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    NASSACH

    Die „Jotznosen“ sind auf die Bühne zurückgekehrt

    Die Theatervorstellungen waren komplett ausverkauft. Und das zurecht, wie die Aufführungen von „Amore mio im Hinterhof“ zeigten.

    Amore im Hinterhof – das geht nicht ohne Blessuren ab bei der Theatervorstellung der „Jotznosen"“ im Landjugendheim Nass... Foto: Gudrun Klopf

    Schön, dass sie wieder da sind. Die komplett ausverkauften Vorstellungen und der begeisterte Applaus an den Theaterabenden bewiesen, dass man die „Jotznosen“ vermisst hatte. Mit dem Dreiakter „Amore mio im Hinterhof“ kehrte die Nassacher Theatergruppe nach einem Jahr „Babypause“ auf die Bühne im Landjugendheim zurück. Den ursprünglichen Titel „Nix Bollywood bei Korn und Schrot“ der Autorin Beate Irmisch hatte die Truppe kurzerhand geändert. „Amore mio im Hinterhof“ erschien den Akteuren passender. Wem es geglückt war, eine Karte zu ergattern, dem wurde von den zehn Laienschauspielern beste Unterhaltung geboten.

    Keifende Ehefrauen

    Keifende Ehefrauen, liebestolle Männer, ein betrügerisches Pärchen, eine schlaue Oma und ein ebensolcher Enkel – mit herrlichem Dialogwitz und großartiger Mimik treiben die Akteure den Zuschauern die Tränen in die Augen, auch wenn in dem Lustspiel alle denkbaren Klischees bedient werden.

    Der gemeinsam genutzte Hinterhof der Familien Hafer, Mais und Schrot gewährt einen tiefen Einblick in den öden und reizlosen Ehealltag der drei Paare.

    Die pensionierten Herren der Schöpfung langweilen sich und gehen mit ihren Marotten ihren angetrauten Ehehälften gehörig auf die Nerven.

    Während Egon Mais (überzeugend dargestellt von Martin Kell) ein Vogelhäuschen nach dem anderen für seine gefiederten Lieblinge baut, leidet Hypochonder Manfred Hafer (köstlich gemimt von Rainer Schwappacher) an so ziemlich allem, was man sich nur vorstellen kann. Und auch der Dritte im Bunde, Wachtmeister Oskar Schrot (gewohnt glänzend verkörpert von Marco Gräf), torkelt stark alkoholisiert in seinen Ruhestand. Doch kaum taucht eine hübsche Nachbarin auf, werden die müden Männer munter. Als flotte Adelheid Korn entfacht Verena Baumeister neue Liebesglut in den Männerherzen und macht mit ihrem Lächeln Hämorrhoiden, Gicht und Zuckerwerte vergessen.

    Haare auf den Zähnen

    Haare auf den Zähnen hat die resolute Klara Hafer (schlagfertig und grandios trocken gespielt von Michaela Schwappacher). Nach jahrelangem harten Training glaubt sie, ihren Manfred fest im Griff zu haben. Ihre Nachbarin Josefa Mais kämpft verzweifelt gegen die Hinterlassenschaften der gefiederten Besucher der zahllosen Vogelhäuschen ihres Mannes. Karin Heumann beherrscht die Mischung aus Keifen, Jammern und Heulen perfekt.

    Einzig Margot Schrot glaubt noch an eine schöne gemeinsame Zeit, wenn ihr Oskar nun in Rente geht. Auch diese für sie eher ungewöhnlich fügsame Rolle beherrscht Renate Guthardt routiniert.

    Feuriger Italiener

    Als der feurige Italiener Umberto Ragazzi auftaucht, gerät auch das Blut der Frauen in heiße Wallung. Herrschte zunächst im Frust über ihre erschlafften Ehemänner traute Einigkeit, werden die Damen nun zu missgünstigen Konkurrentinnen. Jede von ihnen fällt auf das Süßholzraspeln des Gigolos, der sich als Bruder von Nachbarin Korn ausgibt, herein. Temperamentvoll mimt René Wagner den feurigen Pseudoitaliener, bei dem die Damen gerne umfangreiche Bestellungen für Kosmetika tätigen.

    Währenddessen wickelt auch die angebliche Schwester von Ragazzi die Männerwelt problemlos um ihre zarten Finger. Mit jeweils 2000 Euro helfen die galanten Herren der Dame gerne aus einer vermeintlichen Notlage.

    Ein Glück nur, dass die gewitzte Oma Schrot (vortrefflich besetzt mit Beate Höchner) und der nicht minder schlaue Sohn Daniel Schrot (Jonas Wagner als talentierter Nachwuchsschauspieler) den Braten sofort gerochen haben. Mit vereinten Kräften lassen Oma und Enkel das betrügerische Pärchen auffliegen. Den Damen beschert die Aktion den heißersehnten Venedigurlaub mit ihren Angetrauten. Und wie das so ist – zumindest im Lustspiel – haben sich die Herren schweigend in ihr Schicksal zu fügen.

    Perfektes Bühnenbild

    Ein perfektes Bühnenbild trug zum Gelingen bei: Bis ins kleinste Detail war die Hinterhofkulisse liebevoll gestaltet.

    Unter der Regie von Ursula Hofmann, die auch als Souffleuse agierte, lieferten die Spieler Bestleistungen ab. Die Zuschauer dankten mit herzhaftem Lachen und reichlich Beifall.

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