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    WESTHEIM

    „Himmlische Aussichten“: Der Not anderer begegnen

    „Du siehst mich“ lautet das Motto des Evangelischen Kirchentags im Reformationsgedenkjahr, der vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg stattfinden wird.

    Du siehst mich“ lautet das Motto des Evangelischen Kirchentags im Reformationsgedenkjahr, der in der kommenden Woche vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg stattfinden wird. „Du siehst mich...“ -wirklich jeden?

    Der Kirchentag lädt uns ein, uns auf unserer Suche nach Gott, dessen Wesen Liebe ist, Zeit zu nehmen. Uns zu besinnen, uns nach ihm (neu) auszurichten. Wir sind eingeladen zu entdecken, wie Gott uns sieht und zu spüren, welche Sehnsucht Gott nach uns hat.

    Aber wen sieht er alles? Sieht Gott auch andere, nicht christliche Mitmenschen? Gott, der in Jesus Christus greifbar bei uns war und dem wir ausdrücklich in der Not anderer begegnen? Oder sieht Gott nur die Christen in Deutschland, in Europa?

    Was sagen zum Beispiel die achtjährige Farida und ihre 17-jährige Schwester Zahra aus Afghanistan dazu? Werden sie von Gott gesehen und getragen? Sie erhielten einen Ausreisebescheid, auch wenn ihre Eltern bereits anerkannt worden sind. Gleichzeitig wird angekündigt, dass die Anerkennung der Eltern noch einmal überprüft wird.

    Den Bescheidern erscheint es trotz eigener ausführlicher Schilderung der individuellen und allgemeinen Bedrohungslage zwar möglich, dass diese Familie zuhause wieder schlimmeres Leid erfahren wird. Aber im Anbetracht der Millionenstadt Kabul ist das unwahrscheinlich. Es trifft bestimmt nur andere. Diese Argumentationen brauchen nicht weiter kommentiert werden. Das psychische Leid der Familie, die hier zum Teil gut integriert ist, Deutsch spricht und dringend benötigte Fachkräfte werden könnten, aber ständig verunsichert wird, ist kaum in Worte zu fassen.

    Ja, Gott sieht die beiden Kinder, das Leid der ganzen Familie sowie jeden anderen von uns. Gott schränkt seinen Blick nicht ein, sieht auch, was bereits getan worden ist. Er wird schließlich der Familie Kraft geben, ihr Leid durchzuhalten. Sie sind, wie wir alle, seine Geschöpfe. Da gibt es keinen Raum für Menschen zweiter Klasse.

    Gute Taten machen vor Gott nicht gerecht. Aber unsere Handlungsmaximen sind Ausdruck unseres gelebten Glaubens. Nutzen wir die Zeit des Kirchentags, die Möglichkeit der vertieften Besinnung auf Gott und gehen dem nach, ob wir in unserem Alltag so handeln, wie wir selber behandelt werden wollen. Entdecken wir unseren Lebensgrund wieder und richten uns mit Blick auf Gott neu aus – auch wenn oder gerade weil wir uns in einem Wahljahr befinden.

     

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