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    ELTMANN / EBELSBACH

    Mundart-Rallye: Von Bläh-Boys, Freckern und Homebanking

    Einen unterhaltsamen Abend erlebten die Teilnehmer der Mundart-Rallye zwischen Eltmann und Ebelsbach.

    Einen unterhaltsamen Abend erlebten die Teilnehmer der Mundart-Rallye zwischen Eltmann und Ebelsbach. Sowohl in Ebelsbach im Gasthaus Klosterhof als auch in der Mainterrasse in Eltmann waren alle Plätze besetzt, als Wolfgang Reichmann, Wilhelm Wolpert und Günter Stock ihr Programm „Vo die Mädli am Mee zu die Maadla vom Maa“ präsentierten.

    Bamberger, Würzburger und Haßfurter Dialekt wurden gleichermaßen humorvoll präsentiert. Die Zuhörer zeigten sich vielsprachig versiert, kein einziger Gag lief ins Leere. Und die Dialektgrenzen wurden spielend überwunden. Schließlich sitzen Eltmann und Ebelsbach ohnehin direkt an der Grenze zwischen dem Bamberger „a“ und dem Würzburger „e“.

    Den Auftakt in Eltmann machte Wolfgang Reichmann. Der frühere Lehrer war vor allem als ARD-Sportreporter bekannt geworden. Am Wochenende nun war er gesundheitlich zwar etwas angeschlagen. Die Zungenfertigkeit war aber nicht betroffen, und die Spitzen saßen. Seine Themen reichten vom Bläh-Boy bis zum Zwiebeltreter. Und die Touristen in Bamberg nahm er aufs Korn. „Die Gruppen, die spülen dich einfach weg“, erklärte er, „und dann die Spraach .

    . .“. Auch moderne Sportarten nahm er aufs Korn. So gebe es jetzt drei Varianten Bungee-Jumping bis hin zu „unplugged – ohne Seil“.

    Die Bamberger Verkehrsüberwachung liebt er ebenso innig wie das Bauamt und die Brückenbauten: „Auf der Unteren Brückn trödln die Schüler, auf der Oberen es Bauamt.“

    Auch Erscheinungen der modernen Zeit bekamen ihr Fett weg – von „Mary Kriegstnix“ bis hin zum „Kopf-unten-Gänger“ („jetzt führen scho die Älteren die Jüngeren über die Straß, weil sa nur nuch auf ihr Kästli guck‘n“).

    Spielend gelang der Wechsel auf den Haßfurter Dialekt. Wilhelm Wolpert übernahm und nahm gleich mal den Fränkischen Moo, die Fränkische Fraa und die Frecker unter die Lupe. Er gestand, dass er gerne in Eltmann einkaufe – „beim Opplt, der hat alles. Und wenn‘s net im Lad‘n is, dann geh ich nein Laacher, da hat ersch bestimmt.“ Er berichtete auch vom sparsamen Sektbad und von der Fränkischen Beerdigung und auch davon, wie man mit einem Geldautomaten im Seniorenheim für Unterhaltung sorgt. Und auch er beschäftigte sich mit der Moderne: „Was mir früher gebeicht ham, lerna die Kinner heut in der Schul.“

    „Was mir früher gebeicht ham, lerna die Kinner heut in der Schul“
    Wilhelm Wolpert, Mundart-Autor

    Viel Applaus erntete auch der Lokalmatador und ein herzliches Dankeschön dafür, dass er die Mundartrallye erfunden hat. „Wenn der Wilhelm anruft, dann is jeder gern dabei“, bescheinigte ihm sein Frankenwürfel-Kollege Wolfgang Reichmann.

    Der Dritte im Bunde war Günter Stock. Der frühere Bürgermeister von Margetshöchheim ist auch weiter mainaufwärts als „Weinbäuerle“ bekannt, unter anderem durch die „Närrische Weinprobe“ im Bayerischen Fernsehen. In Würzburg gestaltet er außerdem besonders unterhaltsame Nachtwächter-Führungen.

    Dass er sich auskennt in der fränkischen Seele, bewies er mit seinen Geschichten über sich selbst und sein „Kunnerle, mei Fraa“. Er sei Opfer der Finanzkrise, berichtete er. Er habe bei der Bank angerufen, ob sein Geld noch da wäre. „,Ja, des wär scho noch da‘, hatter g‘sacht, ,aber es g‘höret jetzt jemand annersch‘.“

    Ein Winzer-Kollege habe sein Geld jetzt abgehoben und unter dem Kopfkissen. „Aber ich halt nix von dem Homebanking, und außerdem kann ich net so hoch liech.“

    Unter Lachattacken erfuhren die Zuhörer vom Fränkischen Sushi. Und sie bekamen Einblicke in das fränkische Eheleben. Er berichtete auch von einer esoterischen Reise in den Bayerischen Wald und vom Senioren-Memory: „Da geh‘n mir alle zwee nein Keller. Und wem zuerscht eifällt, warum, der hat gewonne.“

     

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