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    Mosandl: Nationalpark würde Spessarteiche zurückdrängen

    Zwei Forstwissenschaftler, zwei Aussagen: Ganz anders als Prof. Dr. Jörg Müller bewertet Prof. Dr. Reinhard Mosandl die Zukunft der Eiche in einem möglichen Nationalpark.

    Prof. Dr. Reinhard Mosandl prognostiziert einen deutlichen Rückgang der Eichen für den Fall, dass der Spessart Nationalp... Foto: Björn Kohlhepp

    Der Spessart und die Eiche – über dieses Thema wird seit Wochen im Zuge der Diskussion um einen möglichen Nationalpark im Spessart so intensiv debattiert wie vermutlich noch nie in der jahrhundertelangen Geschichte der Spessarteichen. Am Freitagabend verfolgten rund 400 Besucher in der Festhalle von Altenbuch den nächsten Beitrag. Den Abend organisiert hatte der Spessartbund. 

    Der Forstwissenschaftler Prof. Dr. Reinhard Mosandl stellte dort seine Prognose zur Zukunft der Spessarteiche in einem möglichen Nationalpark vor.

    Natürlicher Anteil der Eiche in Buchenurwald zwischen zwei und fünf Prozent

    Seine Aussage im Kern: Da in einem Nationalpark die Unterstützung der Eiche durch forstliche Eingriffe entfallen würde, hätte der Charakterbaum des Spessarts auf lange Sicht keine Chance gegen die deutlich wuchskräftigere Buche. Der Anteil der Eiche am Waldbestand würde von aktuell rund 25 Prozent über die Jahrhunderte auf zwei bis fünf Prozent zurückgehen, sagte Mosandl mit Verweis auf vergleichbare Buchenurwälder.

    Mosandl widersprach damit der vor wenigen Wochen vom Umweltministerium präsentierten Expertise von Prof. Dr. Jörg Müller, ebenfalls Forstwissenschaftler. Dieser geht nicht zuletzt aufgrund des bevorstehenden Klimawandels davon aus, dass die Eiche in einem Nationalpark keineswegs den vielfach prognostizierten Schwund erleben würde.

    Mosandl sagte in Altenbuch über Müllers Gutachten, dass dieses „schon ein bisschen den Fakten widerspricht“. Der hohe Eichenanteil im Spessart sei ausschließlich menschengemacht. 25 Förstergenerationen seien „ständig hinterhergewesen“, um die Eiche gegen die Buche zu verteidigen. Jeder Quadratmeter im Spessart sei „mit der Säge bearbeitet“. Die Vorstellung, dass in einem Nationalpark im Spessart die Eiche auf Dauer erhalten bliebe, komme der Quadratur des Kreises gleich, so Mosandl.

    Zunächst würde Nationalpark Anstieg der alten Eichen bewirken

    Allerdings macht der Wissenschaftler in seinem im Auftrag des Forstministeriums erstellten Gutachten auch deutlich, dass für die ersten Jahrzehnte nach der Ausweisung eines Nationalparks im Spessart zunächst mit einer deutlichen Zunahme an alten Eichen zu rechnen sein würde, da diese nicht mehr gefällt würden. Da die Eiche vielen Arten Lebensraum biete, werde die Artenvielfalt in dieser Zeit deutlich steigen – allerdings nur auf Zeit. Sobald die Alteichen zerfielen, sei es weitgehend vorbei mit der an sie gebundenen Artenvielfalt, so Mosandl. Dann werde das Spektrum der an Buchen gebunden Arten an Bedeutung gewinnen.

    Klimawandel ohne großen Effekt

    Mosandl glaubt nicht daran, dass der Klimawandel – wie von Müller prognostiziert – die Eiche stark begünstigen könnte. Der atlantisch geprägte Spessart werde eines der vom Klimawandel am wenigsten betroffenen Gebiete sein.

    Allerdings machte Mosandl auch deutlich, dass der Rückgang der Eiche nur die gut 10 000 Hektar große Fläche des Nationalparks betreffen würde, da außerhalb auf den verbleibenden fast 100 000 Hektar Waldfläche des Spessarts wie bisher gewirtschaftet werden könne. Die Eiche würde im Falle eines Nationaloparks im Spessart nicht ausgerottet, relativierte der Professor eine in den vergangenen Wochen vom Forstmann und ehemaligen Staatsminister Eberhard Sinner geäußerte Aussage, wonach ein Nationalpark ein Ausrottungsprogramm für die Spessarteiche wäre.

    Mosandl erklärte in Altenbuch, dass der Spessartwald die Voraussetzungen für einen Nationalpark erfülle und ein solcher generell ein „Erfolgsmodell“ sei. Allerdings wäre dieser seinen Worten zufolge gerade im Spessart das falsche Mittel. Mit einem Biosphärenreservat, das menschliche Eingriffe vorsehe, sei der Erhalt der Spessarteichen hingegen zu erreichen.

    Muss ein Nationalpark unbedingt 10.000 Hektar groß sein?

    Mosandl warf auch die fachliche Frage auf, ob ein Nationalpark tatsächlich mindestens 10 000 Hektar groß sein müsse. In anderen Bundesländern gebe es diese Vorgabe nicht. Der Buchennationalpark Kellerwald beispielsweise sei nur 5000 Hektar groß.

    In der Diskussion machten verschiedene Redner mit unterschiedlichen Argumentationen ihre Ablehnung eines Nationalparks deutlich. Kritik wurde dabei an der aktuellen Waldbewirtschaftung laut. „Es sieht im Wald oft wie auf dem Truppenübungsplatz aus“, beschrieb einer die Folgen des Einsatzes großer Maschinen. Im Großprivatwald gebe es Kahlschläge, auch im Staatswald werde die Douglasie großflächig gepflanzt. „Da läuft einiges falsch, es muss sich was ändern“, so ein kräftig beklatschter Redebeitrag.

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