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    LOHR

    Coro piccolo wagt sich an ein Kernwerk

    Eines der Kernwerke der evangelischen Kirchenmusik wird anlässlich des Reformationsjubiläums am Sonntag, 26. März um 17 Uhr in der Lohrer Auferstehungskirche erklingen: die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz.

    Musikalische Exequien: Unter Leitung von Dekanatskantor Mark Genzel ist eines der Kernwerke der evangelischen Kirchenmus... Foto: Martina Imhof

    Eines der Kernwerke der evangelischen Kirchenmusik wird anlässlich des Reformationsjubiläums am Sonntag, 26. März um 17 Uhr in der Lohrer Auferstehungskirche erklingen: die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz.

    Ausführende sind der eigens für dieses Konzert gegründete „Coro piccolo“ der evangelischen Kirchengemeinde sowie die Solisten Carla-Antonia Trescher und Friederike Knauth (Sopran), Oliver Kringel (Tenor), Merlin Wagner und Elias Wolf (Bariton), Jakob Mack (Bass).

    Begleitet werden sie von Christian Reif an der Orgel sowie von Achim Weigel (Violone). Ergänzt wird das Programm durch das geistliche Konzert „Eile, mich Gott zu erretten“ von Heinrich Schütz, die Motette „Jesu, meine Freude“ von Johann Michael Bach und durch Orgelmusik von Michael Praetorius und Nicolaus Bruhns.

    „Das Reformationsjubiläumsjahr möchten wir zum Anlaß nehmen, um zu zeigen, wie die reformatorische Theologie unmittelbar in das Leben der Menschen hineinwirkte: Es war nun möglich, in Frieden zu sterben – ohne Angst vor ewiger Verdammnis“, erläutert Mark Genzel, Dekanatskantor und Leiter der Veranstaltung, seine Idee zu diesem Konzert. „Heinrich Schütz hat diese Entdeckung Luthers auf bewegende Weise zum Klingen gebracht und erlebbar gemacht.“

    Schütz, einer der bedeutendsten Komponisten der Epoche vor Johann Sebastian Bach, erhielt seine musikalische Ausbildung bei dem großen Andrea Gabrieli in Venedig. Die Berührung mit den neuesten musikalischen Strömungen der damaligen Zeit versetzte ihn in die Lage, für die sich rasch entwickelnde evangelische Kirchenmusik neue Formen und Ausdrucksmittel zu entwickeln.

    Die „Musikalischen Exequien“ komponierte er 1635 anlässlich des Todes seines Landesherren Fürst Heinrich Posthumus Reuß. Der Fürst stellte noch zu Lebzeiten eine Sammlung von Bibelversen und Liedtexten zusammen, mit denen sein Sarg beschriftet werden sollte. Diese Textsammlung wurde zur Vorlage des Komponisten: die daraus entstandene Komposition erklang bei der Trauerfeier für den Verstorbenen.

    In deutscher statt lateinischer Sprache schuf Schütz mit dieser Auftragskomposition das erste deutsche Requiem – und zugleich eine der kunstvollsten und innigsten Trauerkompositionen der Musikgeschichte.

    „Das Thema Tod und Vergänglichkeit wird hier jedoch nicht mit düsterer Trauermusik, sondern auf tröstliche, hoffnungsspendende Weise dargestellt“, erklärt Genzel die Exequien. Der Kantor zieht damit einen Bogen zu Martin Luthers Thesen: Der Tod ist Teil der Realität, doch mit seiner Lehre nahm Luther dem Tod den Schrecken, die Angst vor Fegefeuer und Hölle – und ermutigte zum Leben.

    Seit Januar 2017 probt Genzel mit dem neu gegründeten Coro piccolo für dieses Konzert – eine „im Hinblick auf den Ausdruck und das Zusammenspiel der Sängerinnen und Sänger durchaus eine musikalische Herausforderung.“ Trotz ihrer Besonderheit werden die Musikalischen Exequien wenig aufgeführt, so dass mit diesem Konzert in der Auferstehungskirche eine der raren Gelegenheiten besteht, dieses Werk zu hören.

    Karten gibt es im Evangelischen Pfarramt Lohr und an der Abendkasse, für 12 Euro, 9 Euro (ermäßigt) und 24 Euro (Familien).

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