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    LOHR

    Die Lohrer Gärtnerei Hutzel schließt

    Die Lohrer Gärtnerei Hutzel schließt zum Saisonende. Damit bestätigt Inhaberin und Gärtnermeisterin Katja Harth ein Gerücht, das schon eine Weile in Lohr die Runde macht.

    Die Lohrer Gärtnerei Hutzel schließt nach 167 Jahren. Foto: Björn Kohlhepp

    „Dadurch, dass ich die Arbeit körperlich schon lange nicht mehr hätte machen sollen, gebe ich jetzt kein Geld aus, um noch mal die Heizung zu reparieren.“
    Katja Harth, Gärtnermeisterin

    Die Lohrer Gärtnerei Hutzel in der Wombacher Straße schließt zum Saisonende. Damit bestätigt Inhaberin und Gärtnermeisterin Katja Harth, 46, ein Gerücht, das schon eine Weile in Lohr die Runde macht. Erhalten bleiben soll jedoch die Blumenhalle Hutzel in der Lohrer Hauptstraße, die von ihrem Cousin Joachim Hutzel, 51, einem gelernten Floristen, geführt wird.

    „Es läuft sehr gut eigentlich“, sagt Hutzel. „Es ist schade.“ Die Gärtnerei habe keine wirtschaftlichen Probleme. Hauptgrund für den Verkauf seien die kaputte Heizung einerseits und gesundheitliche Probleme bei Katja Harth andererseits. „Dadurch dass ich die Arbeit körperlich schon lange nicht mehr hätte machen sollen“, sagt Harth, „gebe ich jetzt kein Geld aus, um noch mal die Heizung zu reparieren.“ Ihr Herz hänge sehr am Betrieb, aber es gehe einfach nicht mehr.

    Ein Hektar großes Grundstück wird verkauft

    Das einen Hektar große Grundstück der Gärtnerei, zur Hälfte bebaut mit Gewächshäusern, soll verkauft werden. Wohnhäuser werden dort allerdings nicht entstehen, da die Wombacher Straße als Gewerbegebiet ausgewiesen ist.

    Der Kauf einer 200 bis 500 000 Euro teuren neuen Heizung rentiere sich nicht mehr, sagt Joachim Hutzel. Bis sich die nötige Investition bezahlt machen würde, wäre er ein alter Mann. „Und wenn ich die Heizung wieder fit machen würde, dann hätte ich immer noch keine moderne Gärtnerei“, so Hutzel. Die Gewächshäuser, das jüngste 20 Jahre alt, seien nicht mehr auf dem allerneuesten Stand. Die Gewächshäuser haben laut Hutzel, anders als heute üblich, noch kein Isolierglas, hätten „zu viele Schwachstellen“.

    Für eine moderne Gärtnerei müsste alles abgerissen und neu gebaut werden, damit ein „rationeller Arbeitsablauf“ möglich wäre. Das wäre eine Investition in Millionenhöhe. Eine moderne Gärtnerei habe heute Tische mit einer Länge von zehn, zwanzig Metern, wo mit Gabelstaplern oder Förderbändern gearbeitet wird. „Wir nehmen jede Pflanze einzeln, stellen sie in ein Tablett, fahren sie auf einem Wagen und nehmen sie wieder raus.“

    Hutzel und Harth teilten sich die Arbeit

    Als die Gewächshäuser gebaut wurden, habe man noch viel Mischkulturen gehabt, heute hätten Gärtnereien oft Monokulturen. Die Gärtnerei Hutzel hat laut Katja Harth rund 60 Pflanzenarten in rund 200 Sorten.

    Bisher war die Arbeitsteilung so, dass Harth in der Gärtnerei die Pflanzen produzierte, die ihr Cousin in der Blumenhalle verkauft. Vor 13 Jahren, erklärt Harth, habe sie aus gesundheitlichen Gründen zur Entlastung den Verkauf an Joachim Hutzel verpachtet. Eigentlich habe sie damals schon aufhören wollen, sagt Hutzel, er habe sie aber überreden können, weiterzumachen. Jetzt tun ihr die Knochen und Gelenke durch die körperliche Arbeit aber wieder so weh, dass sie als Gärtnerin nicht mehr weitermachen könne, erklärt Katja Harth.

    Gärtnermeisterin Harth sucht etwas Neues

    Katja Harth würde jetzt gerne etwas mit Menschen und Service machen. In der Blumenhalle werde sie nicht anfangen. „Floristik und Gärtnerei sind zwei paar Stiefel.“ Mit Schnittblumen habe sie nichts zu tun.

    Zugeliefert wurde für die Blumenhalle bisher schon von zwei Großgärtnern, die aushalfen, wenn die Gärtnerei etwas nicht hatte. Schnittblumen kommen aus Holland. Künftig kommen die in der Blumenhalle verkauften Pflanzen dann komplett von anderen Gärtnereien. „Die Versorgung ist gesichert“, sagt Harth. Nur könne jetzt nicht mehr innerhalb von 15 Minuten eine frische Blume aus der eigenen Gärtnerei besorgt werden.

    Seit 167 Jahren in Familienbesitz.

    Die Gärtnerei Hutzel wurde 1850 von Jakob Hutzel gegründet und ist seitdem in Familienbesitz. Den Standort an der Wombacher Straße hat sie seit 1936. Durch die Schließung wird ein Gärtner seine Stelle verlieren. Der brauche jedoch laut Harth nicht den Kopf in den Sand zu stecken, da überall Gärtner gesucht würden – nur eben in Lohr nicht.

    Wenn die Jahresproduktion ausverkauft ist, ist Schluss, sagt Harth. Wann das genau ist, könne man nicht genau sagen. Das könne schon Anfang Juni sein, wenn das Wetter gut ist, oder auch erst Anfang Juli.

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