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    NENZENHEIM

    Obst- und Gartenbauverein: Droht eine Auflösung auf Raten?

    Gerade noch hat sich der Obst- und Gartenbauverein Nenzenheim mit Wahlen gerettet. Jedoch bekommt die Gemeinde an Ostern trotzdem zu spüren, wie es ohne ihn wäre.

    Es geht weiter beim Obst- und Gartenbauverein – vorerst. Denn das Damoklesschwert „Vereinsauflösung“ schwebt nach wie vor über dem Traditionsverein, dessen Vorstand am Sonntag bei der Jahreshauptversammlung im Nenzenheimer Gasthaus Distler von Bürgermeister Josef Mend, Kreisvorsitzendem Karl Wolf und Bezirksvorsitzendem Otto Hünnerkopf mit Engelszungen bekniet wurde, doch nicht komplett das Handtuch zu werfen. Mit Erfolg, jedoch mit schalem Beigeschmack.

    Es war bereits der dritte Anlauf, den Vorsitzende Rosemarie Korn unternommen hatte, nach 17 Jahren endlich einen Nachfolger für ihren Posten zu finden. Weder ihre Stellvertreterin Katharina Bayer noch Kassier Hans-Dieter Saalfrank oder Schriftführer Werner Haßold wollten das Amt übernehmen.

    Letzterer brachte es mit Blick auf das Alter der 21 erschienenen Mitglieder des rund 100-köpfigen Vereins auf den Punkt: „Wir haben den Generationswechsel nicht hinbekommen.“ Und auch seine Vorstandskollegen bekräftigten, dass sie zahlreiche Versuche unternommen hatten, Kinder, Jugendliche und junge Familien in Nenzenheim anzusprechen und für den Verein zu interessieren. Vergebens.

    Dabei sind die Aufgaben der „Obstler“ vielseitig. Zu Ostern wird eine Krone gebunden und damit der Brunnen im Dorf geschmückt. Zwei Mal im Jahr wird der Friedhof gereinigt, diverse Blumenkästen im Dorf bestückt. Aufgaben, die der Verein im Lauf der Jahre übernommen hatte und die von Generation zu Generation weiter getragen wurden. „Jedoch steht nichts davon in Ihrer Satzung. Wenn jemand die Übernahme eines Amtes scheut, weil er nicht so viel Arbeit auf sich nehmen möchte, niemand zwingt Sie dazu“, erklärte Josef Mend.

    Und wie sich in der Sitzung herausstellte, könnte auch ein schiefes Bild, das die Dorfbewohner vom Verein und vor allem dessen Vorsitzender haben, dafür verantwortlich sein, dass sich die Begeisterung für die Übernahme von Verantwortung in Grenzen hält. Stadtteilreferent Alexander Hansch verwies darauf, dass Rosemarie Korn im Auftrag der Stadt Iphofen als Privatfrau ebenfalls einige öffentliche Anlagen pflegt. Hier dürfe Ehrenamt und Nebenverdienst nicht vermischt werden.

    Neue Versicherung für Vorstand

    Karl Wolf appellierte an die Mitglieder, die drohende Vereinsauflösung abzuwenden. „Ein Stück Nenzenheim würde verloren gehen.“ Otto Hünnerkopf sicherte einmal mehr die Unterstützung des Bezirksverbandes zu, verwies auf eine neue Versicherung, mit der Vorstandsmitgliedern nahezu jegliche Haftung abgenommen werde und erinnerte daran, dass der Verein nicht nur Aufräum- und Pflegedienste zur Ortsverschönerung unternehme, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Dorfkultur liefere.

    Plötzlich stand der Vorschlag im Raum, den Obst- und Gartenbauverein als eine Untergruppierung des Weinbauvereins oder Steigerwaldklubs weiter laufen zu lassen. Mend erinnerte jedoch daran, dass der Verein nicht so einfach aufgelöst werden könne, falls kein neuer Vorstand gebildet wird: Hierzu braucht es einen Mitgliederbeschluss, der als Punkt einer Tagesordnung rechtzeitig angekündigt werden muss. Im Falle der Auflösung des Obst- und Gartenbauvereins Nenzenheim würde das rund 10 000 Euro hohe Vereinsvermögen laut Satzung anderen Institutionen im Dorf zukommen.

    Nachdem sich das Vorstandsgremium zur Beratung zurückgezogen hatte, stellten sie der Versammlung ihren „Kompromiss“ vor: Sämtliche Vorstandsmitglieder bis auf Schriftführer Werner Hassold, der auf jeden Fall sein Amt zur Verfügung stellen wollte und für den nun Susanne Hartmann zur Feder greift, würden noch einmal mindestens bis zur nächsten Jahreshauptversammlung in einem Jahr weitermachen, wobei die Posten pro forma gemäß der Satzung am Sonntag für wieder vier Jahre gewählt wurden.

    In der Zwischenzeit würde man sich weiter um Nachfolger für die Posten im Vorstand bemühen, jedoch in Betracht ziehen, die Auflösung des Vereins in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung anzukündigen.

    Um den Nenzenheimern einen Eindruck zu geben, wie es wäre, wenn es den Verein nicht mehr gäbe, werde auf das Schmücken des Osterbrunnens in diesem Jahr verzichtet.

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