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    Theres

    Bürgermeister-Kandidat Matthias Schneider

    Der Amtsinhaber meint: Die Bürger haben ihn vor sechs Jahren gewählt, weil er von außerhalb kommt und neutral ist. Kann er mit diesem Faktor erneut punkten?

    Matthias Schneider (CSU) zuhause am Esstisch. Er hat den Altbau in Knetzgau mit seiner Frau zum gemütlichen Heim saniert... Foto: Michael Mößlein

    Wer sich einen Überblick über etwas verschaffen möchte, der tritt am besten einen Schritt zurück. Abstand erleichtert die Sache. Dies gilt in der Gemäldegalerie ebenso, wie in der Kommunalpolitik. Matthias Schneider gewinnt diesen Fernblick auf die Gemeinde Theres automatisch. Er nähert sich jeden Tag von außerhalb dem Rathaus in Obertheres – wenn's Wetter passt gerne mit dem Fahrrad. Er wohnt in Knetzgau.

    Als er vor sechs Jahren erstmals als Bürgermeister-Kandidat der CSU ins Rennen um den Chefsessel im Thereser Rathaus ins Rennen gegangen war, war ihm der Umstand, dass er nicht innerhalb der Gemeinde wohnt – und nicht vorhatte, dorthin zu ziehen – von seinen Gegnern durchaus vorgeworfen worden. Davon ist heute kaum etwas zu hören.

    Der mit 45 Jahren noch immer nicht alte Amtsinhaber, der sein Amt bei der Wahl am 19. März verteidigen möchte, meint rückblickend sogar: „Die Bürger haben damals bewusst einen Bewerber von außerhalb gewählt.“ Er sei selbst überrascht gewesen, gleich im ersten Wahlgang gegen zwei weitere Kandidaten zu gewinnen, ohne Stichwahl.

    Er nimmt für sich noch immer in Anspruch, bei Belangen der Gemeinde Theres als Auswärtiger problemloser eine neutrale Position vertreten zu können, als dies bei jemandem der Fall wäre, der in einem Thereser Ortsteil zuhause und dort verwurzelt ist. Manchmal sei es sicherlich bequemer, vor Ort zu wohnen, gibt er zu, doch auch so verbringe er als Bürgermeister viel Zeit in Theres und gehe die Probleme, die dort anstehen, an. „Manchmal ist es auch gut, dass ich nicht jedes Wirtshausgespräch mitbekomme“, sagt Schneider.

    Gemeindegebietsreform

    Vielleicht liegt es auch an seiner neutralen Sicht auf die Interessen innerhalb der Gemeinde, die er für sich beansprucht, dass er zu dem immer wieder aufkeimenden Debatte einer möglicherweise mittelfristig anstehenden Gemeindegebietsreform festhält: „Aus sachlicher Sicht wäre eine solche für mich zielführend.“ Dies könnte zur Folge haben, dass die drei Gemeinden Theres, Gädheim und Wonfurt, die die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Theres mit Verwaltungssitz in Obertheres bilden, zu einer Großgemeinde verschmelzen. Zwar ist Theres die mit Abstand einwohnerstärkste der drei VG-Gemeinden, doch würde dies nicht automatisch bedeuten, dass Theres auch den künftigen Bürgermeister stellt.

    Dennoch sagt Schneider: „Ich war von Anfang an ein Befürworter der Gebietsreform.“ Für ihn zählen die Vorteile einer größeren Einheit, etwa den Aufwand etwa für die Verwaltung und die Bauhöfe zu vereinfachen. So müsste der VG-Kämmerer nur einen Haushalt betreuen – und keine drei Haushalte. Doch eine solche Gebietsreform, macht Schneider klar, dürfe nur auf freiwilliger Basis erfolgen.

    Während dies ferne Zukunftsmusik sein dürfte, sieht er für die Gemeinde Theres in den kommenden Jahren dringendere Themen: die bedarfsgerechte Bereitstellung von Bauland etwa. Hier verweist er auf die Firma Kesstech in Obertheres, die vor Ort gehalten werden konnte, weil man kurzfristig ein Baugebiet erschlossen hat. Die nahe Autobahn und die B 303 seien Standortfaktoren, die genutzt werden müssten. Doch nicht fürs Gewerbe seien Bauplätze wichtig, auch für Wohnhäuser. Zwar gebe es im Gemeindegebiet 44 Bauplätze in privater Hand – „doch an die kommen wir als Gemeinde nicht heran“. Deshalb sei ein Flächenmanagement ebenso wichtig, wie ein Leerstandsmanagement zur Innenentwicklung.

    Bauplätze und Kindergärten

    Die Sicherung der – aktuell gut belegten – Kindergärten und der Schule erklärt der Bürgermeister-Kandidat zu wichtigen Zielen. Auch beim Lärmschutz entlang der A 70 möchte er „am Ball bleiben“. Laufende Projekte, auf die er verweist, sind in Obertheres der Bau des Feuerwehrhauses und der Neubau der Turnhalle mit Mehrzweckräumen und Wirtschaft, die neben der Schule auch tagsüber den örtlichen Vereinen zugutekommen. In Buch stehe die Sanierung des Mehrzweckgebäudes bevor. In Abwasseranlagen (zum Beispiel Kläranlage Buch) und die Wasserversorgung muss in den kommenden Jahren ebenfalls investiert werden.

    Die Erfahrungen mit bisherigen Vorhaben haben Schneider gelehrt: „Wir müssen die Menschen mit ins Boot holen.“ Das Auseinandersetzen mit den Ansichten der Bürger verzögere manches Projekt zwar, doch das Vorsetzen ausgetüftelter Pläne, an denen nicht mehr zu rütteln ist, funktioniere nicht. Er hofft, so auch die Notwendigkeit steigender Wasser- und Abwassergebühren transportieren zu können, weil Gemeinden in diesem Bereich verpflichtet sind, kostendeckend zu kalkulieren. „Manches müssen wir künftig noch besser publik machen“, sagt Schneider.

    Er macht keinen Hehl daraus, dass Investitionen die Schulden steigen lassen. Doch das eingesetzte Geld erhalte die Infrastruktur der Gemeinde und werte diese auf. Und die Gemeinde habe einen Zehn-Jahres-Plan für notwendige Investitionen, der neben planbaren Projekten einen Puffer für Unvorhergesehenes enthalte. Laut diesem Plan wird der Schuldenstand bis zum Jahr 2027 wieder in etwa auf das heutige Niveau sinken: auf annähernd 900 Euro pro Einwohner.

    Zur Person

    Matthias Schneider (45) blickt auf einige Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik zurück. Im Jahr 2002 wurde er für die Junge Liste in seinem Heimatort Knetzgau in den Gemeinderat gewählt. Aus dem schied er 2011 aus, als er für die CSU zum Bürgermeister von Theres gewählt wurde. Für die CSU zog er im Jahr 2014 in den Kreistag des Landkreises Haßberge ein.

    Seinen Beruf als Polizist bei der Polizeiinspektion Haßfurt hat Schneider nach seiner Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister beenden müssen. Parallel zum Polizeidienst hatte er noch ein Studium zum Diplom-Volkswirt (FH) absolviert.

    Der verheiratete Familienvater hat zwei Söhne (17, 18). Als Hobbys nennt er Wandern, Skifahren und Mountainbiken – daheim im Steigerwald sowie im Urlaub in den Bergen.

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