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    LOHR

    Riesenschaukel in Lohr steht noch immer still

    Nach dem Unfall auf einem Jahrmarkt in den USA, müssen alle baugleichen Fahrgeschäfte überprüft werden. Auch ein Fahrgeschäft bei der Lohrer Spessartwoche ist betroffen.

    Der „Hip Hop Fly“ bei der Spessartwoche in Lohr (Lkr. Main-Spessart) steht schon seit über einer Woche still. Sechs Gond... Foto: Johannes Ungemach

    Nach einem tödlichen Unfall mit einem Fahrgeschäft auf einem Rummelplatz in den USA hat das Bayerische Innenministerium die zuständigen Behörden angewiesen, bis zur Klärung der Unfallursache keine Betriebsfreigabe für baugleiche Fahrgeschäfte zu erteilen. Von diesem Erlass betroffen ist auch der Schausteller Romano Lagerin, der seinen „Hip Hop Fly“ seit einer Woche in Lohr (Lkr. Main-Spessart) bei der Spessartfestwoche aufgebaut hat.

    Auslöser des Schreibens an alle Landratsämter war ein Unfall Mitte vergangener Woche auf der Ohio State Fair, einem großen Jahrmarkt in Columbus im US-Bundesstaat Ohio. Dort hatte sich in voller Fahrt eine der an einem Drehkranz der Riesenschaukel „Fire Ball“ befestigten sechs Gondeln gelöst. Mehrere Fahrgäste wurden in hohem Bogen zu Boden geschleudert. Ein 18-Jähriger starb, sieben weitere Menschen wurden teils schwer verletzt.

    Unglücksursache noch unklar

    Die Ursache des Unglücks ist offenbar bis heute unklar. Der Hersteller des Fahrgeschäftes, die niederländische Firma KMG, riet allen Betreibern baugleicher Modelle, vorerst den Betrieb einzustellen und die Gondeln zur Überprüfung in das Werk zu bringen. Mit der ministeriellen Anweisung reagierte schließlich auch die oberste bayerische Baubehörde auf den Unfall.

    Als dieser in den USA geschah, hatte Romano Lagerin sein Fahrgeschäft, das einen hohen sechsstelligen Betrag gekostet hatte, gerade auf der Lohrer Spessartfestwoche aufgebaut, die am vergangenen Freitag begonnen hat. Starten konnte er dort jedoch bis heute nicht. Stattdessen musste er die Gondeln wieder demontieren und zur Überprüfung beim Hersteller in die Niederlande bringen. Seine Hoffnung, sie bald wieder abholen und sein Geschäft in Lohr doch noch starten zu können, erfüllte sich nicht. Die Überprüfung zieht sich hin. Noch am Donnerstag hatte Lagerin keine Information aus den Niederlanden, wann er seine Gondeln wieder abholen kann.

    Existenzgefährdend

    Nachdem die Sache mittlerweile überregional mediale Beachtung findet, fürchtet der 27-jährige Schausteller um seine Existenz. Mittlerweile will er sich zu dem gesamten Vorgang nicht mehr öffentlich äußern. Gegenüber dieser Redaktion hatte er zuvor jedoch gesagt, sicher zu sein, dass sich sein Fahrgeschäft in einwandfreiem Zustand befinde. Es werde regelmäßig gewartet und geprüft.

    Wie Frauke Beck, Pressesprecherin des Landratsamtes Main-Spessart, auf Anfrage erklärte, sind mit der Anweisung des Innenministeriums als oberster Baubehörde jedoch alle Prüfberichte der betreffenden Fahrgeschäfte eingezogen. Ohne diesen Bericht dürfe ein Fahrgeschäft nicht in Betrieb gehen.

    Zunächst sei nun zu prüfen, ob der Unfall in den USA auf einen Fehler beim Aufbau oder auf einen bauartbedingten Defekt zurückzuführen sei, so Beck. Erst wenn der TÜV nach einer Kontrolle die Fahrgeschäfte wieder freigebe, bekämen die Schausteller die Prüfberichte zurück. Frauke Beck geht jedoch davon aus, dass dies nicht mehr vor dem Ende der noch bis Sonntag laufenden Spessartfestwoche der Fall sein wird.

    In Deutschland ist laut Lagerin rund ein halbes Dutzend baugleicher Fahrgeschäfte dieses Typs unterwegs, etwa unter Namen wie G-Force oder Freestyle. In Bayern waren Riesenschaukeln aus der KMG-Produktion laut Medienberichten in diesen Tagen auch in Cham und Neuburg an der Donau aufgebaut. Lagerin selbst hat nach der Station in Lohr zwei Wochen Pause. Dann will er sein Fahrgeschäft in Bad Vilbel aufbauen – sofern er bis dahin darf.

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