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    KIRCHSCHÖNBACH

    Bloß kein Dornröschenschlaf im Schloss

    Ende haben die Oberzeller Schwestern Kirchschönbach verlassen. Ruhig ist es trotzdem nicht geworden. Die Sommerkonzerte stehen an. Doch wie geht's danach weiter?

    Am 26. März haben die Oberzeller Schwestern Kirchschönbach verlassen. Ruhig ist es trotzdem nicht geworden. Gerade reist eine Gruppe indischer Ordensschwestern ab, die sich im Schwesternwohnheim gesammelt haben. Drei Jungs mähen den Rasen vor dem Schloss, Herbert Löw und Schwester Margit besprechen drinnen die Vorbereitungen vor den großen Sommerkonzerten. Das 3,2 Hektar große Gelände ist weit davon entfernt, in einen Dornröschenschlaf zu versinken. Seine Zukunft steht dennoch in den Sternen.

    Findungsphase bis April 2018

    Im April sind die Franziskanerinnen zu ihrem Kapitel zusammengekommen und haben auch über die Zukunft des Areals gesprochen, das ihnen vor 95 Jahren von Gräfin Julie von Schönborn vermacht worden war. „Es ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen“, berichtet Schwester Margit, die nach wie vor den Kontakt zu Kirchschönbach hält. „Wir haben uns dafür entschieden, die Findungsphase bis zum April des kommenden Jahres zu verlängern.“

    Die gute Nachricht: Möglichkeiten der Nutzung gibt es genug. Sicher ist nur: Auch wenn die wirtschaftliche Seite nicht unberücksichtigt bleiben darf – eine reine Kommerzialisierung des Geländes ist nicht im Sinn der Schwestern. Jede Woche Feiern oder Hochzeiten? Anfragen dafür gebe es genug. Kulturarbeit passe schon eher ins Konzept. Zumal die Erfahrungen der vergangenen Jahre positiv waren.

    Mit dem Sommerhäuser Künstleragenten Herbert Löw und dem Würzburger Theologen und Künstler Markus Grimm hatten die Schwestern vor drei Jahren ein Konzept erarbeitet. „Der Profit stand dabei nicht im Vordergrund“, erklärt Löw. Es ging vielmehr darum, passende Angebote für das besondere Ambiente zu entwickeln. Löws Resümee fällt positiv aus, auch wenn die Arbeit nicht zu unterschätzen war. „Wir mussten erst einmal Strukturen schaffen“, erklärt er. Das oberste Ziel lautete dabei, Qualität anzubieten.

    Konzerte mit freiem Eintritt

    Etliche Workshops haben seither im Schloss stattgefunden: Gitarrenkurse, Liedermacherworkshops, Musikgruppen, die aus ganz Deutschland angereist sind, um sich im Schloss fortzubilden und auszutauschen. „Es wird gemeinsam musiziert, geprobt, gekocht und gefeiert“, erklärt Schwester Margit das besondere Ambiente. Löw spricht von einer „Art von Entwicklungsarbeit“, die in den letzten drei Jahren gelaufen ist. Jetzt könne man auf den geschaffenen Strukturen aufbauen.

    Das trifft auch auf die Sommer-Konzerte zu, zu denen 2016 Jahr rund 200 Gäste pro Tag kamen. In diesem Jahr rechnet Löw mit doppelt so vielen Besuchern. Am Freitagabend, 21. Juli, spielen die CubaBoarischen, am Samstag Cuadro Nuevo.

    An den Nachmittagen des Samstags und Sonntags öffnen Schloss und Park ihre Pforten bei freiem Eintritt. Am Samstagnachmittag präsentieren Kursleiter, Vortragende und Künstler in Lesung, Vortrag und Gespräch ihre Themen, den Sonntagnachmittag krönt bis zum Abend ein reiches musikalisches Angebot mit vielen Ensembles aus Chanson, Weltmusik und Klassik. Unter anderem werden Suzan Baker und Dennis Lüddicke spielen – und das alles bei freiem Eintritt.

    Am Montag wird es wieder ruhiger auf dem Gelände, das schon viele Besitzer und Nutzungen erlebt hat: Churfürstliches Forstamt, Sitz eines Weinhändlers. Ein Kindergarten war dort beheimatet und ein Heim für benachteiligte Frauen. Jetzt ist die Zukunft in der Schwebe. Für Löw kein Problem: „Die Kultur ist sehr flexibel“, sagt er. „Wir warten die Entscheidung der Schwestern einfach ab.“

    Ein vollkommener Rückzug aus der Öffentlichkeit erscheint Schwester Margit undenkbar. „Was kommt dann?“, fragt sie. Ein Dornröschenschlaf, der Jahre dauern könnte und weder für das Schloss noch für den Ort Gewinn wäre.

    Das Programm

    Den Auftakt am Freitag, 21. Juli, machen Die CubaBoarischen gefolgt von Quadro Nuevo am Samstag, 22. Juli. Zum Abschluss am Sonntag, 23. Juli, sind unter anderem Foaie Verde und Café del Mundo zu Gast. Neben den Konzerten ist an beiden Tagen ein kostenfreies Programm mit Musik, Theater, Führungen und Vorträgen geplant. So gibt es eine musikalische Lesung in Mundart, Parkführungen, einen Vortrag über Bilderhauerei, Weltmusik und Chansons oder einen Auftritt des Schauspielers Stephan Ladnar. Schloss und Park öffnen samstags und sonntags um 14 Uhr. Einlass zum Open-Air-Gelände ist jeweils um 19 Uhr, Konzertbeginn um 20 Uhr. Karten für Die CubaBaorischen und Quadro Nuevo (jeweils 26,40 Euro) gibt es in den Tourist-Infos in Prichsenstadt, Gerolzhofen und Volkach, online (27,60 Euro plus Gebühr) unter www.adticket.de und an der Abendkasse (28 Euro). Das komplette Programm unter www.schloss-kirchschoenbach.de

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