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    KARLSTADT

    Dank „Hippy“ fit für die Schule

    Das Kinder-Eltern-Lernprogramm wird in diesem Jahr erstmals in den Kindergärten angeboten. 40 deutsche, türkische und syrische Familien nehmen daran teil – Rekord.

    „Es hat sich gezeigt, dass Hippy-Kinder in der Schule besser zurechtkommen“, sagt Sakine Azodanlou, Stadtjugendpflege-Leiterin und Integrationsbeauftragte der Stadt Karlstadt. Damit meint sie keine langhaarigen, jugendlichen Hendrix-Fans, sondern Schulanfänger, die zuvor am zweijährigen Eltern-Kind-Lernprogramm teilgenommen haben. Seit 2010 bietet die Stadt das für Kinder mit Migrationshintergrund entwickelte Vorschulprogramm „Hippy“ an – bisher war es mit Hausbesuchen verbunden, in diesem Jahr kooperieren erstmals alle Karlstädter Kindergärten. 40 Kinder und jeweils ein Elternteil – mindestens ein Viertel davon gebürtige Deutsche – lernen heuer mit den Hippy-Materialien – Rekord.

    15 Minuten täglich

    „Hippy“ wurde an der Universität Jerusalem entwickelt und kam 1991 nach Deutschland, um Aussiedlerkindern aus Russland die Integration zu erleichtern. „Mit Singen, Basteln und Bewegen verbessern die Kinder auf spielerische Art und Weise ihren Wortschatz, die Motorik und ihre Fähigkeit zum logischen Denken“, erklärt Sakine Azodanlou. „Außerdem wird ihre Kreativität gefördert.“ Das Besondere an Hippy ist, dass die Kinder mit ihren Eltern lernen, am besten etwa 15 Minuten täglich.

    Nur einmal pro Woche kommen das Kind und ein Elternteil, in den meisten Fällen ist es die Mutter, mit den Elterntrainerinnen der Integrationsfachstelle zusammen. Arzu Gümüshan trifft die deutschen und türkischen Familien, Rafah Wassouf kümmert sich um syrische Familien. Diese wöchentlichen Treffen finden nun nicht mehr bei den Familien zuhause statt, sondern in den Kindergärten.

    Kindergärten gern dabei

    „Manche Kinder konnten nicht bei Hippy mitmachen, weil die Eltern keine Hausbesuche wollten – oder sie in den Gemeinschaftsunterkünften der Flüchtlinge schwierig sind“, erklärt Azodanlou. „Die Kindergärten waren der Idee gegenüber sehr aufgeschlossen. Auch für sie ist es nun leichter, mit den Eltern in Kontakt zu kommen.“ Also treffen Arzu Gümüshan und Rafah Wassouf Eltern und Kinder beim Bringen oder Abholen in den Kindergarten in den dortigen Räumlichkeiten. In der Regel wird dann eine Mutter mit Kind angeleitet, manche Mütter bevorzugen kleine Gruppen. Die Elterntrainer sind flexibel.

    „Bei diesen Treffen liest die Mutter die Geschichte im Hippy-Buch vor, anschließend besprechen wir die Aufgaben im Arbeitsheft“, erklärt Arzu Gümüshan. Bei den Aufgaben zuhause gibt es dann oft etwas auszumalen, zu basteln oder zu singen. Auch geometrische Formen (Dreiecke, Kreise, Sterne, Quadrate und Rechtecke) in verschiedenen Farben sowie Stifte und ein Mäppchen gehören zur Hippy-Ausstattung. Das macht den deutschen Kindern ebenso viel Spaß wie Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund.

    Auch die Eltern lernen

    Weil die syrischen Mütter oft nicht gut genug Deutsch sprechen, hilft Rafah Wassouf ihnen besonders intensiv. „Manchmal lernen die Eltern aus den Hippy-Büchern, was ich ihnen in den Sprachkursen beibringen will“, sagt Sakine Azodanlou lachend.

    Grundschullehrer erklären, dass Kinder, die zuvor knapp zwei Jahre lang an „Hippy“ teilgenommen haben, sich besser konzentrieren können und keine Scheu vor Arbeitsblättern haben, so Azodanlou. Für die Familien kostet die Teilnahme am Lernprogramm fünf Euro pro Monat. Die Stadt Karlstadt zahlt Lizenzgebühren für Hippy an die Bremer Stiftung „Impuls Deutschland e.V.“ und übernimmt die weiteren Kosten für Personal und Materialien. „Ich finde es toll, dass die Stadt das für die Bildung der Kinder leistet“, sagt Azodanlou.

    Pilotprojekt

    Verantwortliche aus Würzburg und anderen Städten habe sie schon über „Hippy“ informiert. Aber in größeren Städten sei viel Personal für die Hausbesuche nötig. „Soweit ich weiß, ist unser Weg über die Kindergärten ein Novum. Wir mussten dafür mit Impuls Rücksprache halten“, erklärt Azodanlou.

    Beim Einführungsgespräch am Donnerstag im evangelischen Kindergarten St. Johannis hatten die Kinder keine Scheu. Gemeinsam blätterten Valerie, Tuana und Malek im Hippy-Buch und lachten über den kleinen Bären. Philipp, Janina und Mour spielten mit den bunten Geo-Formen. Sie werden bis zum Schuleintritt nun viel lachen und lernen.

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