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    LOHR

    15 tote Rinder: Tierhalter nicht schuldfähig

    Vor einem Jahr wurden auf einem Bauernhof bei Lohr 15 verendete Rinder entdeckt. Das Ermittlungsverfahren gegen den Tierhalter wurde eingestellt.

    Ein Blick in den Bauernhof, aus dem im vergangenen Jahr 15 tote Kühe geborgen wurden. Foto: Roland Pleier

    Vor einem Jahr wurden auf einem Bauernhof in der Ortsmitte eines Stadtteils von Lohr (Lkr. Main-Spessart) 15 verendete Rinder entdeckt.  Das Veterinäramt des Landkreises hatte damals den Hof inspiziert , weil aus dem Umfeld eine Rattenplage gemeldet worden war. Thorsten Seebach, Sprecher der Staatsanwaltschaft Würzburg, teilt auf Anfrage nun mit, dass der Tierhalter strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden könne. Er sei zum Zeitpunkt der Tat nicht schuldfähig gewesen.

    Weitere Angaben zum Tierhalter könne er aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes des Beschuldigten aber nicht machen, so Seebach. Zur Todesursache teilt er mit, dass die Rinder vom Tierhalter über einen längeren Zeitraum nicht versorgt worden und daher verhungert beziehungsweise verdurstet seien.

    Neun Rinder lebten noch

    Neben den verendeten Tieren wurden damals noch neun lebende Rinder gefunden, die bei zwei Landwirten im Landkreis Main-Spessart untergebracht wurden. Die lebenden Tiere seien, so das Veterinäramt damals, „zwar unterernährt, aber gesund“ gewesen. Vor der Kontrolle im vergangenen November hatte die Behörde offenbar keine Hinweise auf eine Vernachlässigung.

    Anlass der Inspektion des Rinderstalles sei vielmehr eine Prüfung gewesen, ob eine unsachgemäße Lagerung von Futtermitteln Ursache der bereits im Mai gemeldeten Rattenplage sein könnte, teilte das Veterinäramt vergangenes Jahr mit. Um dies beurteilen zu können, habe die Kontrolle nach der Ernte stattgefunden. Hinweise, dass Zustände auf dem Hof die Ursache der Rattenplage gewesen sein könnten, fanden sich keine. Jedoch fanden die Beamten die toten Rinder.

    2015 noch alles in Ordnung

    Die Behörde hatte den Bauernhof im Lohrer Stadtteil im Jahr vor dem Vorfall schon einmal besucht. Bei dem Besuch 2015 sei es jedoch „nicht in erster Linie um die Tierhaltung, sondern um Fragen der Betriebsführung bezüglich der Milchverwertung“ gegangen, so die Behörde. An der Tierhaltung sei damals nichts zu bemängeln gewesen.

    Nachbarn hatten offenbar schon vor der Entdeckung mitbekommen, dass es Probleme gab und die Viehhaltung grenzwertig war. Vor dem grausigen Fund habe sich der Viehhalter regelrecht in seinem Hof verbarrikadiert und niemanden hineingelassen, so eine Nachbarin gegenüber dieser Redaktion.

    Das Veterinäramt hat gegen den Mann ein Tierhaltungsverbot erlassen. Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.

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