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    LOHR

    Bayerstürmer: Kampf gegen die Beschaulichkeit

    Beschaulichkeit heißt so viel wie „nix los“, „Langeweile“, „endlose Ruhe“, „Spießigkeit“ und „Geruch nach Bohnerwachs im Treppenhaus“.

    Hat auch Lohr jetzt ein Rotlichtviertel? Diese Frage stellt sich angesichts eines halben Dutzends Wohnwägen auf dem Park... Foto: DEHM

    Lohr im August – das ist vor allem eines: Beschaulichkeit. Ich muss es einfach verwenden, dieses wunderbar antiquierte Wort. Weil mir aber auch bewusst ist, dass die meisten Menschen sehr modern sind und deshalb nicht wirklich etwas mit diesem altmodischen Begriff anfangen können, erkläre ich ihn hier und jetzt.

    Beschaulichkeit heißt so viel wie „nix los“, „Langeweile“, „endlose Ruhe“, „Spießigkeit“ und „Geruch nach Bohnerwachs im Treppenhaus“. Beschaulichkeit ist etwas, das in vielen Menschen die Angst erzeugt, etwas im Leben zu verpassen.

    In den westlichen Industriegesellschaften werden die Menschen von klein auf dazu erzogen, bloß keine Zeit zu vergeuden. Da wird mit Vier die erste Fremdsprache gelernt, täglich unter professioneller Anleitung eine Stunde Gitarre geübt, ein Tanzworkshop für Teenies besucht, im Wahlunterricht der Schule wird das Schlafverhalten des Laufkäfers Amara kulti analysiert und nebenbei wird dieses und jenes und nochwas im Internet bestellt.

    Ständiges Lernen, Erfüllen von Erwartungen, die andere an einen haben, und ständiger Konsum stehen beim modernen Menschen an erster Stelle. Ganz wichtig ist auch, die Freizeit nicht zu verplempern, sondern sie sinnvoll zu nutzen, also im Urlaub weit weg zu fliegen, am Wochenende ins Theater zu gehen, ein Weinfest zu besuchen, ein Musical anzuschauen, eine Kunstausstellung, eine Zaubershow und und und . . .

    Dass die meisten Leute diesen gnadenlosen Zirkus mitmachen, liegt daran, dass sie sich dadurch möglichst wenig mit sich selbst beschäftigen müssen. Durch ein mehr oder weniger selbstgeschaffenes Dauerprogramm verhindern sie, sich der Beschaulichkeit auszuliefern – dieser gruseligen Beschaulichkeit, die sich zurzeit in Lohr breitmacht.

    Wir müssen verdammt aufpassen. Wenn wir es nicht tun, wird die Beschaulichkeit wie eine Krake von Lohr Besitz ergreifen und das, was wir in Jahrzehnten aufgebaut haben, auf einen Schlag zunichte machen – falls ihr die Herren Trump, Kim Jong-un oder andere Feuerleger nicht zuvorkommen... euer Bayerstürmer (wde)

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