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    LENDERSHAUSEN / HASSFURT

    „So klingen die Haßberge“: Musik auf Knopfdruck

    Die drei Hobbymusiker Ernst Haßfurther, Gerd Elflein und Martin Krautschneider haben sich gesucht und gefunden. Sie vereinen zwei Steirische Harmonikas und eine Gitarre.

    Musizieren aus Spaß an der Freude: (von links) Martin Krautschneider, Gerd Elflein und Ernst Haßfurther sind die „Lender... Foto: Gudrun Klopf

    Man nennt sie Quetschn, Ziach oder schlicht Steirische. Auch als Faltenradio, Ziehharmonika oder Knöpferlharmonika ist die Steirische Harmonika bekannt.

    Als Ernst Haßfurther vor vier Jahren dem Arbeitsleben den Rücken kehrte, erwachte seine späte Liebe zu dem diatonischen Handzuginstrument. „Zum Lernen ist es nie zu spät“, dachte sich der Lendershäuser. Mit Zug und Druck machte er sich daran, den Knopfreihen Melodien zu entlocken.

    Gepackt hat ihn die Musizierleidenschaft schon lange. Bevor er die Steirische für sich entdeckte, griff er in die stählernen Saiten seiner Gitarre. Zusammen mit seiner Frau Christine und seiner Schwester Karin gestaltet er seit etwa 20 Jahren musikalisch die Christmette in Lendershausen.

    Vor zehn Jahren fügte Gerd Elflein weitere Gitarrenlaute zu den weihnachtlichen Klängen dazu. Auch er fand schon als Jugendlicher Gefallen am Musizieren.

    Seit über 40 Jahren ist er dem Lendershäuser Posaunenchor treu. Auf der Gitarre rockte er mit der Jugendband „Cannysus“ die Tanzbühnen. Zu besonderen Anlässen im Dorf fand er sich bisher immer wieder einmal mit anderen Musikanten zu Auftritten zusammen.

    Weil sie auch Spaß daran haben, alte Schlager und populäre Hits zu spielen, treffen sich Haßfurther und Elflein jeden Dienstag zum gemeinsamen Klampfen.

    Der Dritte im Bunde der „Lendershäuser Musikanten“ ist Martin Krautschneider. Der stammt zwar aus Haßfurt, „aber die Keimzelle unserer Truppe liegt in Lendershausen“, erklärt Ernst Haßfurther den Namen. „Außerdem hat Martin Verwandtschaft hier“, bekräftigt Gerd Elflein, dass der Name durchaus legitim ist.

    Auch Krautschneider hat eine musikalische Vergangenheit. Im Hofheimer Spielmannszug klimperte er auf der Lyra. Schon als junger Bursche lernte der Haßfurter das Akkordeonspielen. Vor gut zehn Jahren wechselte er dann zur Steirischen. Inzwischen hat er sich ganz der Ziach verschrieben und nimmt sie fast täglich zur Hand. Ein Instrument liegt zu Hause, eines im Büro. Wenn die Kollegin Feierabend macht, legt Krautschneider los. „Mir gefällt sie vom Sound her besser, als das Akkordeon. Die Bässe klingen voller.“

    Bei einem zufälligen Treffen vor einigen Jahren erzählte er Ernst Haßfurther, dass er gerade Steirische lerne. „Das will ich auch, wenn ich in Rente bin“, kündigte der Lendershäuser damals schon an.

    Gesagt, getan: Kaum in Alterszeit, vereinbarte Ernst Haßfurther mit Martin Krautschneider ein erstes Treffen, um sich in die Kunst des Harmonika-Spiels einführen zu lassen.

    Leider passte die vom Großvater geerbte Continental Clubharmonika nicht zur Steirischen von Krautschneider. Für Ernst Haßfurther noch lange kein Grund zum Aufgeben. Er besorgte sich ein günstiges Schülerinstrument, und los ging's.

    Bis heute hängt sich der Musikbegeisterte jeden Tag die Harmonika um und übt. Selbst beim Campingurlaub am Plattensee schlüpft er in die Riemen.

    „Ein Instrument spielen ist eine gute Möglichkeit, sein Gehirn zu trainieren.“
    Ernst Haßfurther, Harmonika-Spieler

    „Mit der Steirischen macht es sogar als Ein-Mann-Band Spaß“, freut sich Haßfurther über seine Fortschritte.

    Die Steirische Harmonika wurde in Wien um 1860 herum entwickelt. Sie ist ein wechseltöniges Instrument: Jeder Knopf ergibt einen anderen Ton, je nachdem, ob man den Balg zieht oder drückt. Beim Ziehen und Drücken des Balges strömt Luft in die Stimmstöcke und versetzt die frei beweglichen Zungen im Inneren der Harmonika in Bewegung. Das Drücken der Tasten – links Bässe, rechts Diskant – verändert die Stellung der Zungen und erzeugt so verschiedene Tonhöhen.

    „Sobald wir ein paar Lieder konnten, spielten wir mit Gerd im Trio“, erinnert sich Ernst Haßfurther. Von alpenländischen Liedern über bekannte Volkslieder bis hin zu deutschen Schlagern erarbeiteten sich die drei inzwischen rund 80 Stücke.

    Zuhause würde er sich diese Musik niemals anhören, lacht Elflein. „Aber beim gemeinsamen Spielen macht sie richtig Spaß.“

    Die Stücke sind nicht im normalen Notensystem notiert. Es gibt eine eigene Griffschrift. Eine Art Tabulatur, die genau zeigt, welche Taste gedrückt und ob der Balg auseinander gezogen oder zusammengedrückt werden muss.

    Da die Halbtöne fehlen, verfügt die diatonische Harmonika im Diskant über deutlich weniger Knöpfe beziehungsweise Tasten als ein chromatisches Instrument. Deshalb können auch nur bestimmte, von der jeweiligen Stimmung der Steirischen abhängigen Akkorde gespielt werden.

    „Unser Ziel ist es, irgendwann einmal auswendig zu spielen“ sagt Ernst Haßfurther. Dann falle es auch leichter, dazu zu singen. „Ziehen, drücken, Bässe und Melodie – das ist ja schon Multitasking“, lacht Krautschneider, „Dazu singen – das kann ich nicht auch noch.“

    Zu den wöchentlichen Proben gesellen sich immer wieder Gastmusiker. „Peter und Michael Brembs waren schon da. Christian Häpp spielt manchmal mit“, zählen die Musikanten auf.

    Und auch die ersten Auftritte absolvierten die „Lendershäuser Musikanten“ schon. Kirchweihen, Weihnachtsfeiern, Fasching, Wirtshaussingen – inzwischen häufen sich die Anfragen.

    Das Trio gestaltet sein Programm abwechslungsreich. „Wir mischen auch internationale Hits, meist mit zwei Gitarren und Gesang, unter die bekannten Lieder“, sagt Elflein.

    Klar, haben die drei einen Mordsspaß miteinander. Aber die Herren im besten Alter – zwischen Ende 50 bis Mitte 60 – denken auch an ihre geistige Fitness. „Ein Instrument spielen ist eine gute Möglichkeit, sein Gehirn zu trainieren“, verweist Ernst Haßfurther auf Untersuchungen.

    Am Sonntag, 21. Mai, sind die „Lendershäuser Musikanten“ auf einer der Bühnen beim Allianz-Musikfestival in Aidhausen zu hören.

     
     

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