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    URSPRINGEN

    Manfred Rindfleisch: Der Herr der Dosen

    1000 Stück hat er in 20 Jahren zusammengetragen. Jetzt will Manfred Rindfleisch seine Dosensammlung loswerden, den Erlös spenden - und sich seinen verbleibenden Schätzchen widmen.

    Dicht gedrängt, in Reih und Glied, steh'n sie da: Dose an Dose. Vom Boden bis zur Decke reichen die Regale. Dazwischen unzählige Kartons – ebenfalls mit Dosen. Pilsdosen, Radlerdosen, Wasserdosen. Spitzkrug-Pils, Dominikaner-Weißbier, Webster's Yorkshire Bitter. Eine so rund wie die andere, nach Höhe sortiert. Aber auch Miniatur-Exemplare, kaum größer als ein Fingerhut.

    „Etwa 1000 Stück sind es insgesamt“, schätzt Manfred Rindfleisch. Der Urspringer ist ein leidenschaftlicher Sammler, seit 20 Jahren schon. Macht rein statistisch 50 Dosen im Jahr, eine neue in jeder Woche, überwiegend Bier- und Cola-Dosen.

    Wie es losging, sein Faible für die Blechbehälter? Rindfleisch lacht. „Die Dosen haben mir einfach gefallen. Und weil sie so schön waren, wollte ich sie zunächst nicht austrinken“, plaudert der 66-Jährige. „Als dann das Haltbarkeitsdatum abgelaufen war, sind sie einfach stehen geblieben.“ Ungeleert blieben sie auch, zumindest die etwa 250 aus den Anfangsjahren. „Die vollen Dosen fallen nicht so leicht um“, begründet er.

    Bei jedem Einkauf im Supermarkt hielt der Urspringer Ausschau nach interessanten Objekten. „Ich bin im Einkaufsmarkt bei den Dosen hängengeblieben, während meine Frau in der Zwischenzeit die Einkäufe erledigt hat“, berichtet er mit einem Schmunzeln.

    Nicht alle seiner 1000 Stück hat Rindfleisch selbst zusammengetragen. Einen Teil davon steuerten seine beiden erwachsenen Söhne Christian und Thorsten bei. „Wenn die Jungs unterwegs waren, haben sie beispielsweise von einer Raststätte eine mitgebracht.“

    Einige hat er auch Bekannten aus dem Ort zu verdanken. Seinem Nachbarn zum Beispiel. Wenn dieser auf Montage war – ob in Amerika, Japan oder Russland – brachte er immer wieder ausgefallene Exemplare mit. Solche Importe hat Rindfleisch natürlich gern in seine Sammlung integriert.

    Immer wieder mal stand auch einfach eine Tüte vor seiner Haustüre, deponiert von Unbekannt, mit typischen Ausbeulungen und verräterischem Klappern beim Aufheben.

    Sehr zur Freude des passionierten Dosenliebhabers – in zunehmendem Maße allerdings zum Missfallen seiner Frau Inge. „Die hat immer geschimpft, wenn wieder eine ganze Tasche vor der Haustür stand“, grinst der 66-Jährige. Denn ihr Job war es auch, die Exponate abzustauben.

    Zeitweise war ein komplettes Zimmer im ersten Stock der Sammlung des Familienoberhaupts vorbehalten, ringsum eingefasst mit Regalen. Als Sohn Thorsten sich jedoch eine eigene Wohnung im Elternhaus einrichten wollte, mussten die Dosen weichen. Der Umzug in den Keller war unumgänglich.

    Doch ist auch hier der Platz begrenzt. An Nachschub fehlte es nicht. Rindfleisch, der beruflich im Straßenbau, dann bei Paidi in Hafenlohr und schließlich in einer Schreinerei in Langenprozelten tätig war, begann zu grübeln. Was tun mit den schlanken, blechernen Schätzchen? „Am Anfang habe ich überlegt, sie zurückzugeben und das Pfand zu kassieren“, gesteht der Hobbyfotograf. „Aber dann dachte ich mir: Das wär' doch Blödsinn.“ Die 100 Euro Pfand, die er bekommen hätte, lassen sich ohnedies nicht gegenrechnen mit dem Betrag, den er in seine Sammlung gesteckt hat. Wieviel dies war, kann er nicht beziffern, wohl aber den Preis für die teuersten Exemplare: Für die mit dem Bügelverschluss hat er stattliche neun Euro pro Stück auf den Tisch gelegt.

    Schließlich hat sich der Urspringer durchgerungen, seine Sammlung an den Meistbietenden abzugeben. Nicht, um das Geld in die eigene Tasche zu stecken. Vielmehr will er es für einen sozialen Zweck zur Verfügung stellen. „Ich dachte an krebskranke Kinder oder vielleicht auch an das Kinderhospiz Sternenzelt“, nennt er mögliche Empfänger. Doch der Aufruf bei einem Würzburger Radiosender blieb ohne Effekt: Bis heute hat Rindfleisch keine einzige Rückmeldung erhalten.

    Befällt ihn, da er sich nun zu dem Entschluss durchgerungen und auch schon einen Großteil seiner Sammlung in Kisten verpackt hat, ein Hauch von Wehmut? „Nein, es fällt mir nicht schwer“, gibt er zu. Denn schließlich hat der leidenschaftliche Sammler im Keller noch weitere Schätzchen gehortet, zumal genügsamere, was den Platzbedarf angeht.

    Kugelschreiber etwa. Diese Sammlung schätzt er auf 600 Stück. Vielleicht konzentriert er sich auch auf Streichholzschachteln. Schließlich hat er auch noch einen soliden Grundstock an unterschiedlichen Stofftaschen angehäuft. Von seiner Sammelleidenschaft, so viel steht fest, muss sich Rindfleisch keinesfalls verabschieden.

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