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    KREIS HASSBERGE

    Wider den Trend der „Kiesgärten“: naturnahe Gartenanlagen

    Naturgärten bieten Lebensraum für Tiere, tun der Seele gut. Leider, so die Fachberater für Gartenbau und Landespflege, ist ein ganz anderer Trend festzustellen.

    Naturgärten sind einmalig, bieten Lebensraum für viele Tiere, tun der Seele gut. Leider, so stellen die beiden Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege beim Landratsamt Haßberge, Guntram Ulsamer und Johannes Bayer, fest, ist allerdings ein Trend hin zu „Kiesgärten“ festzustellen, mit denen sich die Beiden nicht anfreunden können.

    „Die meist ohne viel Bepflanzung angelegten Steinflächen bieten keine Nahrung und Nistmöglichkeiten für Vögel und Insekten und wirken sich zudem störend auf das Ortsbild aus“, so Bayer. Die Fachberater wissen aber auch, dass es jedem selbst vorbehalten ist, seinen Garten nach eigenem Gusto zu gestalten. Zwei Gartenbesitzer sollen exemplarisch für alle anderen, die im Landkreis ihre Gärten naturnah gestalten und bewirtschaften herausgestellt werden.

    Im Einklang mit der Natur

    Natur ist Trumpf im Garten von Salome Scholtens in Fatschenbrunn. Kommt man aus Richtung Eltmann und fährt in die Ortschaft ein, fällt wenige Meter nach dem Ortseingang auf der rechten Seite ihr Grundstück auf, welches im Einklang mit der Natur gebracht oder belassen wurde. Blickt man über den typisch fränkischen Holzlattenzaun in den Garten vor dem Haus, braucht es einige Zeit, bis man alles, was dort naturbelassen oder natürlich gestaltet zu sehen ist, realisiert hat.

    Urige Bäume stehen inmitten von Beeten, Naturteiche und mit natürlichen einheimischen Steinen gestalteten wasserdurchlässigen Sitzecken sind zu sehen. Die Anlage strahlt Harmonie in Einklang mit der Natur aus.

    Die 60-jährige Salome Scholtens erzählt, dass ihr Garten als sie mit ihrem Mann im Jahr 1978 nach Fatschenbrunn kam, „total verwildert“ war. „So wie er ist, ist er nach und nach gewachsen. Mir war es wichtig, mit Steinen und altem Material zu arbeiten, alte Bäume stehen zu lassen, um Lebensraum für Vögel und Insekten zu schaffen, beziehungsweise, zu erhalten“, sagt die leidenschaftliche Naturgärtnerin. Für sie steht auch fest: „Chemie wird nicht eingesetzt, nur eigener Kompost wird zur Düngung verwendet. Ich suche nach einem Gleichgewicht zwischen der Natur und meiner Fähigkeit etwas zu gestalten.“

    Liebe und Respekt

    Sie sieht ihren Garten als Oase mit viel Liebe und großen Respekt vor der Natur. Und sie gesteht: „Im Laufe der Jahre habe ich von der Natur gelernt.“ Ihr Mann Nico kommt aus Holland und auch er bedauert, dass dort gleich wie hier eine Versieglung von Gärten zu erkennen ist.

    „Wer diesen Garten im Umfeld einer Weinstube in Fatschenbrunn besucht, sieht zahlreiche Brunnen und Wasserspiele plätschern und ein großer Teich ist Mittelpunkt des Gartens. Die Mischung macht?s. Verschiedene Gemüse und Salate werden von Blumen und Stauden eingerahmt. Mischkultur in Vollendung“, schwärmt Ulsamer. Eigene Meinungen wollen die Kreisfachberater niemandem aufdrängen, jeder müsse für sich entscheiden, in welchem privaten Umfeld er leben möchte. „Wenn wir aber gefragt werden, versuchen wir, bei Gartenbesitzern das Interesse an naturnahen Gärten zu wecken“, sagt Ulsamer und kommt dabei ins Schwärmen, welche Vielfalt in so einem Garten entstehen kann.

    Natur pur – das bietet auch der Garten von Armin und Marion Manietta in Eichelsdorf. Im Jahr 1998 sind Marion und Armin in ihr Haus am Ortsrand von Eichelsdorf eingezogen. Ihr Garten, gelegen an einem leichten Hang, ist nach und nach entsprechend ihren Vorstellungen gewachsen und hat sich zum heimischen Naturparadies entwickelt.

    „Mein Ziel war es möglichst viel Natur in unseren Garten zu bringen“, sagt Armin Manietta, der seit 2002 Vorsitzender des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins ist. Ihr Garten ist in Terrassenform stufig angelegt, mit heimischen Steinen abgesichert.

    Informationen aus Büchern

    Viel hat Armin Manietta über Gärten und deren Gestaltung gelesen. Er holt einen Stapel Gartenbücher hervor, aus denen er sich seine Ideen geholt hat. Auch wenn er, wie seine Frau Marion sagt, der „Denker im Garten“ ist, wurden Entscheidungen gemeinsam getroffen.

    Biologisches Wirtschaften ist beiden wichtig, es erfolgt zum großen Teil mit eignen Kompost. Alles wurde mit eigenen Händen gebaut und auch beim Pflanzgut und Sträuchern griff man nur auf heimische zurück. Der Garten der Maniettas ist etwa 1000 Quadratmeter groß und nach allen Seiten offen, nichts ist eingezäunt, keine Versiegelung auf dem gesamten Grundstück vorhanden. „Der Garten besitzt Vorbildcharakter für unsere fränkische Gemüsegartenkultur, eine außergewöhnliche ökologische Grundeinstellung besteht, die den Umgang mit Pflanzen sowie die Vermeidung von Versiegelungen einbeziehen“, so Ulsamer.

    Nach Meinung der Kreisfachberater seien viel zu wenige Gärten im Landkreis naturnah bewirtschaftet. „Zehn Prozent vielleicht“, mutmaßt Ulsamer und seine Mitarbeiterin Karin Bulheller bedauert auch, dass der Trend in Richtung Kiesgärten geht. Der klassische Kiesgarten ist der direkten Sonne ausgesetzt und besteht aus einem durchlässigen, von Geröll durchsetzten Boden. Schön findet sie das nicht. „In solchen Gärten verändert sich im Lauf des Jahres nichts, keine Früchte, keine Blumen“.

    Im Sommer hatten die Kreisfachberater mit dem Wettbewerb „Natur im Garten“ erste Akzente für eine ökologisch orientierte Gartenbewirtschaftung gesetzt und viele Gartler erreicht. „Wir wollen den Wettbewerb auch 2018 weiterführen und wollen daher frühzeitig die Gartenbesitzer sensibilisieren“, sagt Ulsamer. Interessierte Gartenbesitzer, die am Wettbewerb „Natur im Garten“ 2018 teilnehmen möchten, können sich bis zum 30. Mai per E-Mail (gartenbau@hassberge.de) oder auf dem Postweg beim Kreisverband für Gartenbau und Landespflege anmelden.

    Bearbeitet von Helmut Will

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