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    LOHR

    Notunterkunft: Unwürdig oder doch zumutbar?

    Ist es ein menschenunwürdiges Quartier? Oder eine vorübergehende Notunterkunft, in der man mit der von der Stadt angebotenen Unterstützung einen gewissen Zeitraum der wohnungstechnischen Not zumutbar überbrücken kann? Diese Frage taucht zum Lohrer Südbahnhof, der städtischen Obdachlosenunterkunft in der Rodenbacher Straße, immer wieder auf. Und immer wieder gehen die Meinungen auseinander.

    Kein Sterne-Hotel: Die Obdachlosenunterkunft der Stadt Lohr. Foto: ArchivUngemach

    Ist es ein menschenunwürdiges Quartier? Oder eine vorübergehende Notunterkunft, in der man mit der von der Stadt angebotenen Unterstützung einen gewissen Zeitraum der wohnungstechnischen Not zumutbar überbrücken kann? Diese Frage taucht zum Lohrer Südbahnhof, der städtischen Obdachlosenunterkunft in der Rodenbacher Straße, immer wieder auf. Und immer wieder gehen die Meinungen auseinander.

    Jetzt ist es der Lohrer Johann Schwind, der den aktuellen Fall eines in der vergangenen Woche in der Notunterkunft untergekommenen Mannes zum Anlass nimmt, um dringend Verbesserungen in dem Quartier zu fordern. Der dem Mann zugewiesene Raum sei „total vermüllt“ gewesen, so Schwind. Es gebe darin weder Heizung, noch Ofen oder warmes Wasser. Die Zustände seien „nicht nur menschenunwürdig, sondern verboten“.

    Menschenwürde schützen

    Es handle sich um einen „Skandal und eine Rücksichtslosigkeit sondergleichen“, schreibt der Lohrer in einem mehrseitigen Brief, den er eigenen Angaben zufolge an die Stadt ebenso wie an Polizei, Landratsamt, Regierung und Sozialministerium geschickt hat. Darin heißt es, dass die Zustände im Südbahnhof schon lange bekannt seien und auch von einem Richter des Amtsgerichtes Gemünden angeprangert worden seien. Die Notunterkunft müsse „den Mindestanforderungen einer menschenwürdigen Unterbringung genügen“, so Schwind. Wenn dies nicht geschehe, zeige die Stadt „menschliche Kälte gegenüber Pflichtbefohlenen“.

    Das sieht Dieter Daus, Pressesprecher der Stadt anders. Seinen Worten zufolge geht die Stadt denjenigen, die im Südbahnhof vorübergehende Bleibe finden, „mit Rat und Tat zur Hand“. Die Zimmer seien deshalb nicht mit Öfen ausgestattet, weil es immer wieder vorkomme, dass Menschen mit ihrem gesamten Hausstand dort unterkämen und Öfen mitbrächten.

    Hilfe zur Selbsthilfe

    Denjenigen, die keine Öfen hätten, sei man bei der Suche danach behilflich. Wenn diese erfolglos bleibe, lagerten im Bauhof einige Öfen, die zur Verfügung gestellt würden, so Daus.

    Er spricht davon, dass der Südbahnhof stets nur als vorübergehendes Quartier zu sehen sei. Von den Bewohnern sei auch ein gewisses Maß an Eigeninitiative gefragt, so Daus. Die Stadt leiste dabei Hilfe zur Selbsthilfe. „Es hat schon immer geklappt“, sagt Daus mit Blick auf das Beheizen der Räume. Unzutreffend ist seinen Worten zufolge die Aussage Schwinds, wonach es im Südbahnhof kein warmes Wasser gebe. Es gebe Gemeinschaftsbäder, in denen das Wasser elektrisch beheizt werde. Auch sei das betreffende Zimmer nicht vermüllt gewesen, sondern besenrein übergeben worden.

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