• aktualisiert:

    Landkreis Haßberge

    Weizenernte: Der Juni war der Spielverderber

    Es hatte noch im Frühjahr ganz gut ausgesehen, obwohl der Weizen schon bis dahin einiges durchgemacht hatte. Doch dann hat ausgerechnet eine Bauernregel zugetroffen.

    In Steffen Beiersdorfers Hand lässt sich das ganze Dilemma erkennen. Weizenkörner in allen Variationen sind da zu sehen – flache, deformierte und dickbauchige. Zum Teil schauen sie richtig schön aus. Doch der Schein trügt. Allesamt haben sie eines gemeinsam: Qualitätsgetreide ist etwas anderes. Aber „etwas anderes“ hat die Ernte in diesem Jahr nicht hergegeben. Zumindest ist es wie dem Dippacher Landwirt heuer vielen seiner Standeskollegen ergangen. Das Wetter hat den Landwirten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wieder einmal.

    Schrumpelige Körner

    Ein Stück weit spiegeln die Körner in Beiersdorfers Hand die Witterung der vergangenen Monate wider. Flache und „schrumpelige“ Körner stehen für die lange Durststrecke, die der Weizen von der Aussaat im Herbst bis ins Frühjahr zu überstehen hatte. „Es war schon verwunderlich, wie schön das Getreide im Frühjahr doch stand. Trotz der Trockenheit“, sagt Heinz-Dieter Hofmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt. Der Mai hatte ja sogar noch Niederschläge gebracht. Aber dann kam der Juni und der wurde quasi zum „Spielverderber“.

    Die Hitze setzte dem Getreide zu, besonders die hohen Temperaturen nach Pfingsten sorgten dafür, dass gerade auf weniger guten Böden die Notreife einsetzte. Das kam nicht von ungefähr, denn im Vergleich zum langjährigen Mittel war der Juni in diesem Jahr vier Grad wärmer, so Hofmann. Und es fiel viel zu wenig Niederschlag, den die Pflanzen, die sich in der Abreife befanden, gerade zu dieser Zeit besonders gebraucht hätten.

    Geringeres „Hektolitergewicht“

    Das Ergebnis beim Drusch dieser Felder Ende Juni, Anfang Juli: flache Körner. Gemessen wird dies im sogenannten „Hektolitergewicht“. Liegt dieses bei einer guten Entwicklung der Körner bei einem Kubikmeter Weizen bei über 760 Kilogramm, brachten diese frühen Ernteergebnisse mitunter nicht einmal 700 Kilogramm auf die Waage. Zumindest da noch der Trost: die Körner hatten noch Backqualität.

    Dann kam der lange herbeigesehnte Regen, „aber halt acht Wochen zu spät“, so Steffen Beiersdorfer. Und nicht nur, dass er kaum noch nützte, dass sich schönere, fülligere Körner auf den Halmen bildeten, sorgte die einsetzende Regenzeit dafür, dass die Qualität des reifen Weizens nach unten rauschte. Denn an eine zügige Ernte war nicht zu denken.

    Das war zu viel: 150 Liter Niederschlag pro Quadratmeter

    Immer nur wenige Tage gab es Erntewetter. Rund 150 Liter pro Quadratmeter allein in den vergangenen fünf Wochen, so Beiersdorfer, haben nicht nur für feuchte Felder gesorgt, sondern unter dem feuchtwarmen Wetter litt die Qualität des erntereifen Weizens.

    Das rührt daher: Ist der Weizen reif, dann herrscht zwar kurze Zeit in den Körnern Keimruhe. Allerdings: Ist es dann feucht und warm, beginnt das Korn am Halm zu keimen. Der Mehlkörper wird zersetzt, erläutert Heinz-Dieter Hofmann, die Körner sind nicht mehr backfähig, sie werden „Futterware“.

    „Die Qualität ist im Eimer“

    Und genau dies ist in den vergangenen Wochen auf vielen Weizenfeldern passiert. Rapide hat sich die Qualität in Richtung Futtergetreide entwickelt, berichten wie Steffen Beiersdorfer viele Landwirte. „Die Qualität ist im Eimer“, sagt denn auch Beiersdorfers Kollege Kai Wunderlich, der zusammen mit seinem Vater Werner Wunderlich einen Betrieb in Maroldsweisach führt. Qualität würde bedeuten, dass der Weizen als Brotweizen vermarktet werden könnte, aber das ist in diesem Jahr nicht der Fall. Er kann nur noch als Futterweizen verkauft werden.

    Schuld daran ist, wie im vergangenen Jahr auch, das unbeständige Wetter, das alles andere als ein Erntewetter war. Die „Siebenschläfer-Regel“ hat in 2017 wieder einmal gestimmt, sagen Heinz-Dieter Hofmann wie auch die Landwirte Steffen Beierdorfer und Kai Wunderlich unisono. So wie es um „Siebenschläfer“ war, – gewittrig und unbeständig, zeigte sich das Wetter seitdem. Kaum war es einmal zwei Tage schön, zog schon die nächste Gewitterfront auf und sorgte für Ernteunterbrechung, aber eben auch, dass die Qualitäten immer weiter litten.

    Preisabschläge bis zu 30 Prozent

    Und die schlechteren Qualitäten sind auch bei den Lagerhäusern angekommen. Zwar war es vor einigen Jahren noch ein Stück „dramatischer“, berichtet Geschäftsführer Thomas Hendrich von RW Agrar in Hofheim, aber es gebe auch in diesem Jahr viele Lieferungen, die nur noch als Futtergetreide vermarktet werden können. Auch wenn Preisaussagen schwierig seien, erwarten Landwirte in diesen Fällen Preisabschläge von rund 30 bis 40 Euro pro Tonne, wo sie normalerweise rund 150 Euro bekämen.

    Und ähnlich die Einschätzung von Christian Oppel, Betriebsstellenleiter der Baywa in Haßfurt, der ebenfalls Einbußen für die Landwirte von bis zu 30 Prozent sieht. „Es war ein grenzwertiges Jahr“, zieht Oppel Bilanz über die vergangenen Monate. Und die unterschiedlichen Qualitäten stellten auch die Händler vor Probleme, denn man müsse ja die verschiedenen Partien auch voneinander trennen.

    Das meiste ist abgedroschen

    Zum Glück, so Oppel, sei inzwischen das meiste abgedroschen. Und zum Glück sei es nicht ganz so schlimm gekommen, wie vor einigen Jahren, als der Weizen auf manchen Feldern komplett ausgewachsen war, aber dennoch: „Wir kriegen heuer von der Natur wieder mal die Grenzen aufgezeigt“.

    „Es war schon verwunderlich, wie schön das Getreide im Frühjahr doch stand“.
    Heinz-Dieter Hofmann, Amt für Landwirtschaft
     

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!