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    KARLSTADT

    Querleine stört beim Trainieren

    Enthusiastische Schwimmer halten die neue Regelung im Karlstadter Hallenbad für nicht nachvollziehbar. Sie wünschen sich freie Bahn.

    Karlstadter Schwimmer fühlen sich behindert: Seit Beginn der Hallenbadsaison gibt es dort eine Neuregelung: Bei den regulären Badezeiten soll eine Trennleine quer zwischen dem Nichtschwimmer- und dem Schwimmerbereich gespannt werden. Zwar kommt in der Zeit nach 19 Uhr die Leine wieder raus – dann müssen Nichtschwimmer das Bad verlassen –, doch halten eifrige Bahnenschwimmer diese Zeit für zu kurz.

    Sie haben ein Schreiben aufgesetzt, das Thomas Kübert der Redaktion zukommen ließ. Darin heißt es: „In der Pressemitteilung für die Öffnungszeiten des Hallenbades wird die letzte Stunde ab 19 Uhr für die Schwimmer angepriesen. Hier wurde leider nicht berücksichtigt, dass die Besucher des Bades bereits 15 bis 20 Minuten vor Schluss aus dem Becken müssen. Ebenso gibt es Samstag und Sonntag keine Möglichkeit des Bahnenschwimmens.“

    „Kraulen ist seltenst möglich“

    Sie klagen: „Montag bis Mittwoch sind noch zwei Bahnen für Vereine abgetrennt. Hier teilen sich ab 19 Uhr die restlichen zwei Bahnen die Bahnenschwimmer, Wassertreter, Jugendliche, Rentner. Kraulen oder Rückenschwimmen ist seltenst möglich. Vielleicht sollten die Kollegen mal in Lohr vorbeischauen – da läuft es anders. Etliche Stammschwimmer haben sich schon vom Karlstadter Hallenbad verabschiedet und schwimmen regelmäßig in Lohr.“

    Die Verfasser halten es für nicht nachvollziehbar, „wenn das Aufsichtspersonal im Hallenbad mit der Aufsicht eines durchgängigen 25-Meter-Beckens mit vier Bahnen überfordert ist und diese Kollegen im Sommer die Aufsicht im Freibad über ein 50-Meter-Becken mit sieben Bahnen und ein Nichtschwimmerbecken haben.“ Wenn man die Querleine mit den harten Schwimmkugeln übersieht und dagegenstößt, tue das weh. Die Schwimmer schreiben: „In der Umkleidekabine werden die Wunden geleckt, da schon viele am Seil hängen geblieben sind.“

    In der Praxis wird allerdings teilweise auf die Querleine verzichtet, wenn ein Schwimmmeister sieht, dass ohnehin ausschließlich Schwimmer im Bad sind. Wo der Nichtschwimmerbereich aufhört, lässt sich auch ertasten: Nur dort sind Noppen am Boden. Für kleine Kinder eignet sich diese Nichtschwimmerbereich nur bedingt. Die Wassertiefe liegt zwischen 1,25 und 1,35 Meter.

    Von der Versicherung so gewünscht

    Das Hallenbad gehört dem Landkreis. „Wir sind hier nur über einen Personalgestellungsvertrag für die bisher vereinbarten Öffnungszeiten beteiligt“, lässt der Karlstadter Bürgermeister Paul Kruck auf Anfrage wissen.

    Die Pressestelle des Landratsamts weist auf ein Rundschreiben der gesetzlichen Unfallversicherung hin. Demnach „soll“ der Übergang vom Nichtschwimmer- zum Schwimmerbereich durch ein Trennseil deutlich sichtbar gemacht werden. Da es in der Vergangenheit – nicht im Landkreis Main-Spessart – zu Badeunfällen aufgrund einer fehlenden „optischen Abtrennung“ gekommen ist, hat man am Landratsamt entschieden, die Querleine zu nutzen.

    Zur „optischen Abtrennung“ würde sich auch eine Leine eignen, die nicht als Sperre auf dem Wasser schwimmt, sondern so weit über der Wasseroberfläche hängt, dass man problemlos unten durchschwimmen kann. Diese Lösung gab es vor der Sanierung des Hallenbads, also vor mehr als zehn Jahren. Wäre sie erneut möglich? „Die Vorrichtung so anzupassen, dass das Trennseil über der Wasseroberfläche liegt, würde nach Rücksprache mit dem Bäderbauer Kosten in Höhe von rund 10 000 Euro verursachen“, schreibt die Pressestelle des Landratsamts. „Der Landkreis als Betreiber des Bades müsste hierfür aufkommen.“

    Ausweitung der Öffnungszeiten müsste Stadt zahlen

    Ob man zusätzliche Schwimmzeiten einrichten könnte, sei in den letzten Jahren mehrfach geprüft und aus Kostengründen verworfen worden, sagt Kruck. „Eine Ausweitung der Öffnungszeiten ginge in Vollkostenrechnung zu Lasten der Stadt Karlstadt.“ Wie hoch diese genau sind, benennt der Bürgermeister nicht. Doch beschränken sich diese nach Auskunft des Landratsamts auf die reinen Personalkosten des Aufsichtsdiensts.

    Die Pressestelle des Landratsamts erklärt: „Die übrigen Betriebskosten gehen voll zu Lasten des Landkreises. Das Hallenbad Karlstadt ist zunächst ein Schulschwimmbad. Der Landkreis Main-Spessart stellt quasi als freiwillige Leistung das Bad auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das Bad wird defizitär betrieben. Und eine Ausweitung der Öffnungszeiten würde den Zuschussbedarf zum Betrieb des Hallenbades weiter signifikant erhöhen.“

    Familien mit Kindern entgegenkommen

    Außerdem betont die Pressestelle, die Schwimmerzeiten ohne Querleine seien bewusst nur unter der Woche von Montag bis Freitag ab 19 Uhr gewählt worden. Vorher und an den Wochenenden solle Familien mit Kindern der Besuch im Hallenbad Karlstadt gut möglich sein. Heuer wurden an Samstagen und Sonntagen bisher rund 500 Kinder und Jugendliche sowie etwas mehr als 2000 Erwachsene gezählt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 12 500 Badegäste gezählt. Bei 209 Öffnungstagen waren das rund 60 täglich.

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