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    LOHR

    Braucht Lohr mehr billigen Wohnraum?

    Sollte die Baugenossenschaft neben der Modernisierung ihres Gebäudebestandes auch in neue Wohnanlagen investieren? Dazu gingen im Stadtrat die Meinungen auseinander.

    In den vergangenen Jahren hat die Lohrer Baugenossenschaft Millionen in die Modernisierung ihres Gebäudebestandes (wie h... Foto: Ungemach

    Sollte die Lohrer Baugenossenschaft nicht nur in die Modernisierung ihres beachtlichen Gebäudebestandes investieren, sondern auch in den Bau neuer Wohnanlagen? Diese Frage diskutierte der Lohrer Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung, ohne dabei am Ende zu einem konkreten Ergebnis zu kommen.

    „Wir bemühen uns stark“, erklärte Bürgermeister Mario Paul, der gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrates der Baugenossenschaft ist. Doch trotz der derzeit niedrigen Zinsen und dem Auskommen mit geringen Gewinnmargen sei der Bau neuer Wohnkomplexe kein einfaches Unterfangen.

    Stadt hält Anteile von 60 Prozent an Baugenossenschaft

    Auslöser der Diskussion war der vom Stadtkämmerer Uwe Arnold turnusmäßig abgegebene Bericht zur Beteiligung der Stadt an der Baugenossenschaft. Die Stadt hält 60 Prozent an der Institution, die 1948 mit dem Ziel gegründet worden war, kostengünstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

    Die nackten Zahlen belegen, dass dies gelungen ist. 62 Mietshäuser mit insgesamt 396 Wohnungen unterschiedlichster Größe besitzt die Baugenossenschaft, vor allem in der Weisenau und im Stadtteil Lindig. Hinzu kommen 66 Garagen und 120 Stellplätze.

    Deutlich unterdurchschnittliche Mietpreise

    Insgesamt bietet die Baugenossenschaft 24 000 Quadratmeter an Wohnraum – zu deutlich unterdurchschnittlichen Preisen. Der größte Teil der Wohnungen wird laut Arnold zu Quadratmeterpreisen zwischen vier und fünf Euro vermietet. Kein Wunder also, dass es keine Leerstände, sondern eine Warteliste gibt.

    Dies ließ Eric Schürr (Bürgerverein) fordern, dass die Baugenossenschaft doch weiteren Wohnraum schaffen möge, nicht zuletzt wegen des Bedarfs für anerkannte Flüchtlinge. Man müsse die derzeit niedrigen Zinsen ausnutzen, um zu investieren. In der Lindig-Siedlung sei durchaus noch Platz für Neubauten, so Schürr.

    Herr fordert Beginn des ersten Neubauprojektes noch in diesem Jahr

    Auch Ernst Herr (CSU) forderte, dass die Stadt in diese Richtung ihren Einfluss bei der Baugenossenschaft geltend machen müsse. der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum sein eindeutig vorhanden. Viele Menschen wollten in Lohr wohnen, fänden jedoch keine passenden Wohnungen. Die Stadt müsse als Mitbesitzer der Baugenossenschaft, „noch in diesem Jahr das erste Neubauprojekt auf den Weg bringen“, so Herr.

    „Und wer bezahlt's“, fragte seine Fraktionskollegin Brigitte Kuhn. Christine Kohnle-Weis (SPD) erinnerte daran, dass die Stadt zwar die Mehrheit der Anteile an der Baugenossenschaft halte, jedoch wie alle anderen bei Entscheidungen nur eine Stimme habe.

    Arnold: Neubauten nicht vor Abschluss der Sanierungen

    Kämmerer Arnold, der auch im Vorstand der Genossenschaft sitzt, verwies darauf, dass man zuletzt massiv in die Modernisierung der Bestandsgebäude investiert habe, allein im Jahr 2017 im Umfang von 1,8 Millionen.

    Seiner Ansicht nach könnte man es den Mietern der noch nicht renovierten Wohnungen nur schwer vermitteln, wenn man nun mit die Sanierung weiterer Gebäude aussetzen und stattdessen Neubauten beginnen würde, so Arnold. beides gleichzeitig sei finanziell nicht zu stemmen. Gleichwohl behalte man auch das Thema Neubauten im Kopf.

    Für das Jahr 2016 wies die Baugenossenschaft eine Bilanzsumme von 10,9 Millionen Euro auf. Dass das Erzielen eines möglichst hohen Überschusses nicht ihr Ziel ist, verdeutlich angesichts dieser Summe der Bilanzgewinn von 47 000 Euro. Davon gingen 28 000 Euro an den größten Anteilsinhaber, die Stadt Lohr.

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