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    GEMÜNDEN

    Urteil nach Barschlägerei: Angeklagter muss 1000 Euro zahlen

    Einen Barkeeper hat er mit einem Glas verletzt und später auf der Straße noch weitere Menschen angegriffen - nun wurde ein 42-Jähriger für diese Taten verurteilt.

    Ein 42-Jähriger wurde am Amtsgericht Gemünden wegen gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt. Zunächst hatte er in einer Bar den Barkeeper mit einem Glas verletzt und später auf der Straße noch weitere Menschen angegriffen. Schließlich landete er selber im Krankenhaus.

    Angeklagter verletzte Barkeeper mit Glas am Hals

    Der Einzelhandelskaufmann aus Würzburg muss nun 1000 Euro Bewährungsauflage innerhalb von 20 Monaten an die Caritas Main-Spessart bezahlen, ansonsten muss er für ein Jahr ins Gefängnis. Die Bewährungszeit ist mit vier Jahren, davon zwei mit Bewährungshelfer, ungewöhnlich lang.

    An die konkrete Tat konnte sich der geschiedene Mann, der zunächst seinen Verteidiger sprechen ließ, nicht mehr erinnern. Vor Gericht ließ er seinen Anwalt eine Erklärung vortragen. Er sei im November 2016 von einer Geburtstagsfeier gekommen und hätte dort schon recht viel Alkohol getrunken. Dann sei er noch mit seiner Freundin in eine Bar gegangen, wo sie weiter tranken. Irgendwann seien drei Männer zu ihm gekommen, einer habe etwas wie „cooler Bart“ gesagt und auch daran gezupft.

    Damit kam es dann zu einer Schlägerei. Nach anfänglichen Drohungen und Handgreiflichkeiten, hob der Angeklagte sein Weizenglas, als wolle er zu einem Schlag ausholen. Das war laut den Zeugenaussagen der Moment als der Barkeeper dazwischenging. Der 42-jährige wollte dann sein Bier dem anderen ins Gesicht schütten, traf den Barkeeper am Kopf und das Glas zerbrach. Daraufhin habe er mit dem scharfkantigen Glasstumpf zugeschlagen, wodurch der Streitschlichter eine Schnittwunde am Hals erlitt, die genäht werden musste. Als der Barkeeper davon laufen wollte, riss ihn der Täter noch zu Boden.

    Auf der Straße kam es erneut zu einer Schlägerei

    Die anderen drei Bargäste, die als Zeugen bei der Gerichtsverhandlung waren, seien damals wie der Angeklagte mehr oder weniger betrunken gewesen, vom Personal hatte den Vorfall selbst nur der Barkeeper vollständig mitbekommen. Die Bedienung erinnerte sich aber noch, dass die Freundin des Angeklagten nicht minder aggressiv auftrat, sie mit einer Sektflasche bedrohte und etwas wie „mit uns legt man sich nicht an“ sagte, ehe das Paar die Bar verließ ohne die Getränke zu bezahlen.

    Draußen trafen sie auf der Hauptstraße erneut auf drei Männer. Der Angeschuldigte griff zwei von ihnen an. Im weiteren Verlauf ging er selbst zu Boden und drei (laut Zeugenaussagen unbekannte Männer) traten auf ihn ein. Nun half ihm ein Gast eines anderen Lokals, dem die Freundin um Hilfe rufend entgegen kam. Dieser erinnerte sich, dass der 42-Jährige bewusstlos war. Zudem traf die Polizei ein, die der Barkeeper längst gerufen hatte.

    Dem 42-Jährigen tat die Sache unendlich leid. „Ohne Alkohol wäre das nicht passiert“ sagte er mehrfach zu den Zeugen. Der Angeklagte ist mehrfach vorbestraft und hat schon Entwöhnungstherapien von Alkohol und Drogen hinter sich. Außerdem sei er auch wegen ADS in Behandlung.

    Verteidiger stellte Schlag mit zersplittertem Glas in Frage

    Die Staatsanwältin machte in ihrem Plädoyer deutlich, dass das Glas als gefährliche Waffe anzusehen ist. Zudem habe der Angeklagte draußen auf der Straße noch mal nachgetreten. Sie beantragte eine Gesamtstrafe von 18 Monaten, der Vollzug könne mit fünf Jahren Bewährungszeit und 1000 Euro oder 100 gemeinnützigen Arbeitsstunden ausgesetzt werden.

    Der Verteidiger stellte in Frage, ob es überhaupt einen Schlag mit dem zersplitterten Glas gab, den habe nämlich niemand gesehen. Auch sei sein Mandant ursprünglich nicht aggressiv gewesen, sondern habe noch einen Bekannten nach Hause gebracht, als dieser Streit anfangen wollte. Er beantragte letztlich sieben Monate Gesamtstrafe mit 700 Euro Geldauflage und weniger als fünf Jahren Bewährungszeit.

    Richterin Karin Offermann folgte seiner Argumentation nicht. Sie verschob den Strafrahmen aber noch, weil die letzte verurteilte Tat schon acht Jahre zurück liegt. In der Begründung machte sie aber auch deutlich, dass es nur Glück war, dass nichts Schlimmeres passiert sei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil sich die Staatsanwaltschaft die Zustimmung vorbehält.

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