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    LANGENPROZELTEN

    Irres Amüsement in der „Pension Schöller“

    Mit der neuen Produktion in der Spessartgrotte hat Intendantin Helga Hartmann einen Klassiker besonderer Güte auf die Bühne gebracht: den Schwank „Pension Schöller“.

    Eine Party wie im Irrenhaus: Die Premiere des frischen Schwanks „Pension Schöller“ in der Spessartgrotte war ungeheuer l... Foto: Kleibömer

    Mit der neuen Produktion in der Spessartgrotte hat Intendantin Helga Hartmann einmal mehr einen Klassiker besonderer Güte auf die Bühne gebracht: Der Schwank „Pension Schöller“ von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby aus dem Jahr 1890 ist kein bisschen verstaubt, sondern frisch, frech und ungeheuer lustig. „Selten so gelacht“, war dann auch das Urteil des Publikums, das von Beginn an seinen Spaß an den „Typen“ hatte, die dieses Stück tragen.

    Damals gab es noch zackig salutierende Militärs (Nils Harbusch), aufdringliche Weltreisende und Löwenjäger (Mark Schuschnig), die gestenreich von ihren Abenteuern erzählen, und reiche Gutsbesitzer wie Philip Klapproth (Michel Schäfer) aus der hintersten Provinz, die mehrmals im Jahr ins sündige Berlin reisten, um sich von der Tristesse ihres arbeitsreichen bäuerlichen Lebens erholen zu können. Ältere Schwestern (Katja Hufgart) müssen den Haushalt schmeißen oder gefälligst heiraten, weibliche Berufstätige stehen nicht hoch im Ansehen, und ständig plappernde Schriftstellerinnen (Astrid Haas) haben Narrenfreiheit, wenn sie wildfremden Menschen Fragen bis hin zum Intimleben stellen.

    Früher war das alles ganz normal, also nicht spannend genug, um am Stammtisch damit zu prahlen. Der mittellose Neffe Alfred des Gutsherrn Klapproth (Christopher Schlett) ist zwar schüchtern aber nicht dumm: Er lockt seinen Onkel mit einem Plan, der Einrichtung einer Heilanstalt für Geisteskranke auf dem Gutsgelände, richtig Geld aus der Tasche. Zunächst möchte der Onkel aber einmal „richtig Verrückte“ erleben.

    In der angesehenen Berliner Pension Schöller findet monatlich eine Party statt, zu der die oben Genannten eingeladen sind. Alfred nimmt Onkelchen mit, der aber das Wort „verrückt“ nicht aussprechen darf, obwohl eigentlich alle für ihn eben das sind. Inhaber Schöller (Theo Gündling) und Tochter Franziska (Astrid Andresen), die als Kellnerin den Laden schmeißt, sowie Eugen (Paul Seeger), Mündel und angehender Schauspieler mit einem herrlichen Sprachfehler, alle verhalten sich „normal“, aber das reicht, um den Gutsherrn zu begeistern.

    Herrliche Situationskomik ergibt sich, die Pointen fliegen nur so durch den Raum. Die sind absolut jugendfrei und niemand vermisst die aktuelle Technik – das Normale kann wirklich ganz schön verrückt sein. Langanhaltender Applaus für die flotte Inszenierung und die überzeugenden Leistungen. Die nächsten Aufführungen: 17., 26. und 31. Dezember und 5., 14. und 20. Januar.

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