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    FEUERBACH

    Auf die Besen, fertig, los!

    Menschen in Trikots mit Besen zwischen den Beinen auf einem Spielfeld. Besen? Ja Besen. In Feuerbach wird Quidditsch gespielt. Bekannt aus Harry Potter.

    Quidditch-Begeisterung herrscht in Feuerbach: Auf den Besenstiel schwingen sich (hinten von links) Julian Wald, Robin Ko... Foto: Linda Ollmann

    Im ersten Moment traut man seinen Augen kaum. Da stehen wirklich Menschen in Trikots mit Besen zwischen den Beinen auf dem Spielfeld. Besen? Die gibt es doch eigentlich nur bei Harry Potter, sollte man meinen. Auf dem Reiterhof Bartel in Feuerbach wird Quidditch gespielt. Jene Sportart, die Joanne K. Rowling in ihren Harry-Potter-Romanen erfunden hat.

    Nach einem kurzen Trainingsplatzwechsel von Schwarzach nach Feuerbach, trainiert die bislang einzige unterfränkische Quidditch-Mannschaft, die „Broom Breakers“ (deutsch Besenbrecher) zweimal die Woche bei Wind und Wetter. Über 14 Spieler warten auf den Start des Trainings.

    Es geht zur Sache

    Nach einem Mannschaftsfoto, für das aus ästhetischen Gründen die Borsten auf die Besenstiele gesteckt wurden, und einer kurzen Diskussion, wer in welcher Mannschaft spielt und wer der Schnatz ist, geht das erste Quidditch-Spiel auch schon los. Mit „Brooms up!“ gibt der Schiedsrichter das Kommando zum Start. Beide Mannschaften rennen auf die vier Bälle zu, die in der Mitte des Spielfelds am Boden liegen. Ohne die genauen Regeln zu kennen, wirkt das Ganze anfangs etwas chaotisch. Sieben Feldspieler in jeder Mannschaft, alle mit verschiedenfarbigen Stirnbändern ausgerüstet.

    Einige passen sich einen Volleyball – den Quaffel – zu und versuchen ihn durch die gegnerischen Tor-Ringe zu werfen. Jedes Tor bringt zehn Punkte. Andere Spieler werfen mit weiteren Bällen (Dodgebällen) die gegnerischen Spieler ab. Nach 17 Minuten kommt der Schnatz (ein Tennisball in einer Socke am Hosenbund eines neutralen Spielers) aufs Feld und wird von den Suchern gejagt. Mit dem Fang des Schnatzes, der 30 Punkte bringt, ist das Spiel beendet.

    Schon nach dem ersten Spiel gibt es den ersten Verletzten zu beklagen. Quidditch ist eine Vollkontaktsportart, eine Mischung aus Handball, Rugby und Dodgeball (eine Art Völkerball). In gemischtgeschlechtlichen Mannschaften darf wie im Rugby „getackelt“ werden. Nicht selten sieht man einen am Boden liegen.

    Besen-Importe aus Florida

    Die Idee, eine Quidditch-Mannschaft zu gründen, stammt von Kapitän Christian Riel. Ein paar Informationen von der Universität Passau, die ebenfalls eine eigene Quidditch-Mannschaft hat, und ein paar Freunde, schon stand der eigenen Mannschaft nichts mehr im Wege. Nach kurzer Zeit kamen immer mehr Spieler (Freunde von Freunden) dazu. Spezielle Übungen für das Training gibt es noch nicht. Der Grundschullehramtsstudent funktioniert Übungen aus seinem Studium für Quidditch einfach um.

    Die Wurfübungen kommen hauptsächlich vom Handball und das „Tackeln“ vom Rugby. Nach den Spielen trainieren die Spieler noch individuell für ihre Position. Die Jäger üben, den Quaffel in der Luft zu fangen und direkt ins Tor zu werfen – alles mit dem Besen zwischen den Beinen, der dabei nicht herunterfallen darf.

    Die Besen wurden extra aus Florida importiert. Im Gegensatz zu den üblichen PVC-Stangen gleichen die Besenstiele der „Broom Breakers“ denen aus Harry Potter. Im Training und im Spiel werden die Borsten meistens abgenommen, was das Halten des Stiels deutlich erleichtert.

    Die Ringtore wurden extra bei der Weltmeisterschaft in Frankfurt gekauft und ersetzen die bisherigen Ringe, angebracht auf Mikrofonständern – Marke Eigenbau. „Wer kann denn schon sagen, dass er original WM-Tore hat, die schon von den Australiern umgerannt wurden?“, sagt Riel.

    In der Pause zwischen den Spielen wurde angeregt über die Quidditch-Weltmeisterschaft in Frankfurt am Wochenende zuvor diskutiert. Die verschiedenen Taktiken sowie der Weltmeistertitel für Australien gegen die ungeschlagenen Amerikaner, hatten es den „Broom Breakers“ angetan.

    Ab 2017 in der Bundesliga

    Die Lizenz für die „erste Quidditch-Bundesliga“ ist auch schon erworben. Alle Voraussetzungen des Deutschen Quidditch-Bundes wurden erfüllt. Im Januar 2017 wird mit sieben weiteren Mannschaften um den deutschen Meistertitel gespielt. Chancen auf den Triumph sieht Riel noch nicht. „Spielerisch sind wir schon ganz gut, aber beim Werfen und Fangen hapert es noch.“ Bis Januar wird man noch öfters „Brooms up!“-Rufe hören.

    Quidditch in der Theorie

    Hintergrund: Quidditch ist eine unter Zauberern beliebte Sportart in den Harry-Potter-Büchern der britischen Autorin Joanne K. Rowling. Amerikanische Studenten entwickelten 2005 aus der fiktiven eine real spielbare Sportart. Es ist eine Mischung aus Handball, Rugby und Völkerball (Dodgeball). Seit 2012 gibt es eine Quidditch-Weltmeisterschaft im Turnus von zwei Jahren.

    Wie wird gespielt? Jede Mannschaft besteht aus sieben Spielern: Drei Jäger, zwei Treiber, ein Hüter und ein Sucher. Jeder Spieler hat einen Besen (PVC-Stange) zwischen den Beinen, den er im gesamten Spiel festhalten muss. Die Jäger passen sich einen Volleyball (Quaffle) zu und versuchen durch einen Wurf, durch einen der drei gegnerischen Ringe, ein Tor zu erzielen. Jedes Tor zählt 10 Punkte. Die Aufgabe des Hüters besteht darin, seine Ringe gegen die angreifende Mannschaft zu verteidigen (wie ein Fußballtorwart sein Tor). Die Treiber können die gegnerischen Spieler mit Dodgebällen (Klatscher) abwerfen und damit für eine kurze Zeit aus dem Spiel nehmen. Der Schnatz (ein Tennisball in einer Socke eines neutralen Spielers) kommt in der 18. Minute ins Spiel. Der Sucher darf nun den Schnatz jagen. Sobald einer der Sucher den Schnatz gefangen hat ist das Spiel beendet. Der Fang des Schnatzes bringt 30 Punkte.

    Besonderheiten von Quidditch: – einziger gemischtgeschlechtlicher Sport

    – Tackling ist erlaubt (Vollkörperkontakt)

    – viele Aktionen passieren gleichzeitig

    Training haben die Broom Breakers mittwochs und sonntags (18-20 Uhr) auf dem Reiterhof Bartel in Feuerbach. Kontakt: christian.riel@gmx.de

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