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    KITZINGEN

    Sozialer Dienst zieht Bilanz: Versuchter Mord beispiellos

    Jahresberichte des Jugendamts und des Sozialen Dienstes sind feste Bestandteile der Tagesordnung des Kreistags und Routine: Das war diesmal nicht ganz so.

    Foto: Herse (dpa)

    Jahresberichte des Jugendamts, der Sozialhilfeverwaltung und des Sozialen Dienstes sind feste Bestandteile der Tagesordnung des Jugendhilfeausschusses des Kreistags. Normalerweise ist das Routine. Die Berichte werden zur Kenntnis genommen, manchmal andiskutiert und dann abgehakt. Beim Sozialen Dienst war das diesmal nicht ganz so.

    Markant

    „Markant“ nannte Bernd Adler das, was im Jahresbericht 2016 zu finden ist. Adler ist Leiter des Sachgebiets, das ganz vorne dabei ist, wenn es um Jugendschutz, Jugendkriminalität oder Kindeswohlgefährdung geht. Die Sozialarbeiter waren 2016 besonders gefordert.

    Mordversuch

    Das lag einmal an dem Mordversuch im Schlosspark in Wiesentheid. Ein „beispielloses Verbrechen“, das so im Landkreis noch nicht vorgekommen ist, sagte Adler dazu. 14 Mal war ein Vertreter des Amts allein beim Prozess in Würzburg gefordert. Dort sahen es die Richter am Ende des Verfahrens als erwiesen an, dass der Ex-Freund der Frau dieser drei Messerstiche in Kopf, Hals und Nacken versetzt hatte, weil sie sich von ihm getrennt hatte. Der 20-Jährige erhielt elf Jahre Haft, sein Komplize wurde zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Revision läuft noch. Das Opfer, eine heute 23 Jahre alte Frau, überlebte die Tat schwer verletzt und sitzt seither im Rollstuhl.

    417 jugendliche Straftäter

    Markant waren auch die allgemeinen Zahlen zur Jugendkriminalität. „Das ist nicht erklärbar“, sagte Adler und meinte damit den Anstieg der Anzeigen von 441 im Jahr 2015 auf 555 im Jahr 2016. Auch die Zahl der Straftäter ist von 356 auf 417 angestiegen. Dass ein Jugendlicher allein 14 Mal vorkommt und ein Mädchen sieben Mal, ist auch eine Besonderheit. Auf der anderen Seite ist aber die Zahl der Hauptverhandlungen am Jugendgericht von 122 auf 105 gesunken. „Nicht erklärbar“ hatte Adler gesagt.

    Krasser Fall

    Auch im Bereich der Kindeswohlgefährdung haben die Mitarbeiter einen eher krassen Fall erlebt. Dass ein elfjähriger Junge mit Handschellen an Bett gefesselt wird oder als Strafe im eiskalten Wasser in der Badewanne sitzen muss, war dann auch für die einiges gewöhnten Fachleute vom Sozialen Dienst eher ungewöhnlich. „Das wird im Gedächtnis bleiben“, sagte Adler zu seinem Bericht.

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