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    LOHR

    Leserforum: Ein Trojanisches Pferd

    Zum Artikel „Naturschutzgebiet statt Nationalpark“, der sich mit dem Alternativ-Vorschlag des Landtagsabgeordneten Thorsten Schwab zum Nationalpark befasste.

    Zum Artikel „Naturschutzgebiet statt Nationalpark“, der sich mit dem Alternativ-Vorschlag des Landtagsabgeordneten Thorsten Schwab zum Nationalpark befasste.

    Thorsten Schwab, der – was leider in Ihrem Bericht unerwähnt bleibt – auch noch Mitglied der Gegner des Nationalparks „Wir im Spessart“ ist, will mit seinem Vorschlag suggerieren, es handele sich um einen Kompromiss, um einen Mittelweg, den er gefunden habe.

    In Anbetracht des Wäldchens, was durch den Vorschlag auf der Landkarte noch übrig bliebe, muss dies in den Augen eines jeden, der nicht nach kurzfristigen Vorteilen schielt sondern sich auch Gedanken macht um die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen, wie Spott und Hohn vorkommen.

    Ein Naturschutzgebiet, das etwa noch ein Zehntel des geplanten Nationalparks ausmacht, also nur noch circa ein Hundertstel der Spessartfläche, noch dazu mit Gastronomie und Event-Charakter – also eher ein Vergnügungspark als eine Ruhezone für Flora und Fauna – soll nun die Lösung darstellen? Das kann nicht ernst gemeint sein, oder?

    Hat Schwab eigentlich mal Sondierungsgespräche geführt mit den Nationalpark-Befürwortern? Hat er mit ihnen auch jemals ausgelotet, was mit ihnen machbar wäre und was nicht? Aus gut unterrichteten Kreisen habe ich erfahren, dass dies nicht geschehen ist. Kompromisse, entstehen dann, wenn man beide Seiten sich anhört und am Ende einen Vorschlag präsentiert, in dem die Hauptargumente beider Seiten sich erkennbar niederschlagen.

    An jemanden, der von vornherein einer Interessengruppe angehört, hege ich dagegen prinzipiell zumindest erhebliche Zweifel, ob diese Person überhaupt in der Lage ist, faire Lösungsvorschläge zu erarbeiten – und besagter Vorschlag des Herrn Schwab beweist zu genüge, dass meine Zweifel berechtigt sind.

    Wirft man zudem einen Blick in die dazugehörige Broschüre, so wird einem zwar mit schönen Bildern und Worten beschrieben, wie wertvoll der Spessart sei; eine antithetische Auseinandersetzung zum Thema Nationalpark mit logischen Schlussfolgerungen, die man als einigermaßen wissenschaftlich begründet bezeichnen könnte, findet jedoch nicht statt. Vielmehr offenbart sich, wie Wir-im-Spessart-lastig diese ist.

    So werden zum Beispiel die Thesen der Gegner des Nationalparks als „Argumente“ überschrieben, die Thesen der Befürworter dagegen als „Befürworter sagen“ bereits verbal abqualifiziert. Überraschend ist, dass in der Kommentierung die Argumente des Für und Wider als „schlüssig“ bezeichnet werden; überhaupt nicht „schlüssig“ jedoch ist der daraus resultierende Vorschlag des Abgeordneten.

    Außerdem solle das ausgewiesene Naturschutzgebiet „wissenschaftliche Begleitung“ erfahren. „Wissenschaftliche Begleitung?“, fragt sich da der geneigte Leser. Wofür eigentlich? Für eine Sandkasten-Vegetation?

    Lieber Herr Schwab, vergessen Sie's, das lohnt sich nicht! Der Vorschlag scheint mir nichts anderes als eine Art Wir-im-Spessart-gesteuertes Trojanisches Pferd zu verkörpern: Es soll einerseits die Reihen der Nationalpark-Sympathisanten beziehungsweise der noch Unentschlossenen aufweichen, damit den Interessen der Gegner letztendlich voll genüge getan werden kann. Dem potenziellen Wähler soll eingeredet werden, wie moderat, ausgewogen und volksnah unser Herr MdL agiert. Mit einem echten Kompromiss aber, der beide Seiten eventuell befrieden könnte, hat dieser Vorschlag nichts zu tun – im Gegenteil!

    Wilhelm Brönner 97840 Hafenlohr

    Bearbeitet von Roland Pleier

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