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    GEMÜNDEN

    Stalker schlägt Ex-Freundin

    Gericht stellt Verfahren gegen 39-jährigen gegen Auflagen ein

    Dass er vor knapp zwei Jahren mit dem Ende einer Liebesbeziehung nicht klar kam und zum Stalker wurde, kostet einen 39-jährigen Mann aus dem Raum Gemünden nun 1800 Euro. Gegen Zahlung dieser Summe an die „AWO Family Power“ und einem Kontaktverbot als Auflagen stellte Richterin Karin Offermann das Verfahren gegen den Mann nach zweieinhalb Stunden ein.

    Zwei Fälle von Körperverletzung

    Zwei Fälle von Körperverletzungen und 13 von Nachstellungen warf der Staatsanwalt dem Angeklagten vor. Manche waren massiv, andere könnten bei näherer Betrachtung auch Zufallsbegegnungen gewesen sein. Nach Aussage der rund zehn Jahre jüngeren Frau hatte das Paar vergeblich versucht, nach einer Beziehungspause wieder zusammenzukommen. Im Februar 2016 habe der Ex-Freund angefangen, ihr aufzulauern und an der Wohnung vorbeizufahren. Und dann habe sie eine auf ihren Parkplatz gerichtete Wildkamera entdeckt.

    Zwei Gesprächsversuche scheiterten völlig und führten zu körperlichen Auseinandersetzungen. Einmal ging sie in ihrer Wohnung mit dem Besen auf ihn los, trat wild um sich und packte ihn zwischen den Beinen, bis er ihr ins Gesicht schlug. Dazu sagte der Angeklagte, sie habe ihm fast ein Intimpiercing herausgerissen, und er habe sie als letzte Option geohrfeigt. In seiner Wohnung schlug sie am Ostermontag 2016 wild um sich, und er sperrte sie ins Schlafzimmer, bis seine Mutter die Frau befreite.

    Danach erwirkte die junge Frau beim Amtsgericht Gemünden ein Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz. Dagegen verstieß ihr Ex mindestens zweimal, an einem Abend versuchte er 30-mal, schickte 70 SMS und warf einen Brief in den Briefkasten. Die Geschädigte schilderte auch, dass er mehrfach an ihrem Haus vorbeigefahren sei und dort gesehen worden sei. Einmal sei er ihr mit dem Auto nachgefahren.

    E-Mail an den Arbeitgeber geschickt

    Kurz vor Ende der ersten Schutzanordnung schickte der 39-Jährige zudem eine E-Mail an ihren Arbeitgeber, in der er schrieb, die Frau sei Suizid gefährdet. Das gab der Mann in der Verhandlung zu, da habe er auf eine Gefährderansprache von der Polizei überreagiert. Diese könne mit einer zweiten vom Gericht erlassenen Gewaltschutzanordnung in Zusammenhang stehen, in der ihm zusätzlich verboten wurde, der Wohnung der Frau näher als 100 Meter zu kommen.

    Das bezog sich allerdings auf die „alte“ Wohnung in einem Ortsteil, in der sie sich nicht mehr sicher gefühlt hatte. Sie zog kurz darauf nach Karlstadt, fühlte sich aber weiter von dem Ex verfolgt. Ihm war der Umzug nicht verborgen geblieben, weil er ihr auffälliges Auto regelmäßig auf einem Parkplatz stehen sah. Wie der 39-Jährige in der Verhandlung erklärte, ging ihm ein Licht auf, als er immer wieder Polizisten vor einem bestimmten Haus stehen sah. In Karlstadt habe er viele soziale Kontakte, und die Straße lag auf dem Weg zu seiner Bankfiliale.

    Zufällige Begegnungen

    Die Exfreundin bezog es allerdings immer auf sich, wenn sie ihn sah. Zum Beispiel beim Einkaufen in einem Supermarkt, wo er mit einem Freund im Café-Bereich saß. Oder als sie an der Autowaschstraße wartete und er daran vorbei zum Supermarkt fuhr. Zeitweise traute sie sich nicht allein aus dem Haus, nicht einmal zum Rauchen vor die Tür, und übernachtete bei der Mutter.

    Zuletzt fühlte sie sich Anfang November 2016 von ihm bedroht, als in einer Parkanlage in der Nähe ihrer damaligen Wohnung an ihm vorbeiging und er etwas wie „keine Angst, nicht hier und nicht heute“ gesagt haben soll. Allerdings herrsche seither Ruhe. Die Frau zog noch einmal um; sie musste als Zeugin die neue Adresse nicht nennen.

    Statt 4000 nur 1800 Euro

    „Ich bin fertig mit ihm und will, dass weiter Ruhe ist“, sagte sie vor Gericht. Allerdings befürchte sie, er werde das nicht auf sich sitzen lassen. An Geld oder an einer Bestrafung sei sie nicht interessiert. Das erleichterte es wohl der Richterin, mit Zustimmung des Staatsanwalts das Verfahren einzustellen. Damit gilt der Mann als nicht vorbestraft und muss nur seinen Anwalt bezahlen. Finanziell kommt er gegenüber dem ursprünglich vom Gericht erlassenen Strafbefehl über 4000 Euro günstiger davon.

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