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    KITZINGEN

    16-Jähriger auf dem Weg zum Intensivtäter?

    Es ging um Sachbeschädigung, Diebstahl und Landfriedensbruch. Begangen von einem 16-Jährigen, der so gar nichts auf die Reihe kriegt. Ein besonders schwieriger Fall.

    Betretenes Schweigen und fast schon ein Hauch von Verzweiflung machten sich im Gerichtssaal breit. Es ging um Sachbeschädigung, Diebstahl und Landfriedensbruch. Begangen von einem 16-Jährigen, der so gar nichts auf die Reihe kriegt und seine eigene Art hat, mit Problemen umzugehen. 160 Stunden soziale Hilfsdienste bekam er dafür. Am Dauerarrest kam er vorbei, gerade noch.

    Der junge Mann lässt nichts und niemend an sich ran, verweigert seit Jahren alle Hilfsangebote, egal von wem sie kommen. Er hat schon als Kind Straftaten begangen und macht als Jugendlicher weiter. Er befindet sich nach Einschätzung der Jugendgerichtshilfe auf direktem Weg zum Intensivtäter und damit in den Knast.

    Was macht man mit einem solchen Totalverweigerer? Die Frage hat Jugendrichter Wolfgang Hülle mit 160 Stunden sozialen Hilfsdiensten beantwortet. Die Hoffnung dahinter: Vier Wochen früh um 6 Uhr raus und acht Stunden schaffen: Das soll das Mittel sein, um Struktur in das Leben des Jungen Mannes zu bringen. „Das ist eine Chance“, sagte Hülle – und erntete Schweigen.

    Einfach nichts sagen, schweigen – mehrfach und immer, wenn es um die Fragen nach dem „Warum“ ging – das war die Reaktion des 16-Jährigen. Das machte die Verhandlung zäh und eher schleppend. Weil der junge Mann zwischendurch dann doch etwas von sich gegeben hat, gab es am Ende so was wie ein Geständnis. Der Sachverhalt war jedenfalls klar, wenn auch die tieferen Gründe für die nicht ganz nachvollziehbaren Aktionen auf der Strecke blieben.

    Es war in einer größeren Gemeinde im Landkreis um Weihnachten 2016. Ein Trupp von Jugendlichen wollte ein Lagerfeuer im Garten der Eltern des Angeklagten machen. Dafür wurde der Zaun eines gegenüber liegenden Sägewerks zerlegt, Latten rausgerissen, ein ganzes Zaunelemente herausgesägt. Schaden: 100 Euro. Sachbeschädigung und Diebstahl stand dafür in der Anklageschrift.

    Wenig später wieder ein Feuer im Garten. Diesmal musste eine Gärtnerei in der Nachbarschaft herhalten: Beim Mitnehmen von Kartonagen für das Feuer blieb es aber nicht. Es wurden zudem großflächig Blumentöpfe auf den Boden verteilt, die Kabel eine Computers durchgeschnitten. Schaden: 500 Euro. Hausfriedensbruch, Diebstahl und Sachbeschädigung zählte der Staatsanwalt diesmal auf.

    Und er forderte in seinem Plädoyer einen „deutlichen Warnschuss“ in Form zwei Wochen Dauerarrest und 60 Stunden soziale Hilfsdienste. Für einen Arrest war für den Richter die Zeit aber noch nicht reif. Der Angeklagte hat vermutlich jede Menge auf dem Kerbholz, stand aber zum ersten Mal persönlich vor dem Richter. Und der setzte auf das Prinzip Hoffnung.

    „Im Moment reichen die sozialen Hilfsdienste“, sagte Hülle, machte aber klar, dass mit jedem neuen Auftritt vor Gericht die Maßnahmen heftiger werden.

    Ob die Hilfsdienste und die Ankündigungen den 16-Jährigen beeindrucken, muss sich zeigen. Zweifel sind angebracht. Zumal in der Verhandlung deutlich wurde, dass noch Verfahren mit anderem Kaliber (von Raub war die Rede) auf den jungen Mann zurollen. Ob er die Kurve noch kriegt oder doch auf dem Weg zum Intensivstraftäter ist – alles offen.

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