, wird sich zeigen“, warten die Helfer schon gespannt auf den ersten Schluck. Der Vorsitzende ist zuversichtlich, dass sich der extreme Aufwand des Vereins lohnen, und das Rügheimer Bier schmecken wird. „Ein Vereinsmitglied ist von Beruf Brauer und ein weiteres Mitglied macht gerade die Ausbildung zum Brauer.“

    Doch bis der würzige Gerstensaft fließen kann, gibt es noch viel zu tun. Acht Wochen – „aber nur, wenn nichts dazwischen kommt“ – rechnet Huth, bis Dampferzeuger und Lagertechnik montiert und installiert sind, und bis Wasser und Strom fließen.

    Bearbeitet von Gudrun Klopf

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